Für einmal setzt sich ein Politiker über alle Gesetzesmühlen und ein laufendes Verfahren hinweg: Baudirektor Hans-Peter Wessels hat den SBB in einem E-Mail erlaubt, die neuen LED-Anzeigetafeln am Bahnhof zu installieren, obwohl sein Entscheid noch nicht gefragt war. Dies hat das «Regionaljournal» von SRF aufgedeckt. In seinem Mail schrieb Wessels, er übernehme die Verantwortung dafür, dass die Anzeigetafeln ohne Baubewilligung installiert werden.

Das Veto stand kurz bevor

Laut «Regionaljournal» wurde das Mail am 19. November abgeschickt. Also vier Tage vor der Demontage der alten Anzeigen, um die ein halbes Jahr lang gestritten wurde. Die Denkmalpflege plante, den SBB Mitte Dezember mitzuteilen, dass sie die neuen Displays definitiv ablehnt, weil diese eine zu starke optische Konkurrenz zu den Gemälden in der Schalterhalle seien.

Gegen den Entscheid der Denkmalpfleger hätten die SBB vorgehen können, indem sie an die zweite Instanz gelangt wären, also zu Baudirektor Hans-Peter Wessels. Mit seinem E-Mail gewährte er den SBB eine einzigartige Sonderbehandlung. «Im vorliegenden Fall hat der Departementsvorsteher als Vorgesetzter einen Entscheid übersteuert. Das kommt selten vor. Ich wüsste nicht, wann das das letzte Mal der Fall gewesen ist», sagt Marc Keller, Mediensprecher des Baudepartements.

Brisant: Die Denkmalpflege fordert von den SBB seit einem halben Jahr ein Reklamekonzept für die Schalterhalle des Bahnhofs. Für den Zürcher Hauptbahnhof existiert ein solches Konzept bereits. Wäre das auch in Basel der Fall, hätte die Denkmalpflege im Poker um die Anzeigetafeln vielleicht bessere Karten in der Hand gehabt. «Grundlage für die Forderung nach einem Reklamekonzept ist die Tatsache, dass das Gebäude der SBB unter Denkmalschutz steht und man nicht über jede kleine Änderung neu verhandeln soll.

Ein Konzept würde allen Beteiligten eine viel bessere Grundlage bieten», so Marc Keller. Wegen seines Einsatzes für die SBB erwartet der Regierungsrat, dass diese das Reklamekonzept eher fertigstellt. Laut SBB-Sprecher Reto Schärli steht das Reklamekonzept kurz vor Abschluss. «Es macht Sinn, die Interessen des Bahnverkehrs und der Denkmalpflege sauber zu regeln», so Schärli weiter. Der Umkehrschluss: Bis jetzt lief nicht alles sauber.

Displays brauchen mehr Strom

Zur Sonderbehandlung durch den Regierungsrat sagt SBB-Sprecher Schärli: «Wir sind froh um die Unterstützung von Herrn Wessels. Es ist ganz im Sinne der Kunden, dass auch in Basel der neue Generalanzeiger fristgerecht montiert werden konnte.» Die SBB sind zuversichtlich, dass sie nun im Nachhinein die Baubewilligung erhalten werden. Auch bei anderen Bahnhöfen habe es gegen die neuen Generalanzeiger keine Einsprachen gegeben. Zu den neu hinzukommenden Werbeeinnahmen will die SBB keine Angaben machen. Einen Nachteil gibt es aber: Die LED-Displays brauchen mehr Strom als die alten Fallblattanzeiger.

Umfrage

Der Basler Bahnhof SBB hat zwei neue LED-Anzeigetafeln. Eine davon zeigt den Fahrplan, die andere zeigt Werbung: Was sagen die Kunden dazu?

«Ich schaue meistens die kleinen Monitore an, wo der Ankunftsfahrplan gezeigt wird. Bis 2. Dezember konnte ich das auch auf der Teletext-Seite 486 nachschauen. Das wurde leider abgeschafft. Die neue grosse Tafel finde ich grundsätzlich schön, man kann sie besser lesen. Die alte spiegelte stark.»

Oscar E. Wyss, Basel

«Ich schaue meistens die kleinen Monitore an, wo der Ankunftsfahrplan gezeigt wird. Bis 2. Dezember konnte ich das auch auf der Teletext-Seite 486 nachschauen. Das wurde leider abgeschafft. Die neue grosse Tafel finde ich grundsätzlich schön, man kann sie besser lesen. Die alte spiegelte stark.»

«Ich bin selten in Basel und habe die alte Anzeigetafel darum nicht gekannt. Die neue Tafel hat einen guten Kontrast. Es ist ein Zeichen des Fortschritts, dass jetzt LED-Anzeigetafeln installiert werden. Und wenn wir keinen Fortschritt hätten, was dann? Wir würden stattdessen einen Schritt zurück machen.»

Andreas Thorarisson, Island

«Ich bin selten in Basel und habe die alte Anzeigetafel darum nicht gekannt. Die neue Tafel hat einen guten Kontrast. Es ist ein Zeichen des Fortschritts, dass jetzt LED-Anzeigetafeln installiert werden. Und wenn wir keinen Fortschritt hätten, was dann? Wir würden stattdessen einen Schritt zurück machen.»

«Die Schrift auf der neuen Anzeigetafel ist gut lesbar. Die neue Tafel kommt besser zur Geltung als die alte. Die Werbung stört mich grundsätzlich nicht, aber die beiden Bildschirme sind zu nah beieinander. Darum wird man durch die Werbung abgelenkt, wenn man den Fahrplan anschaut.»

Bianca Gusset, Lausen

«Die Schrift auf der neuen Anzeigetafel ist gut lesbar. Die neue Tafel kommt besser zur Geltung als die alte. Die Werbung stört mich grundsätzlich nicht, aber die beiden Bildschirme sind zu nah beieinander. Darum wird man durch die Werbung abgelenkt, wenn man den Fahrplan anschaut.»

«Ich sehe die neue Anzeigetafel heute zum ersten Mal, sie ist mir zuerst gar nicht aufgefallen. Man kann den Fahrplan darauf gut lesen, auch wenn man eine Sonnenbrille trägt. Der Werbebildschirm stört mich eigentlich nicht, weil ich Werbung sowieso ignoriere. Ich entscheide selber, was ich kaufe.»

Marie Schwery, Basel

«Ich sehe die neue Anzeigetafel heute zum ersten Mal, sie ist mir zuerst gar nicht aufgefallen. Man kann den Fahrplan darauf gut lesen, auch wenn man eine Sonnenbrille trägt. Der Werbebildschirm stört mich eigentlich nicht, weil ich Werbung sowieso ignoriere. Ich entscheide selber, was ich kaufe.»

«Ich komme gerade vom Weihnachtsmarkt, sonst bin ich nicht oft in Basel. Die neue Fahrplananzeige habe ich gar nicht beachtet. Aber ich finde sie noch gut. Auch die neue Anzeigetafel in Aarau gefällt mir. Und das Rattern der alten Anzeige vermisse ich nicht. Hauptsache, man kann es gut lesen.»

Resi Hunziker, Aarau

«Ich komme gerade vom Weihnachtsmarkt, sonst bin ich nicht oft in Basel. Die neue Fahrplananzeige habe ich gar nicht beachtet. Aber ich finde sie noch gut. Auch die neue Anzeigetafel in Aarau gefällt mir. Und das Rattern der alten Anzeige vermisse ich nicht. Hauptsache, man kann es gut lesen.»