Der Nordstern am Voltaplatz ist der beste Club der Schweiz. Erst am vergangenen Samstag erhielt der Ausgeh-Ort zum zweiten Mal in fünf Jahren an den Swiss Nightlife Awards die Auszeichnung als bester Club der Schweiz. Erhalten hat das Team eine Trophäe in Form einer Eule aus Keramik. «Die ist aber leider am selben Abend noch kaputt gegangen», sagt Agron Isaku, Geschäftsführer und Programmleiter des Tanztempels. Wie Isaku erzählt, werden sie eine Ersatz-Eule erhalten, doch eine gewisse Symbolik kann man der kaputten Trophäe dennoch nicht aberkennen: denn der Nordstern muss schliessen. Der offiziell beste Club der Schweiz existiert nur noch bis zum 31. Dezember 2015, dann werden an der Voltastrasse für immer die Lichter gelöscht.

Sehr unerwartet kommt die Nachricht, dass der Nordstern schliessen muss, nicht. Der Club ist Zwischennutzer, ein Ende war immer absehbar. Dass es jetzt aber – nach 15 Jahren – definitiv ist, kommt für Isaku doch etwas überraschend. «Der Nord hat die ersten zehn Jahre seines Bestehens immer nur für ein Jahr eine Verlängerung bekommen. 2010 dann konnten wir einen Fünfjahres-Vertrag mit Option auf Verlängerung abschliessen.» Diese Option sei ihnen nun vom Vermieter, der IWB, genommen worden. «Sie haben Eigenbedarf angemeldet», erklärt der 35-Jährige, der seit 2010 die Führung innehat.

Auf Nachfrage bestätigt die IWB dies: «Das Ende des Mietverhältnisses mit dem Nordstern ist im anstehenden Umbau und der Sanierung des benachbarten Gebäudes – dem sogenannten Längsbau – begründet.» Dabei werde zunächst der Längsbau saniert und dann umgebaut, sodass einige, heute auf verschiedene Gebäudeteile verteilte Anlagen darin zusammengeführt werden können. «Allen Zwischennutzern im Gebäude an der Voltastrasse war vom Beginn der Mietverhältnisse an bekannt, dass wir die Räumlichkeiten in der Zukunft wieder als Eigenbedarf für betriebliche Zwecke beanspruchen werden», sagt Erik Rummer, Mediensprecher der IWB.

Diverse Leute auf der Strasse

Für Isaku ist es weniger die Tatsache, dass sie die Location räumen müssen, sonder viel mehr die Umstände, die ihn stören: «Die Mieter in der Etage oberhalb von uns können bleiben, genau so wie das Volta Bräu eine Etage unter uns. Nur wir müssen unseren Stock räumen.» Doch viel mehr stört ihn, dass mit dem Ende des Nordsterns diverse Leute auf der Strasse stehen werden: «Man muss bedenken, dass der Nordstern 48 Mitarbeiter hat. Sechs davon sind 100 Prozent angestellt, 20 Leute immerhin in einem 50-Prozent-Pensum. Wir sind ein mittelgrosses Unternehmen.» Für Isaku wird «eine ganze Maschinerie ausgeknipst.» Und die Stadt wisse gar nicht, was sie mit der Schliessung des Clubs verliere. «Wir bringen Wochenende für Wochenende Hotelreservationen, beschäftigen an den Abenden bis zu 300 Taxis, die unsere Gäste nach Hause bringen.» Das wolle jedoch niemand sehen.

Ausserdem falle das Ende ausgerechnet in eine Zeit, in der alles unglaublich gut laufe. «Wir sind international bekannt, locken immer wieder Stars der Szene nach Basel.» Langsam hätten sie gutes Geld damit verdienen können, sagt Isaku. «Uns geht es ähnlich wie dem Hinterhof, der auch keine Verlängerung bekommt, wie mir mitgeteilt wurde.» Nachforschungen der bz bestätigen diese Informationen: «Das stimmt. Der Betrieb kann bis Ende Januar 2016 aufrechterhalten werden, danach gibt es keine Möglichkeit auf eine Verlängerung», sagt Barbara Neidhart, Mediensprecherin von Immobilien Basel-Stadt, welchen das Gebäude gehört, in dem sich der Hinterhof eingemietet hat. Das Areal gehe danach wie geplant an den nächsten Nutzer.

Neben dem Nordstern schliesst Ende des Jahres also tatsächlich auch noch ein zweiter, grosser und gut laufender Club. Isaku macht sich ob der beiden Schliessungen Sorgen: «Wo gehen dann die Gäste hin? Es geht eine ganze Kultur kaputt.» Bis zu 1500 Gäste würden an einem Abend diese beiden Clubs besuchen. Und auch ein Szenekenner, der namentlich nicht genannt werden will, äussert gegenüber der bz Bedenken: «Wenn diese beiden Clubs parallel schliessen, wird ein ziemlich grosses Loch entstehen – vor allem, was die Qualität angeht.»

Umzug nach Zürich?

Und was passiert nun mit dieser «Maschinerie», wie Isaku den Nordstern nennt? «Bis jetzt hatten wir noch keinen Erfolg bei der Suche nach einer neuen Location.» Und dies obwohl es in Basel laut Isaku genügend geeignete Locations gäbe. «Es gibt ganze Gebäude, die leer stehen und sich perfekt eignen würden.» Niemand wolle jedoch einen Club – überall stosse man auf Granit. «So wie es jetzt aussieht, gibt es den Nordstern in Basel nach 2015 nicht mehr.» Aufgeben will er sein Projekt aber natürlich nicht. «Das wäre ja dumm. Was ich genau mache, steht noch in den Sternen. Aber es ist möglich, dass ich den Nordstern gar unter diesem Namen in Zürich aufziehe.» Ganz neu ist die Stadt nicht für ihn, lebte er doch bereits zehn Jahre dort. «Ich würde aber pendeln, nicht mehr von Basel wegziehen.»

Und ganz ist die Hoffnung, dass noch eine Location in Basel gefunden wird, noch nicht gestorben. Und vielleicht bringen die Scherben der Eule ja Glück ...