Eigentlich wäre der Plan ein anderer gewesen: Die Basler sollten noch vor den Ferien erfahren, wer die Nachfolge von Andreas Beck im Theater Basel antreten wird. Beck wird bereits ab der Saison 2019/20 das Residenztheater München leiten, ist aber im selben Jahr auch noch für den Spielplan in Basel verantwortlich. Die neue Leitung wird ab Saison 2020/21 für das hiesige Haus gesucht.

Der Plan war, dass die Basler Regierung die Wahl der Findungskommission des Theater-Verwaltungsrats an ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause bestätigt. Nun wird daraus aber nichts. Der Verwaltungsrat teilte am Mittwoch in einem dürren Kommuniqué mit: «Die Findungskommission des Theater Basel ist auf sehr gutem Weg. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Wir werden nach der Sommerpause kommunizieren.»

Auch auf Nachfrage war dem Gremium keine weitere Information zu entlocken. Dessen Präsident Samuel Holzach bestätigte bloss, dass der Findungsprozess auf sehr gutem Weg sei. Im Januar hatte Holzach gegenüber der bzBasel gesagt, dass es das Ziel sei, noch vor der Sommerpause Klarheit zu haben.

Die Zeit drängt

Dass die Zeit drängt, betonte damals auch Direktor Beck. «Die Nachfolge muss bis im Juni geregelt sein. Sonst ist es zu spät für die Planung», so Beck. «Dazu nur ein Beispiel: Der Orchestervertrag muss jeweils 24 Monate im Voraus gezeichnet werden. Für die Saison 2020 bedeutet dies, dass meine Nachfolge bereits Mitte September einen Plan haben muss.»

Die Aussagen Becks werden von Hans-Georg Hofmann gestützt, und zwar mit Nachdruck. Der Leiter der künstlerischen Planung des Sinfonieorchesters Basel sagt: «Uns läuft die Zeit langsam davon. Wir verlieren wertvolle Wochen.» Die Planung der Saison 2020 sei für das Orchester sehr komplex. Im August und September wird nämlich das frisch umgebaute Casino eröffnet.

«Sogar abgesehen davon: Es braucht diesen Planungshorizont unbedingt. Wenn wir gute Solisten und herausragende Dirigenten engagieren wollen, sind sogar drei bis vier Jahre nötig.» Als Beispiel führt Hofmann das Teatro Real in Madrid an, wo auch Ivor Bolton, der Chefdirigent in Basel, wirkt: «Die Saison in Madrid ist bereits bis ins Jahr 2025 geplant.»
Platz für Spekulationen

Bleibt den Baslern also, während der Sommerferien über die neue Theaterleitung zu spekulieren. Einen Versuchsballon liess Mitte Mai der «Tages Anzeiger» steigen. Redaktor Andreas Tobler behauptete, ein Vertragsabschluss mit Barabara Frey stünde kurz bevor. Die Noch-Direktorin des Schauspielhauses Zürich liess dem Ballon jedoch die Luft raus. Sie habe sich weder für das Theater Basel beworben, noch befinde sie sich in Vertragsverhandlungen. «Ich bedauere es zutiefst, dass der ohnehin schon knapp bemessene Platz für Kultur in Zeitungen einmal mehr mit einer Falschmeldung gefüllt wird», so Frey. Der verantwortungslose Umgang mit Kulturinstitutionen von journalistischer Seite sei niveaulos und ärgerlich.

Das möchte der Schreibende an dieser Stelle natürlich nicht: niveaulos und ärgerlich sein. Dass die Spekulationen nun über Sommer ins Kraut schiessen, ist aber eben dem langen Findungsprozess geschuldet.

Ein oft genannter Name

Ein Name, der in Gesprächen mit Szene-Kennern oft fällt, ist Benedikt von Peter. Der 41-jährige Kölner leitet seit der Saison 2016/17 das Theater in Luzern, zuvor war er am Theater Bremen. Seine dortiges Musiktheaterprogramm wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Sein Vertrag in Luzern läuft im Sommer 2021 aus. Verhandlungen über eine Verlängerung seien für Frühling 2019 geplant, sagt Stefan Sägesser, der Kulturbeauftragte des Kantons Luzern.

Das Profil von Peters würde jedenfalls zu Basel passen. Er verfügt über Kompetenzen in allen drei Sparten, dem Theater, der Oper und dem Tanz. Für eine Stellungnahme war von Peter gestern nicht zu erreichen.