Es war ein Paukenschlag: Im April hatte die bz bekannt gemacht, dass die Tiefbauämter beider Basel hinter den Kulissen über eine ganz neue Ringautobahn brüten, zu welcher der umstrittene Gundelitunnel nur den Auftakt bilden würde. Während die vertraulichen Papiere den Verkehrslobbyisten des TCS bereits vorgestellt worden waren, wussten die beiden Parlamente von nichts – und das, obwohl der Basler Grosse Rat gleichzeitig über ein mögliches Verbot des Gundelitunnels beraten hatte. Das Vorgehen trug Hans-Peter Wessels gerade aus dem links-grünen Lager harsche Kritik ein. Dabei gehe es erst um vage Studien zur verkehrlichen Wirkung, verteidigte sich der Basler SP-Verkehrsminister damals.

Nun aber wird es konkreter. Gemeinsam stellten Wessels, seine Baselbieter Amtskollegin Sabine Pegoraro sowie Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen Astra, am Dienstag in Muttenz die «Langfristperspektive Hochleistungsstrassen» vor. Denn sowohl für den Bund als auch die Kantone ist der Handlungsbedarf klar: Die Hauptverkehrsachsen im Grossraum Basel seien schon heute stark belastet, tagtäglich kommt es zu Staus. Damit könnten sie auch nicht mehr genügend zur Entlastung der Siedlungsgebiete beitragen.

Keine konkrete Streckenführung

Gelöst werden sollen die zunehmenden Verkehrsprobleme gerade auch mit dem Bau neuer Hochleistungsstrassen. Im Auge haben die Behörden nicht nur den geplanten Rheintunnel, den Acht-Spur-Ausbau der A 2 zwischen Hagnau und Augst oder den Zubringer Bachgraben. Erstmals ist nun auch offiziell über den sogenannten Westring informiert worden. Die Rede ist derzeit allerdings lediglich von einer Projektskizze für einen Autobahnring im Westen von Basel, welcher dereinst die A 2 mit der Nordtangente und der A 35 verbinden soll.

Ein solcher Westring würde sowohl die Baselbieter Gemeinden Allschwil, Binningen und Bottmingen als auch Basel West und das Gundeli-Quartier «deutlich von Autoverkehr entlasten», zeigen sich die Verantwortlichen überzeugt. Auf eine konkrete Linienführung wird noch verzichtet – vermutlich bewusst. Denn bei den im April bekannt gewordenen Geheimplänen lag die Streckenführung noch auf Stadtboden, was unter Basels Politikern für grosse Irritation gesorgt hatte. Das Astra wird nun die Streckenführung in weiteren Untersuchungen zusammen mit den beiden Kantonen erarbeiten.

«Wir sehen im Westring sehr viel Potenzial», hatte Astra-Direktor Röthlisberger bereits im August im bz-Interview erklärt. Das Bundesamt hat ein grosses Interesse daran, dass das Nationalstrassennetz rund um Basel den Verkehrsfluss jederzeit gewährleisten kann. Das gilt gerade auch im Hinblick auf die in 20 bis 25 Jahren anstehende Totalsanierung der Nordtangente.

Die Kantonsvertreter gehen deshalb auch davon aus, dass der Bund «längerfristig ein hohes Interesse an der Realisierung einer Ringlösung hat» und sie als Projekt von nationalem Interesse einstuft. Sprich: Die Kantone rechnen fest damit, dass der Bund auch die Kosten für das Milliarden-Projekt übernehmen wird.

Flankierende Massnahmen

Überzeugt zeigen sich die Beteiligten zudem, dass eine solche Ringlösung zu wesentlich grösseren Verkehrsentlastungen führe als der bisher geplante Gundelitunnel. Dieser Autobahnanschluss Basel City soll deshalb als isoliertes Einzelprojekt fallengelassen werden. Gleichzeitig sehen die Kantone flankierende Massnahmen auf den Stadt- und Gemeindestrassen vor, um die Entlastung durch den Westring auch langfristig zu sichern. Und um auch den Strassenbau-Kritikern entgegenzukommen, geloben die Regierungen ausdrücklich, nicht nur auf ein neues Autobahnteilstück setzen zu wollen. Sie würden sich gleichzeitig einsetzen für den Ausbau des regionalen öV sowie für den Ausbau der Infrastruktur für Velofahrende und für Fussgänger rund um den Westring.