Nach Zürich und Bern hat nun auch Basel seinen Energy-Sender. Radio Basel wird zu Energy Basel. Nachdem in den letzten Tagen bereits über eine Partnerschaft des vormaligen Senders Basel 1 mit der Energy-Gruppe spekuliert worden war, bestätigten die Verantwortlichen die Zusammenarbeit gestern. Der bisherige Alleineigentümer Karlheinz Kögel behält 85 Prozent an der Radio Basel Gruppe, Ringier (9,8) und NRJ Group Paris (5,2) teilen sich den Rest der Anteile.

Bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag hat Radio Basel seinen Sendebetrieb eingestellt. Anstelle des normalen Programms läuft nun durchgehend Musik. Am Freitagmorgen geht Energy Basel mit «Energy – Mein Morgen» auf Sendung.

Die Programmleitung von Energy Basel übernimmt Eva Nidecker. «Ich freue mich natürlich auf diese Herausforderung», sagt die 31-jährige Baslerin. Dass mit Ringier ein Zürcher Unternehmen an Energy Basel beteiligt ist, erscheint Nidecker nicht problematisch. «Das sind gerade einmal 9,8 Prozent. Energy Basel ist und bleibt ein Basler Radio.»

Die Erfolge der Energy-Stationen in Zürich und Bern zeigten klar auf, dass das Konzept funktioniere. Aktuell weilen 13 Angestellte von Radio Basel in einem «Bootcamp». «Sie werden dort an unsere Vorstellungen von Energy Basel herangeführt», erklärt Nidecker. «Wir haben uns für sie entschieden, schliesslich müssen sie sich aber auch für uns entscheiden.»

Impressum, der Berufsverband der Schweizer Journalisten, prüft derweil, ob Energy Basel eine widerrechtliche Massenentlassung vorgenommen hat. Inklusive der neun Entlassungen in der vorletzten Nacht seien gemäss Impressum seit Ende 2011 rund 20 Entlassungen ausgesprochen worden.

Konkurrenz ist sich nicht einig

«Offenbar sehen die Behörden trotz des radikalen Konzeptwechsels von Radio Basel zu Energy Basel keinen Handlungsbedarf», sagt Thomas Jenny, Geschäftsleiter des nicht-kommerzorientierten Konkurrenten Radio X. «Eine vollkommene Beraubung des Inhalts und des Sinnes einer Konzession kann so nicht akzeptiert werden. Damit wird die Gesetzgebung umgangen.» Sollte das Bakom nicht auf die Beschwerde eintreten, kann sich Radio X gemäss Jenny vorstellen, rechtliche Schritte einzuleiten. «Wenn der Wechsel von einem Baselbieter Sender für Erwachsene in ein europäisches McDonald’s-Radio zugelassen wird, dann öffnet das allen Radioanstalten Tür und Tor, sich nach Belieben von den Inhalten ihrer Konzession zu entfernen.»

Anders beurteilt man die aktuelle Situation bei Radio Basilisk. «Zuerst einmal reagieren wir gelassen», sagt Matthias Hagemann, Verwaltungsratspräsident von Radio Basilisk. «Wir haben uns dieses Szenario bereits im letzten Sommer so vorgestellt. Radio Basel war schliesslich ein fulminanter Misserfolg.»

Einer allfälligen Beschwerde beim Bakom kann Hagemann nicht viel abgewinnen: «Ich sehe nicht so recht ein, was das soll. Sowohl Energy als auch wir stehen zu 100 Prozent im Wirtschaftsleben. Ich denke nicht, dass der Rechtsweg zielführend ist.» Dass Energy ein starker Konkurrent ist, sei ihm bewusst. «In der Ausrichtung wird sich Energy Basel aber sicher wieder klarer von uns abgrenzen, als dies Radio Basel zuletzt getan hat.»

Ein erstes Opfer hat die neue Ausrichtung von Energy Basel bereits gefordert: Die Veranstaltung in der Gesprächsreihe Theater Radio Basel morgen findet nicht statt, wie Michael Bellgardt, Mediensprecher des Theater Basel, bestätigt.