Man muss lange in der Basler Politikgeschichte zurückgehen, um eine derart vielversprechende Ausgangslage zu finden, wie sie sich den Politikerinnen und Politikern der Basler SP bei den Wahlen im Herbst 2019 präsentiert: Bei den Genossen werden zwei der drei Sitze in Bundesbern frei. Im besten Fall winkt sogar noch ein zusätzlicher Platz im Nationalrat. Seit 2003 ging es national für die Genossen eigentlich nur darum, wer zuoberst hinter den Bisherigen landet und vielleicht die Chance hat, nachzurücken.

Doch mit dem Amtsende von Ständerätin Anita Fetz und Nationalrätin Silvia Schenker kommt Bewegung in die Partei. Nicht zuletzt, weil nach den Wahlen die Sitze auf absehbare Zeit wieder besetzt sein dürften. «Die Leute werden sich auf die Plätze auf der Liste stürzen», sagt SP-Fraktionschefin Beatriz Greuter. Sie fände es richtig, dass es Kampfwahlen gäbe. «Wir haben eine sehr gute Ausgangslage.»

Obwohl die SP erst im kommenden Frühjahr nominiert und sich Kandidaten noch bis Mitte Dezember melden können, zeichnet sich bereits jetzt ab, dass das Interesse an einem der fünf Listenplätze unter den Basler Sozialdemokraten sehr gross ist. Als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gilt Mustafa Atici. Er hat bereits dreimal als Nationalrat kandidiert, war 2011 und 2015 jeweils auf dem dritten Platz gelandet und damit Erstnachrückender.

Allgemein war man davon ausgegangen, dass er in der laufenden Legislatur Silvia Schenker in Bundesbern ablösen würde. Nachdem diese Variante nicht klappte, will es Atici nun nochmals wissen: «Ich habe Interesse an einer Kandidatur. Ich bin überzeugt, ich könnte in Bern etwas bewegen.» Seine politischen Schwerpunktthemen Wirtschaft und Lehrstellen seien für die Region sehr wichtig.

«Wird ein Gerangel geben»

Auch weitere Politikerinnen und Politiker bestätigen bereits jetzt, dass sie sich parteiintern für einen Platz auf der Liste bewerben werden. «Ich würde extrem gerne kandidieren», bestätigt SP-Grossrat Christian von Wartburg. Der Präsident der parlamentarischen Geschäftsprüfungskommission hatte sich schon zweimal intern um einen Platz auf der Fünferliste beworben und landete beide Male auf dem sechsten Rang. Auch dieses Mal rechnet er mit starker Konkurrenz: «Ich kann mir vorstellen, dass es ein richtiges Gerangel gibt.» Mit seiner politischen und beruflichen Erfahrung würde er den Rucksack für ein solches Amt mitbringen, so der Anwalt.

Auch seine Parlamentskollegin Edibe Gölgeli hat sich bereits entschieden: «Ich werde mich zur Verfügung stellen», sagt sie auf Anfrage. Der Generationenwechsel bei der SP sei eine Chance. Gölgeli sagt, ihre politischen Schwerpunkte würden eher auf Bundesebene behandelt: «Ich bin auch an Verkehrspolitik interessiert, aber meine Stärken liegen eindeutig bei Themen wie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Lohngleichheit oder auch Ausländerpolitik.»

«Momentan noch zu früh»

Andere geben sich noch zurückhaltender. Etwa Tobit Schäfer, der kürzlich aus dem Grossen Rat zurückgetreten ist. Er hatte bei den kantonalen Wahlen jeweils ein Spitzenresultat erzielt und würde der SP-Liste wohl auch Stimmen von Mitte- und bürgerlichen Wählern bringen. «Momentan ist es noch zu früh für einen Entscheid», sagt Schäfer. Aber Nationalrat sei ein interessantes Amt, für das er sich grundsätzlich qualifiziert halte.

Ein weiterer Aspirant ist Thomas Gander. Der SP-Grossrat ist als Fanarbeiter schweizweit bekannt geworden und arbeitet mittlerweile bei der Schweizer Fussballliga. Er mache sich entsprechende Überlegungen, sagt Gander: «Entschieden habe ich mich aber noch nicht.» Es sei ihm wichtig, sich zuerst noch mit weiteren Parteimitgliedern auszutauschen.

Ein weiterer Trend zeichnet sich ab: Die Frauen stellen Anspruch auf eine angemessene Vertretung. Bereits das letzte Mal nominierte die SP nur zwei Männer. Auf der Liste war damals auch Sarah Wyss. Auch sie überlegt sich, erneut ins Rennen zu steigen: «Natürlich reizt mich das sehr», sagt sie. Der Wahlkampf und am Ende der viertbeste Platz seien ein tolles, aber auch sehr anstrengendes Erlebnis gewesen.

Was auffällt bei den Frauen: Viele mögliche Kandidatinnen nehmen sich selber aus dem Rennen. Sie sitzen in der Wahlkampfleitung, die sich kürzlich konstituiert hat: Etwa Vizepräsidentin Kerstin Wenk, die 2015 noch kandidiert hatte, Fraktionschefin Beatriz Greuter oder Grossrätin Salome Hofer, die trotz ihres vergleichbar jungen Alters von 32 Jahren schon einen beachtlichen politischen Leistungsausweis und neun Jahre Erfahrung im Basler Parlament vorweisen kann.

Interesse zeigt dagegen Toya Krummenacher. Die Grossrätin arbeitet als Gewerkschaftssekretärin beim VPOD. Sie hatte sich vor vier Jahren schon um einen Platz auf der Liste beworben. «Das Politisieren auf nationaler Ebene interessiert mich auf jeden Fall.» Sie habe sich aber nicht abschliessend entschieden und müsse sich zuerst in Ruhe Gedanken machen.

Kampfwahlen für Sitz im Stöckli

Es sei ein schöner Aspekt einer demokratischen Partei, wenn das Interesse derart gross sei, sagt der Basler SP-Parteipräsident Pascal Pfister. «Ich begrüsse es, wenn am Ende die Basis entscheiden kann», sagt Pfister, nicht zuletzt mit Blick auf das Rennen um den Ständeratssitz.

Für diesen interessieren sich mit Finanzdirektorin Eva Herzog und Nationalrat Beat Jans zwei politische Schwergewichte für die Nachfolge von Anita Fetz. Und zurzeit gehen in der Partei alle davon aus, dass es zu internen Kampfwahlen um die Kandidatur fürs Stöckli kommen wird.