Nun ist es offiziell: Die Bahnstrecke Basel Badischer Bahnhof–Waldshut– Schaffhausen und von dort weiter nach Singen, Konstanz, Friedrichshafen und Ulm/Lindau ist im Amtsblatt der EU ausgeschrieben. Gesucht wird ab Dezember 2016 für zehn Jahre ein neuer Betreiber. «Es sind Dieseltriebwagen mit Neigetechnikausrüstung erforderlich», heisst es in der Beschreibung.

Derzeit wird die Strecke von der deutschen DB Regio gefahren, und es sieht so aus, dass dies auch weiter der Fall sein wird. Die SBB Deutschland GmbH, die zur allgemeinen grossen Zufriedenheit seit 2003 die Regio-S-Bahn von Basel über Lörrach ins Wiesental nach Zell betreibt, hat in der Vergangenheit zwar durchaus ihr Interesse an der Strecke bekundet, aber dies laut Willi Rehmann, Präsident von Pro Bahn NWCH, von ihrer Elektrifizierung abhängig gemacht. Ein Dieselbetrieb interessiere sie nicht. Bei den SBB Deutschland, einer eigenständigen SBB-Tochter, war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Diesel kein SBB-Kerngeschäft

Die SBB selbst äusserten sich so: «Wir klären aktuell im Detail, was die Ausschreibung genau beinhaltet und wie weit es sich darin ausschliesslich um Diesel-Strecken handelt. Fakt ist aber: Der Betrieb von Dieselzügen gehört nicht zum Kerngeschäft der SBB», teilte Mediensprecherin Lea Meyer mit.

Tatsächlich ist die Modernisierung der Strecke zwischen Basel Badischer Bahnhof und Schaffhausen seit vielen Jahren Thema. Erste Kostenschätzungen lagen 2009 vor. Diese haben sich in der Zwischenzeit auf 160 Millionen Euro verdoppelt, und auch der Zeithorizont hat sich ständig verschoben. Ging man erst noch von einer Fertigstellung Ende 2016 aus, also rechtzeitig zur Ausschreibung, war vor zwei Jahren von Ende 2018 die Rede. Heute erscheint auch dieses Datum unwahrscheinlich.

Zumindest geht es nach etlichem Hin und Her und kontraproduktiven Verknüpfungen mit anderen grenzübergreifenden Dossiers wie dem Fluglärm in Zürich oder dem deutsch-schweizerischen Steuerstreit heute wieder vorwärts. Derzeit bereiten das Schweizer Bundesamt für Verkehr (BAV) und das baden-württembergische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MIV) ein Art Vorprojekt vor. Es kostet voraussichtlich zehn Millionen Euro, an denen sich der Kanton Basel-Stadt mit maximal 1,4 Millionen Franken beteiligt. Von der EU wird im Rahmen des Intereg-Programms eine Unterstützung von fünf Millionen Euro erwartet. Die Entscheidung darüber wird laut Klaus Eberhardt, Oberbürgermeister von Badisch Rheinfelden, erst Mitte Jahr fallen. Für die Fertigstellung der Elektrifizierung mag er keinen Termin nennen und sagt: «Da fliesst noch viel Wasser den Rhein hinunter.» Noch nicht endgültig geklärt ist die Finanzierung.

Grenzübergreifende Bedeutung

Eberhardt, der auch Fraktionsvorsitzender der SPD im Regionalverband Hochrhein Bodensee ist, ist überzeugt von der grenzübergreifenden Bedeutung des Projekts, das auch im Hinblick auf das Herzstück Regio-S-Bahn positiv sei. Die Durchmesserlinie soll einst die beiden Basler Bahnhöfe unterirdisch durch die Innerstadt verbinden.

Ohne Elektrifizierung aber bleibt die Hochrheinstrecke eine Insel und kann nicht zum übrigen, elektrifizierten
S-Bahn-System durchgebunden werden, geschweige denn in den unterirdischen Tunnel des Herzstücks fahren. Zwischen dem deutschen Grenzbahnhof Erzingen und Schaffhausen sind knapp 20 Kilometer bereits elektrifiziert, es verbleiben die 74 Kilometer von Erzingen bis zum Badischen Bahnhof.

Alain Groff, Leiter des Basler Amts für Mobilität, bezeichnet es aus Sicht des Kantons als bedauerlich, dass das Projekt noch nicht weiter sei. «Jedes Jahr, das ohne Elektrifizierung verstreicht, ist schade.» Groff ging bisher davon aus, dass die Ausschreibung der Strecke nur für einen Übergangsbetrieb bis Oktober 2019 vorgesehen sei und die Hauptausschreibung erst dann erfolge.

Die Umsetzung der Elektrifizierung bis Ende 2018 hält er für unrealistisch. «Es wäre schön, wenn sie bis 2019 fertig ist. Aber auch das ist eine Herausforderung.» Dass es gar keine Übergangsausschreibung geben soll, erfuhr Groff gestern per Zufall aus dem Internet. Die Information machte ihn sprachlos.