«Es reicht nicht, einen Übertritt vom Tram zur S-Bahn an der Grenze zu ermöglichen. Das ist zu eng gedacht. Ich bin gegen eine neue S-Bahn-Haltestelle am Zoll zwischen Riehen und Lörrach. So wird die S-Bahn zum Tram», kritisiert Heinrich Ueberwasser, SVP Grossrat von Riehen.

Umsteigen in Lörrach Stetten

Ähnlich äussert sich Pro Bahn Nordwestschweiz, die sich dafür einsetzt, die Wendeschleife des 6er-Trams einige Hundert Meter weiter bis Lörrach-Stetten zu ziehen und dort den zukünftigen Umsteigeknoten zwischen Tram, Bus und S-Bahn zu schaffen. Dies sei eine «bessere Variante als der Neubau einer S-Bahn-Haltestelle», schreibt André Guillaume von Pro Bahn Nordwestschweiz in einer Stellungnahme, in der es vor allem um die Überlegungen des Lörracher Bauingenieurs Hannes Fischer geht, das Tram später nach Lörrach Haagen zu verlängern (siehe Box).

Die Verlegung der Tramwendeschlaufe habe den Vorteil, dass die Fahrgäste automatisch einen 15-Minuten-Takt auf der S-Bahn erhalten, weil in Stetten nicht nur die S6 vom Bahnhof SBB, sondern auch die S5 von Weil am Rhein ankomme, argumentiert Fischer.

Wenig begeistert von dieser Idee ist Ueberwasser: «Die Verlegung der 6er-Tram-Schlaufe Riehen-Grenze nach Stetten mit seinen Geschäften ist das Ende des Riehener Gewerbes. Zudem fehlt eine Prüfung der Umsteigepunkte zu Tram und Bus auf der ganzen S6.»

Die IG Pro Schiene Lörrach fürchtet vor allem, die Effizienz der S-Bahn im Wiesental könne durch eine neue Haltestelle am Zoll leiden. Für Ueberwasser folgt auf die neue S-Bahn-Station die «Verstädterung» Riehens. «Stettenfeld, Moostal, Schrebergärten und die Siedlungstrenngürtel sollen grün bleiben. Das haben verschiedene Volksabstimmungen ergeben.» Auf deutscher Seite gebe es die Verstädterung bereits. «Die Region muss aber unterschiedliche Konzepte vertragen», betont er.

Haltestelle ist IBA-Projekt

In der Diskussion ist die neue Haltestelle am Zoll bereits seit einigen Jahren. So ist sie bei der trinationalen Bauausstellung IBA Basel 2020, verbunden mit der städtebaulichen Neuordnung um die Haltestelle, als Projekt nominiert.

Für den Lörracher Oberbürgermeister Jörg Lutz ist klar, dass er nichts machen möchte, was den Nachbarn schade. «Wenn Riehen oder der Kanton Basel-Stadt dagegen wären, hätten sie uns das mitgeteilt. Ausserdem verpflichtet eine S-Bahn-Haltestelle am Zoll nicht, das Stettenfeld zu überbauen.»

Geplant sei die Haltestelle auf deutschem Gebiet haargenau an die Grenze zu bauen und dadurch Lörrach Stetten zu erschliessen. «Der Raum um den Zoll ist derzeit noch total ungenutzt», betont Lutz.

Ausweichort an der Grenze

Guido Vogel (SP) ist Riehener Gemeinderat und zuständig für Verkehr und Mobilität. Er verweist darauf, dass derzeit ein Planungswettbewerb um den Perimeter beim Zoll laufe, dessen Ergebnisse im September publiziert werden sollen. «Wenn man den S-Bahntakt auf 15 Minuten verdichten will, scheint mir ein Ausweichort an der Grenze sinnvoll», argumentiert Vogel.

Der Zeithorizont für die Erstellung der Haltestelle liege «vielleicht bei zehn Jahren». Bis zur Umsetzung wird es also noch dauern. Zum Stettenfeld sagt Vogel: «Die Landbesitzer wünschen, dass etwas passiert. 35 Prozent davon bleiben auf jeden Fall grün.