Wie haben Sie vom Ausstieg der Swatch Group erfahren?

Formal hat uns die Swatch Group in einem Schreiben über ihren Entscheid informiert. Hingegen hatten wir – konkret auch vom VR aus – in den vergangenen Tagen und Wochen verschiedene Kontakte und Gespräche mit Herrn Hayek.

Denken Sie, dass sich dieser Entscheid noch umkehren lässt?
Wir sind im ständigen Gespräch mit allen Ausstellern, also auch weiterhin mit der Swatch Group.

Was heisst das für die Zukunft der Baselworld, wenn ihr grösster Partner aussteigt?

Der Ausstieg der Swatch Group ist natürlich ausserordentlich bedauerlich, aber das wird uns nicht daran hindern weiterhin – und erst recht – in enger Zusammenarbeit mit den Ausstellern das Konzept der Baselworld laufend den neuesten Bedürfnissen anzupassen.

Zum Beispiel präsentieren wir 2019 Highlights aus Les Atéliers, das Beste unabhängiger Uhrmacherkunst. In der Halle 1.1 entsteht mit «The Loop» ein Areal, das eine Ausstellung zur Kunst der Uhrmacherei («Métiers des Horlogers») vorhält. Ein weiteres Highlight wird die neue «Show Plaza» in der Halle 1.2, in der künftig die besten Schmuckhersteller versammelt werden. Ein spektakulärer 240-Grad-Catwalk mit zahlreichen LED-Screens ermöglicht ganz neuartige Formen der Schmuckinszenierung. Eine neue Kommunikationsstrategie, die mit innovativen digitalen Formaten arbeitet, wird den Marken ganzjährig eine Bühne für ihre Produkte bieten.

Welche Schritte braucht es nun?

Das Baselworld Management entwickelt die Strategie der Baselworld in enger Abstimmung mit den Ausstellern laufend weiter. In diesem Sinne haben wir nicht speziell auf den Rückzug der Swatch Group reagiert, sondern fokussieren uns auf ein neues attraktives und erweitertes Messekonzept für die Baselworld 2019.

Die Aktie der MCH hat heute Morgen um 10 Prozent nachgegeben, was bedeutet diese Krise bei der Baselworld für die ganze Unternehmung?

Die Schrumpfung der Baselworld hängt mit den übergeordneten Marktveränderungen zusammen. Multichannel-Strategien und digitale Vertriebskonzepte verlangen nach neuen Formaten und Konzepten. Dementsprechend arbeitet MCH bereits seit einiger Zeit an der Transformation zu einem diversifizierten und international präsenten Unternehmen.

Die Messeleitung stand immer wieder in der Kritik, das neue Konzept wurde offenbar ohne Konsultation der grossen Aussteller erarbeitet. War das ein Fehler?

Das Gegenteil ist der Fall: das Management der Baselworld trifft sich regelmäßig sowohl mit einem nationalen und einem internationalen Ausstellerkomitee. Bereits Anfang Mai wurde eine Ideensammlung dem Comité Consultatif, Ende Juni dann das Grobkonzept dem Comité mit den Vertretern der Schweizer Aussteller präsentiert und schliesslich am 4. Juli dem Comité Mondial, in dem auch die internationalen Aussteller vertreten sind, vorgestellt. In allen Comités Ist auch ein hochrangiger Manager der Swatch Group Mitglied, in einem als Präsident.  In allen drei Sitzungen gab es große Zustimmung zum Konzept.

Nach der Herbstwarenmesse und der Muba ist nun die dritte Messe in Gefahr, was heisst das für das gesamte Geschäftsmodell der MCH?

Die MCH Group ist inzwischen ein breit diversifiziertes Unternehmen, das international und national tätig ist. Die Veränderungen bei den Messen - übrigens bereits seit Jahren - sind Ausdruck eines grundsätzlich neuen Kundenverhaltens und einer Vielfalt von Distributionskanälen, die es bis zur Digitalisierung nicht gegeben hat. Es ist die Aufgabe des Managements und des Verwaltungsrates, diese Veränderungen aufzunehmen und das Konzept der MCH Group permanent den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Ist der Bau des Wohnturms und des Parkings durch die Krise gefährdet?

Nein, dieses Projekt soll durch Drittinvestoren finanziert und realisiert werden.

Haben Sie Reaktionen von den grossen Aktionären bekommen?

Wir haben die grossen Aktionäre über die Hintergründe und Auswirkungen des Rückzugs der Swatch Group direkt informiert und deren Fragen beantwortet.