1 Um was geht es bei der Abstimmung über die Sanierung der St. Alban-Vorstadt?

Tatsächlich geht die dritte kantonale Vorlage im Vergleich zur Spitalfusion und der Steuervorlage, die am 10. Februar ebenfalls zur Abstimmung stehen, etwas unter. Kurz zusammengefasst wird darüber entschieden, ob die Dalbe-Vorstadt zwischen St. Alban-Graben und Malzgasse – etwa 250 Meter – saniert und gemäss dem Gestaltungskonzept Innenstadt zu einer Begegnungszone umfunktioniert werden soll.

2 Innenstadt? Die St. Alban-Vorstadt?

Tatsächlich gibt es verschiedene Definitionen des Begriffs Innenstadt. Während beispielsweise das Verkehrskonzept nur für das innere Stadtzentrum gilt, ist der Perimeter für das Gestaltungskonzept deutlich weiter gefasst. Dieses orientiert sich entlang der früheren äusseren Stadtmauer plus die beiden Bahnhöfe. Die St. Alban-Vorstadt ist demzufolge eine historische Vorstadtstrasse. Die Gegner der Vorlage kritisieren dies als «Mogelpackung».

3 Was ist in der St. Alban-Vorstadt konkret geplant?

Ein Beispiel für das Gestaltungskonzept Innenstadt ist etwa die nahe gelegene Rittergasse. Auch in der St. Alban-Vorstadt soll der Niveau-Unterschied zwischen Fahrbahn und Trottoir aufgehoben werden. Optisch unterscheiden sich die beiden Bereiche aber klar: Die Fahrbahn ist asphaltiert und für die Fussgängerbereiche ist eine Wackenpflästerung geplant. Auch soll die Übersicht verbessert und für mehr Verkehrssicherheit der Autoverkehr teilweise eingeschränkt werden.

4 Was passiert mit dem Schöneck-Brunnen?

Der Brunnen, der vor allem im Sommer als Bademöglichkeit sehr beliebt ist, steht unter Denkmalschutz und wird nicht angefasst. Allerdings würde die kleine Trottoirinsel entfallen, auf der er jetzt steht. Für die Sicherheit sind neu Steinpoller geplant. Zudem sollen Sitzbänke aufgestellt werden.

5 Warum muss über eine solch quartierspezifische Frage im ganzen Kanton abgestimmt werden?

Eine Gruppe Anwohner hat unter dem Motto «Erhalt der Trottoirs!» das Referendum ergriffen. Sie fürchten, dass die Gefahr von Unfällen zunehme, wenn der Niveau-Unterschied zwischen Trottoir und Fahrbahn wegfällt. Unterstützt werden sie von den bürgerlichen Parteien FDP, LDP, SVP und den Grünliberalen. Auch die freiwillige Denkmalpflege und der Heimatschutz empfehlen ein Nein. Die Befürworter sehen keinen historischen Zustand zerstört. Die Ja-Parole beschlossen haben die SP, Grüne, Basta und die CVP. Unterstützt werden sie unter anderem vom Behindertenforum und Pro Velo.

6 Was passiert bei einem Nein am 10. Februar?

Klar ist: Die St. Alban-Vorstadt wird auf jeden Fall saniert. Sowohl die Fahrbahn als auch Elektro-, Telekom- und Wasserleitungen müssen erneuert werden. Auch die Trottoirs, die teilweise nur 80 Zentimeter breit sind, entsprechen nicht mehr den aktuellen Ansprüchen an einen hindernisfreien öffentlichen Raum und müssen verbreitert werden. Die Fahrbahn für Autos wird also so oder so eingeschränkt. Verzichtet werden müsste aber auf die Umsetzung des Gestaltungskonzepts Innenstadt. Man kann davon ausgehen, dass bei einem Erfolg der Gegner künftig auch weitere vergleichbare Projekte bekämpft würden. Konkret geplant ist etwa die Umgestaltung der Spalenvorstadt zwischen Spalentor und Schützenmattstrasse. Das Gestaltungskonzept Innenstadt könnte so schnell zum Papiertiger verkommen.