Falschparkierer hatten 2004 ein wahres Horrorjahr: 217'782 Strafzettel wegen Verletzen der Regeln des ruhenden Verkehrs, wie Falschparkieren offiziell betitelt wird, wurden ausgestellt. Vergangenes Jahr meinten es die Verkehrspolizisten dagegen gut mit der autofahrenden Bevölkerung. Nicht einmal 120'000 Parkbussen wurden 2018 ausgestellt. Das zeigt eine Auswertung der Polizei auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende».

Das bedeutet: Im Schnitt gab es pro Monat weniger als 10'000 Bussen. Eine ähnlich tiefe Anzahl lässt sich in der kantonalen Statistik nicht finden, selbst wenn man bis ins Jahr 2000 zurückblättert. Auffallend ist vor allem der rapide Rückgang in den vergangenen Jahren. 2015 lag die Anzahl Parkbussen noch bei über 185'000. Seither ist die Zahl jedes Jahr um rund 20'000 gesunken.

Die Polizei sieht für den Rückgang mehrere Gründe: So dürfte die Einführung der neuen Parkraumbewirtschaftung, mit der 2014 die weissen Zonen abgeschafft wurden, eine wichtige Rolle gespielt haben. «Zur Durchsetzung der Bewirtschaftung wurden und werden bis heute viele Kontrollen durchgeführt», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz.

Dass hier die Zahlen über die Jahre wieder abgenommen haben, hänge mit der zunehmenden Gewöhnung der Autolenker zusammen. «Viele Verkehrsteilnehmer lassen sich von ihren Gewohnheiten leiten und brauchen eine Weile, um diese abzuschütteln», sagt Yerguz.

Ein weiterer Grund sei die Einführung einer neuen Kategorie von bewaffneten Sicherheitsassistenten. Diese wurden aus den bestehenden Sicherheitsassistenten für den Verkehr rekrutiert. Die Folge sind verminderte Busseneinnahmen. Auch dürfte der forcierte Überstundenabbau bei der Polizei im letzten Jahr sich in den sinkenden Zahlen niederschlagen. Und seit der Einführung der Besucher- und Pendlerparkkarten hätten die Probleme mit Pendlern stark abgenommen.

Falschparkieren früh stoppen

Eine grundsätzliche Strategieänderung beim Thema Parkbussen gebe es aber nicht. «Grundsätzlich ist unser ‹Plan› unverändert: Die Durchsetzung der Verkehrsregeln mit Fokus auf die Verkehrssicherheit», sagt Yerguz. Die Busseneinnahmen würden im Budget als sogenannter Einzelposten geführt und seien nicht führungsrelevant.

Konkret: Die Kantonspolizei kann ihr Budget nicht durch zusätzliche Einnahmen durch Bussen aufbessern, umgekehrt wird wegen weniger Bussen kein Sparprogramm nötig. «Die Kantonspolizei kann die Verkehrskontrollen anhand von Kriterien der Verkehrssicherheit ansetzen und nicht aufgrund von finanziellen Überlegungen.» Aber: Falschparkierer würden andere Fahrer nachahmen, die bereits ihr Auto abgestellt haben. «Darauf achten wir bei der Kontrolltätigkeit und versuchen möglichst früh, einer solchen Dynamik entgegenzuwirken», so Yerguz.

Baustellen und Schwimmbad

Auf Anfrage der «Schweiz am Wochende» hat die Polizei die Bussenstatistik 2018 nach einzelnen Strassen aufgeschlüsselt. Dabei ergeben sich eine Reihe überraschender Erkenntnisse. So war etwa das Erlenmatt-Areal vergangenes Jahr für Falschparkierer ein hartes Pflaster. Sowohl die Erlenmattstrasse wie auch der nahe gelegene Tangentenweg finden sich in den Top Ten der Bussenstatistik. Die Polizei begründet dies mit zwei Grossbaustellen, bei denen aus Sicherheitsgründen grundsätzlich mehr Kontrollen stattfinden würden.

Andere Zahlen aus der Statistik lassen sich weniger klar erklären. So werden etwa rund um die Fondation Beyeler verhältnismässig viele ausländisch zugelassene Fahrzeuge gebüsst. Am Bachtelenweg, einer unbefahrenen Nebenstrasse, wurden insgesamt 242 Bussen verteilt, mehr als die Hälfte davon an Ausländer. Dies dürfte mit der Nähe Grenze und Museum zusammenhängen, aber auch damit, dass während den Sommermonaten das nahe gelegene Naturbad beliebt ist.

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