Ist Basel die Musikhauptstadt der Schweiz? In einer Woche bestimmt. Am Freitag, 22. September, wird in der Kaserne der Schweizer Musikpreis verliehen. Das Festival Zeiträume zündet an seinem letzten Wochenende nochmals ein Feuerwerk aus Musikexperimenten. Und am Samstag feiert diejenige Institution den 150. Geburtstag, die das Basler Musikleben prägt wie keine andere: die Musik-Akademie. Unklar ist, wie viele Schüler und Studenten sich in dieser Zeit die Klinken in die Hand gedrückt haben. Klar ist, dass unter ihnen einige waren, die später zu Ruhm kamen.

Persönlichkeiten wie Paul Sacher, Heinz Holliger, Pierre Boulez, Ina Lohr, Jürg Wittenbach oder Jacques Wildberger begründeten das Renommee der Akademie. Institutionen wie das La Cetra Barockorchester, die Schola Cantorum Basiliensis, die Basler Sinfonietta sind eng mit der Geschichte der Akademie verbunden. Mittlerweile ist die Jazzschule Teil von ihr und sie selbst im Verbund mit der Kooperationspartnerin FHNW tätig.

Wie es dazu kam, ist in der 400-seitigen Festschrift zum Jubiläum nachzulesen. Das grosse Geburtstagsfest steigt am Samstag, 23. September. Dann lädt die Akademie zu Musik und Tanz (siehe Kasten). Zudem wurde unter dem Titel «Avantgarde macht Schule» in der Vera Oeri-Bibliothek eine Ausstellung zur Geschichte der Institution ausgerichtet.

Das vergoldete Kleinod

Das schönste Geburtstagsgeschenk macht sich die Musik-Akademie Basel aber mit einem Grossprojekt, das dieser Tage seinen Abschluss findet: der Renovation des Grossen Musiksaals. Das geflügelte Wort «er erstrahlt in altem Glanz» trifft die Sache in diesem Fall. Unter der Leitung des Architekten Thomas Osolin und mit Begleitung der kantonalen Denkmalpflege wurde der 1905 erbaute Saal nach allen Regeln der Kunst renoviert und auf den neusten Stand gebracht.

Der augenfälligste Eingriff ist die Entfernung der alten Orgel. Sie war für die Akademie nicht mehr zwingend nötig und wurde zu einem symbolischen Preis nach Polen verkauft. Wo das Publikum früher Orgelpfeifen zählen konnte, sieht es nun ein riesiges Oval. Es dient der Akustik. Zudem wurde Platz gewonnen für eine zweiteilige Bühne. Die vordere ist ein versenkbarer, acht Meter breiter Korpus, mit dem die Konzertflügel aus dem Keller direkt auf die Bühne gebracht werden. Die variable Bühnengrösse erlaubt eine vielfältige Nutzung und schafft je nach Bestuhlung Platz für bis zu 300 Besucher.

Auch in Sachen Bühnentechnik wurde nicht gespart. In der Decke versenkte Seilzüge, eine mobile Leinwand, neuste Ton- und Videoaufnahmetechnik – es fehlt an Nichts. Wie viel diese erlesene Perfektion die Mäzenin Sabine Duchmalé-Oeri gekostet hat, wird nicht kommuniziert. Die grosszügige Spenderin hat sich mit ihrer Unterschrift an einer Wand im Foyer verewigt.
Basel kann dankbar sein für dieses Kleinod von Konzertsaal. Genutzt wird er auch in Zukunft vor allem für das dichte Veranstaltungsprogramm der Musik-Akademie, tagsüber und abends. In einer Woche darf das Publikum erstmals rein.