Mit immerhin 3,5 Millionen Euro haben der Bund und der Kanton Basel-Stadt die Park & Ride Anlage an der Endstation der 3er-Tramverlängerung im elsässischen Saint-Louis mitfinanziert. Das erklärte Ziel: Die Autos der französischen Grenzgänger aus der Stadt Basel fernzuhalten, indem ihnen das Umsteigen auf den öV erleichtert wird.

Noch klappt das nur in bescheidenem Ausmass. Während sich an einem Morgen letzter Woche auf der Palmrainbrücke ein Grenzgänger-Auto an das andere reiht, um über die Autobahngrenze nach Basel zu fahren, hat es im Parking üppig Platz. Gegen 8.30 Uhr sind auf zwei Etagen nur knapp 200 von 740 Parkplätzen belegt.

Zweckverband gibt sich zufrieden

Der für den öV zuständige Zweckverband Saint-Louis Agglomération ist dennoch mit der Auslastung zufrieden. Mediensprecherin Stéphanie Fuchs sagt: «In der Regel sind zweieinhalb von sechs Etagen belegt. Das entspricht unserer Planung.» Genug potenzielle Nutzer für das Parking gebe es en masse. Derzeit arbeiten 18 000 elsässische Grenzgänger im Kanton Basel-Stadt. In der Nordwestschweiz sind es rund 30 000.

Weil der Bahnhof von Saint-Louis direkt neben der Tram-Endstation liegt, können die Pendler von der Park & Ride Anlage nicht nur aufs Tram, sondern auch auf den Zug umsteigen. Das war von Anfang an so geplant. Die Hälfte des Parkings ist für Zug-, die andere für Tramfahrer gedacht. Die Wahl des Verkehrsmittels hängt vom Arbeitsort ab.

Das gilt auch für Benjamin Candelon aus Kembs, den wir an diesem Morgen antreffen. Er arbeitet in der Nähe vom Basler Bahnhof SBB. Mit dem Zug ist er in wenigen Minuten auf seiner Arbeitsstelle. Er sagt: «Das ist weniger Stress und auch besser für die Umwelt.» Sabrina Libis hat ihren Zug gerade verpasst. Aber sie muss sich nicht aufregen: Innerhalb der nächsten halben Stunde fahren drei Züge nach Basel. Die S-Bahnen davon halten auch am Bahnhof St. Johann, von wo es nicht weit zum Novartis Campus ist.

Céline Patissier aus Blotzheim geht aufs Tram, das im Viertelstundentakt fährt. Sie lobt: «Das ist sehr praktisch, weil ich heute zu einer Weiterbildung ins Zentrum von Basel muss.» Wir haben noch mit anderen Pendlern gesprochen. Alle waren mit dem neuen Angebot zufrieden, zumal es bei der geringen Auslastung nie Probleme gibt, einen Parkplatz zu finden.

Die wenigen Nutzer verwundern um so mehr, als die Park & Ride Anlage derzeit gratis ist. Laut Mediensprecherin Stéphanie Fuchs wird das auch bis Anfang Juli so bleiben: Danach zieht man bei der Einfahrt ein Ticket, muss aber nur zahlen, wenn man vor 5 Uhr morgens oder nach 20 Uhr parkiert. Die meisten Grenzgänger wird diese Regelung nicht betreffen.

Die Preise für die anderen Nutzer werden Ende Juni festgelegt. Fuchs erklärt: «Wir wollen verhindern, dass Autofahrer ihr Fahrzeug hier parkieren, die das Flugzeug nehmen und mehrere Tage weg sind.» Direkt neben der Tramstation fährt ein Bus zum Euro-Airport. Fuchs betont: «Die Park & Ride Anlage ist nicht für Flugreisende da, sondern für Personen, die zur Arbeit fahren.»

Park & Ride Anlage verspätet

Das Tram fährt bereits seit dem 10. Dezember 2017 nach Saint-Louis. Ursprünglich sollte die Park & Ride Anlage gleichzeitig eröffnet werden. Wegen Problemen bei der Ausschreibung und den Arbeiten dauerte dies aber bis zum 6. April.

Laut Fuchs sind die Fahrgastzahlen des Trams seit Anfang April um zehn Prozent gestiegen. Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) sind da zurückhaltender. Mediensprecher Benjamin Schmid schreibt: «Für eine solche Bilanz ist es aktuell noch zu früh. Rechnet man die Zahlen der ersten Monate hoch, dürften es pro Jahr rund 200 000 zusätzliche Fahrgäste innerhalb Frankreichs sein und rund 350 000 bis 400 000, welche mit dem Tram über die Grenze fahren.» Diese Zahlen würden den Erwartungen der BVB von rund 600 000 jährlichen Fahrgästen entsprechen.

Innerhalb Frankreichs sind es vor allem Schüler des Gymnasiums Mermoz, die das Tram nutzen. Es liegt eine Station vor der Grenze Burgfelden.

Laut BVB dauere es generell ein bis zwei Jahre, bis ein neues öV-Angebot von den Fahrgästen vollständig angenommen werde. «Dies trifft bei der Linie 3 besonders zu, da sie durch ein Gebiet fährt, welches sich in den nächsten Jahren noch stark entwickeln soll und vor allem Pendler anspricht, welche ihre Gewohnheiten nicht von heute auf morgen ändern.»

Die bz kann das nur bestätigen. Vier Trams kamen an, als unser Fotograf am letzten Mittwochnachmittag vor Ort war: Vom Tram zur Park & Ride Anlage ging niemand.