Sie gehört der fünften Generation des Swarovski-Clans an und ist die einzige Frau in der Geschäftsleitung des österreichischen Familienunternehmens. Nadja Swarovski vertritt als Kommunikationschefin unter anderem die Luxus-Linie Atelier Swarovski, von der sowohl Echt- als auch Modeschmuck-Kollektionen erhältlich sind. Die aktuelle «Women Empowerment»-Bewegung liegt ihr besonders am Herzen, wie sie uns beim Gespräch an der Baselworld erzählt hat.

Nadja Swarovski, konnten Sie sich an der Baselworld bereits ein wenig umsehen?

Nadja Swarovski: Noch nicht, aber ich habe es fest vor. Die Baselworld ist eine gute Gelegenheit, sich ein Bild von der Konkurrenz zu machen, obwohl ja nur noch halb so viele Aussteller hier sind, wie ich gehört habe.

Ja, vielen Ausstellern wurde die Messe zu teuer. Swarovski bleibt der Baselworld aber erhalten?

Das liegt nicht in meiner Entscheidungskompetenz. Aber ich denke, die Baselworld ist gerade auch für die Vermarktung unserer Uhrenkollektionen wichtig.

Wie oft waren Sie schon an der Baselworld?

(Lacht) Ich schäme mich: Es ist mein erstes Mal! Basel besuche ich aber immer während der Design Miami/Basel. Da sind wir ja auch präsent, mit der Wohnkollektion von Atelier Swarovski.

Und warum kommen Sie jetzt?

Die Linie Atelier Swarovski, für die ich verantwortlich bin, feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Sie zeichnet sich durch Designerkollaborationen aus. Das war ein guter Anlass für mich.

Die Linie ist im Hochpreissegment angesiedelt. Sind Sie mit den Umsätzen zufrieden?

Ja, durchaus. Bei den Onlineverkäufen könnten wir aber noch einen Zahn zulegen. Auch bei hochpreisigen Kollektionen wie jenen von Atelier Swarovski verschieben sich die Käufe zunehmend in den digitalen Raum.

Worauf legen sie bei den Echtschmuck-Kreationen den Fokus?

Auf die Nachhaltigkeit. Dass die Materialien – abgesehen von den Kristallen, die wir selber produzieren – aus fairem Handel stammen. Das ist mir persönlich enorm wichtig. Ein Unternehmen von der Grösse von Swarovski muss mit gutem Beispiel vorangehen.

Nachhaltigkeit ist ein grosses Wort. Was heisst das im Falle von Swarovski? Können Sie da ein bisschen konkreter werden?

Hier in Basel haben wir die neue Fine Jewelry Schmucklinie von Atelier Swarovski lanciert, bei der wir ausschliesslich Fairtrade-Gold aus einer kleinen Mine in Peru verwenden. Wir stellen sicher, dass die Arbeiter dort zu fairen Bedingungen angestellt sind und angemessene Löhne erhalten. Ausserdem unterstützen wir die betreffenden Dörfer vor Ort finanziell.

Eine solche Botschaft lässt sich sicher gut verkaufen.

Auf jeden Fall. Die Konsumenten sind heute top informiert und wollen Produkte, die sie mit gutem Gewissen tragen können. Besonders junge Kunden von uns legen grossen Wert auf Nachhaltigkeit. Sie wollen wissen, was sie da kaufen. Unser Nachhaltigkeitsreport wird immer stärker nachgefragt, auch, wie wir uns sozial engagieren.

Und jetzt abgesehen von dem guten Gewissen: Swarovski ist für modischen, trendigen Schmuck bekannt. Wie bleiben Sie da auf der Höhe, was gerade angesagt ist?

Bei Atelier Swarovski arbeiten wir wie gesagt seit jeher eng mit Modedesignern zusammen, die unter unserem Namen Kollektionen entwerfen oder Schmuck mit unsere Kristallen auf den Markt bringen, wie jüngst etwa Gucci. Und wir möchten diese Zusammenarbeiten in Zukunft noch vertiefen. Unsere Stärke ist es, die Modetrends widerzuspiegeln.

Was ist denn im Schmuckbereich Trend zurzeit?

Aktueller denn je ist, dass man durch das Tragen eines bestimmten Schmuckstücks ein Statement setzt. Je auffälliger, desto besser. In diesem Frühling und Sommer sind Steine in allen Farben sehr en vogue, Farben, die richtig knallen und ausdrücken: «Hier bin ich, eine starke und mutige Frau, und ich mag es, aufzufallen.» Minimalismus gehört der Vergangenheit an. Schmuck soll, muss heute mehr denn je Geschichten erzählen, muss für etwas stehen. Symbolismus ist ganz wichtig, das sieht man ja auch in der Mode. Und dieser Symbolismus wird uns noch einige Jahre im Schmuckbereich begleiten.

Das passt zur Women-Empowerment- und «metoo»-Bewegung.

Ja, ich finde diese neue Kraft der Frauen grossartig. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass es als Frau viel Energie und Willen braucht, um sich in der Geschäftswelt durchzusetzen. Wir haben im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit der UNO ein schlichtes Armband kreiert, von dessen Verkaufspreis zehn Prozent der ‹Safer City Initiative› der UNO zu Gute kommt, die zum Ziel hat, die Sicherheit insbesondere für Frauen in Städten zu erhöhen.

Und wie setzt Swarovski den Athleisure-Trend um? Sportliche Kleidung im Alltag zu tragen, ist seit einigen Jahren angesagt.

Oh, die Möglichkeiten hier sind mannigfaltig! Es gibt Kollektionen, da kombinieren wir zum Beispiel die Kristallsteine mit Gummi-Applikationen. Das sind Teile, die sie sowohl tagsüber als auch nachts tragen können. Die Schmuckkonsumentin heute will flexibel sein. Wir arbeiten alle und haben meist nicht auch noch Zeit, uns umzuziehen, wenn wir am Abend noch etwas unternehmen wollen.