Muba tot, Baselworld im Niedergang, Messe-CEO René Kamm weg: Im Baselbiet ist der Ärger gross über die aktuelle Situation bei der Messebetreiberin MCH Group. In seltener Einmütigkeit üben Rechts und Links Kritik – und fordern einen Ausstieg des Kantons Baselland als Minderheitsaktionär der MCH Group. Der Landkanton hält aktuell 7,9 Prozent der Aktien, Basel-Stadt 33. Grünen-Fraktionschef Klaus Kirchmayr spricht unverhohlen von einem «Kommunikations-Desaster» und «strategischem Führungsversagen»: «Der Verwaltungsrat der MCH Group hat viel zu zögerlich reagiert auf den seit langem absehbaren Strukturwandel im Messegeschäft.» Die Digitalisierung hätte bereits vor Jahren eine Neupositionierung der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld nötig gemacht. Passiert sei bis heute wenig.

Für den Finanzspezialisten ist klar: Die seit 1918 – also seit genau 100 Jahren – bestehende Beteiligung des Landkantons an der früheren Messe Basel und heutigen MCH Group ist nicht mehr zeitgemäss. Dies aus mehreren Gründen: Sechs der elf MCH-Verwaltungsräte sind Vertreter der beteiligten öffentlich-rechtlichen Körperschaften; der Kantone Basel-Stadt, Baselland und Zürich sowie der Stadt Zürich. «Als Folge davon ist im Verwaltungsrat zu wenig branchenspezifische Expertise vorhanden», kritisiert Kirchmayr.

Über Verkauf redet Land ...

Hinzu komme, dass die zunehmenden Auslandaktivitäten mit erheblichen finanziellen Risiken für den Kanton verbunden seien, umgekehrt die demokratische Kontrolle über Entscheide der Messe in aller Regel nicht gegeben sei. Kirchmayr betont, bereits vor den Verwerfungen der vergangenen Monate im Landrat auf die Risiken hingewiesen zu haben. Für ihn ist klar: «Letztlich gibts nur eine Lösung: Die Beteiligung verkaufen.»

Auffallend ähnlich äussert sich SVP-Chef Oskar Kämpfer. Auch er kritisiert die Spitzen der MCH Group: «Der Verwaltungsrat hat sein Business nicht begriffen. Mir kann man nicht erzählen, dass die Muba keine Zukunft habe.» Die ähnlich gelagerten Olma (St. Gallen) und Bea (Bern) bewiesen laut Kämpfer, dass Publikumsmessen bei richtiger Positionierung auch 2018 erfolgreich sein können.

Die Tatsache, dass «sein» Regierungsrat Thomas Weber ebenfalls Mitglied des MCH-Verwaltungsrats ist, kommentiert Kämpfer so: «Erstens ist Thomas Weber nur einer von elf Verwaltungsräten, zweitens kenne ich seine Vorstellungen zur Zukunft der MCH Group.» Der Kanton habe nun zwei Möglichkeiten: Entweder setze er sich für fähige Leute an der Messe-Spitze ein – oder aber er ziehe sich zurück. Kämpfer glaubt nicht so recht an einen erfolgreichen Turnaround: «Letztlich ist die Exit-Strategie die beste», ist der SVP-Chef überzeugt.

Schliesslich plädiert auch FDP-Fraktionschef Rolf Richterich dafür, dass der Kanton die Beteiligung abstösst. Dies allerdings unabhängig von den jüngsten Negativ-Schlagzeilen. Der Messestandort sei für die Region wichtig, die Beteiligung letztlich aber aus Kantonssicht nicht relevant. «Die Politik hat im Messe-Verwaltungsrat nichts zu suchen», findet er.

... und auch die Stadt

Auch in der Stadt regt sich Widerstand. Weniger stark zwar als im Baselbiet. Das hat zwei Gründe: Zum einen sind LDP und SP mit Ueli Vischer respektive Christoph Brutschin selber im Verwaltungsrat der MCH Group vertreten. Zum anderen sehen viele Parteien die Messe unter Zugzwang. Sie erwarten einen finanziellen Ausgleich für die von der Messe geforderte und vom Staat kräftig mitfinanzierte neue Halle. Doch auch in Basel spielen Politiker offen mit dem Gedanken, der Kanton solle sich aus dem Aktionariat zurückziehen.

«Es gibt keinen Grund, weshalb Basel Aktien des Messekonzerns besitzen soll. Ich unterstütze einen Verkauf», sagt Basta-Co-Präsidentin Tonja Zürcher. Grünen-Grossrat Thomas Grossenbacher hält zumindest die Frage für berechtigt. FDP-Präsident Luca Urgese findet, der Konflikt zwischen lokaler Standortförderung und internationalen Aktivitäten «muss so bald als möglich aufgelöst werden». Das Beteiligungskonzept müsse grundlegend überdacht werden. Und selbst für LDP-Chefin Patricia von Falkenstein ist das Basler Messe-Aktionariat «nicht in Stein gemeisselt».