Seit rund neun Jahren existiert an der Amerbachstrasse im Quartier Matthäus ein Bordell, das eigentlich keines sein sollte. Das Bau- und Gewerbeinspektorat Basel-Stadt hatte im Dezember 2008 nämlich lediglich einen Fitnessclub mit Snackbar bewilligt. Von Beginn an wurde in den Räumlichkeiten unter dem Titel "FKK Basel" allerdings Sex verkauft. Von 60 Kunden pro Tag ist die Rede.

Das wollten sich die Anwohner nicht bieten lassen. Sie intervenierten beim Bau- und Gewerbeinspektorat. Dieses setzte 2013 durch, dass die Betreiberin des Bordells eine neue Bewilligung als "Sex-Betrieb" einreichen mussten. Eine solche folgte tatsächlich – und wurde von Anwohnern angefochten.

Das Resultat ist ein jahrelanger Rechtsstreit, während dem der Betrieb stets weitergeführt werden durfte. Das Argument des Bau- und Gewerbeinspektorats: Eine Schliessung vor Ende des Verfahrens sei "unverhältnismässig". Jedoch wurde sie vom Bau- und Gewerbeinspektorat auf 1. September 2017 verfügt, wogegen die Bordellbetreiber Rekurs einlegten. (Der Rechtsstreit ist bis heute nicht beigelegt.)

Wer steckt dahinter?

Das Bordell FKK Basel wird von der KMS Verwaltungs GmbH geführt. Im Handelsregisteramt ist seit 2015 der Zweck der Firma so beschrieben: "Die Gesellschaft bezweckt den An-, Verkauf, die Vermietung sowie die Verwaltung von Liegenschaften und Grundstücken. Die Gesellschaft kann Gastrobetriebe führen und erbringt Consulting- und übrige Dienstleistungen in der Gastronomie." 

In der Amtlichen Publikation von 2015 schrieb das zuständige Bau- und Verkehrsdepartement über FKK Basel: "Umnutzung Fitnessclub in Hinterhaus in Sex-Betrieb (mit bestehendem Restaurationsbetrieb". Als Bauherrschaft ist die Miteigentümerin der Liegenschaft Amerbachstrasse 45, Tanja Hinze, angegeben. Verantwortlich für das Projekt sei die Mereas GmbH. Beide sind an der Maulbeeerstrasse in Basel zu finden. 

Der Streit erreichte im Herbst einen neuen Höhepunkt: Weil beim Bau- und Gewerbeinspektorat nur 5 Parteien eine Stellungnahme abgegeben hatten, erklärten die Bordellbetreiber, dies zeige, dass der Betrieb nicht störe und die Einsprachen aus dem Jahr 2015 "veraltet" seien. Die Anwohner im Matthäus-Quartier staunten ob dieser Aussage – und ärgerten sich.

Noch immer herrscht Verkehr

Im März 2018 herrscht immer noch Verkehr im und um das Bordell. Der Sprecher der Anwohner, Markus Knöpfli, zählt als störendes Verhalten auf: "Häufiges lautes Lachen", zu Tages- und Nachtzeit "Diskutieren und Grölen", "Erbrochenes im Eingangsbereich und in der Ausfahrt", zuschlagende Autotüren in der Nacht, Autolärm und betrunkene Kunden, die bei Nachbarn klingeln und sie anpöbeln würden.

Jetzt haben 201 direkte und indirekte Nachbarn erneut reagiert und eine Petition unterschrieben. Knöpfli brachte sie am Montag bei der Baurekurskommission vorbei, wie er auf Anfrage erklärt. In ihrer Mitteilung vom Mittwoch fordern Knöpfli und die Anwohner des Bordells erneut die Schliessung des FKK Basel. Damit soll nicht nur den Betreibern widersprochen werden, die erklärt hatten, ihr Betrieb störe nicht. Knöpfli fordert von den Basler Behörden gleichzeitig, "dass die FKK-Betreiber gebüsst werden und einen angemessenen Umsatzanteil als Entschädigung für Umtriebe und Unannehmlichkeiten an Quartierorganisationen in Basel bezahlen müssen".