Viele Baslerinnen und Basler können sich noch lebhaft erinnern. Erst gab es einen dumpfen Knall, dann wackelten die Möbel: Am 8. Dezember 2006 führten die Bohrungen des Geothermie-Projekts Deep Heat Mining in Kleinhüningen zu einem deutlich spürbaren Erdbeben der Stärke 3,4. Es folgten weitere Beben und schliesslich das Aus für das Vorhaben, bei dem Wasser mit hohem Druck bis in eine Tiefe von über 5000 Metern verpresst worden war, um Erdwärme zu gewinnen.

Während in der Stadt Basel die Geothermie auf Jahrzehnte hinaus als risikoreich gebrandmarkt sein dürfte, sieht es in der Nachbargemeinde Riehen anders aus. Hier soll eine seit 1994 bestehende Geothermie-Anlage, die 7700 Einwohner mit Wärme versorgt, durch eine neue Bohrung erweitert werden. Dadurch könnten weitere 4000 Einwohner mit Erdwärme heizen. Die Suche nach der geeigneten Gesteinsschicht wird bis in eine Tiefe von 2000 Metern gehen. Ende Jahr wurde eine Machbarkeitsstudie abgeschlossen.

Matthias Meier, Geschäftsführer Wärmeverbund Riehen, sagt: «Es läuft planmässig. Wir sind dabei, die Ergebnisse der Studie sorgfältig auszuwerten.» Jetzt gehe es darum, die technischen und finanziellen Voraussetzungen zu klären. «Wir haben beim Bundesamt für Energie (BFE) einen Antrag zur Übernahme der Bohr- und Messkosten in Höhe von 60 Prozent gestellt.»

Bisher keine Einsprachen

Möglich ist dies im Rahmen des CO2- Gesetzes. Ob dem Antrag stattgegeben wird, will das BFE aufgrund des laufenden Verfahrens nicht kommentieren. In Riehen sind als nächster Schritt Untergrundmessungen geplant, die auch Aufschluss über die Höhe der Kosten geben sollen. Eine erste Testbohrung findet frühestens 2021 statt. In Betrieb gehen könnte die Anlage 2025.

Zum Erdbebenrisiko sagt Meier: «Das lässt sich nie ganz ausschliessen, aber Behörden und Wissenschaftler stufen es als gering ein.» Ausserdem gebe es einen wesentlichen Unterschied zu Basel: «Wir arbeiten nicht mit hohem Wasserdruck, sondern zapfen die Schichten mit warmem Wasser nur an.»

Erstmals informiert über sein Projekt hat der Wärmeverbund vor einem knappen Jahr. «Wir haben bisher nur positive Reaktionen erhalten. Der grosse Vorteil ist unsere gute Vertrauensbasis, weil wir die Erdwärme seit 25 Jahren ohne Probleme nutzen.» Ein zusätzliches Argument für die Erdwärme sei der Klimawandel. Einsprachen, die in einem ersten Schritt auf Gemeindeebene möglich sind, gab es bisher nicht. Ob diese später auf Ebene des Kantons erfolgen können, konnte Meier nicht sagen.

«Unglaubliches Potenzial»

Auch im südbadischen Staufen, 50 Kilometer nördlich von Basel, gab es einen Vorfall. Durch bis zu 140 Meter tiefe Sondierungsbohrungen für Erdwärmesonden geriet 2007 Grundwasser in Kontakt mit einer Gipskeuperschicht, die so zu Gips wurde und sich ausdehnte. Die Folge waren Risse an 268 Häusern. Der Image-Schade für die Erdwärme war gewaltig.

Langsam wird sie aber wieder positiv gesehen. Die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer sagte auf der Jahrespressekonferenz ihrer Behörde: «Die Tiefengeothermie hat ein unglaubliches Potenzial. Die Ereignisse von Basel liegen für Wissenschaft und Forschung 100 Jahre zurück.»

Jörg-Detlef Eckhardt, Leiter des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau, ergänzte: «Wir können heute in Freiburg ein Beben von 1,2 in der Pfalz messen.» Diese liegt 200 Kilometer entfernt. Sagen wollte Eckhardt damit, dass man bei dem geringsten Anzeichen eines Bebens das Verpressen von Wasser stoppen könne. «Im Rheintal würde es sich lohnen, die Wärme rauzuholen.» So hat die Behörde gerade grünes Licht gegeben, bei Offenburg nach Erdwärme zu suchen.

Schäfer verwies auf das Elsass: «Die Franzosen machen es uns vor.» Zwei Anlagen sind dort schon im Betrieb, bei zwei weiteren im Raum Strassburg begannen die Bohrungen 2017. Die Anlage von Vendenheim soll Strom für 7000 und Wärme für 24'000 Haushalte bereitstellen. Das Potenzial für weitere Anlagen im Nordelsass ist vorhanden.

Riehen zieht positive Bilanz

Für das BFE ist Riehen das Schweizer Positiv-Beispiel für die direkte Nutzung von Heisswasser im Energiesystem einer Gemeinde. Damit es auch weiter funktioniert, darf sich das Reservoir nicht erschöpfen. Das BFE sieht keine Anzeichen dafür: «Im Gegenteil, die Temperaturen steigen sehr langsam und auch der Wasserdruck zeigt keine Anzeichen einer Erschöpfung.» Wie weit sich das Wasser erstrecke, sei aber unbekannt.

Meier ist optimistisch: «Wir gehen bei der zweiten Bohrung davon aus, dass wir noch nicht alles heisses Wasser genutzt haben. Die neuen Messungen werden uns helfen, den Untergrund noch besser zu verstehen.»