Für 14 Autofahrer in den Stadtteilen St. Johann und Kleinbasel begann der Sonntagmorgen so gar nicht friedlich. Es war vielmehr ein böses Erwachen: In der Nacht zuvor hatten Unbekannte die Reifen ihrer Fahrzeuge aufgeschlitzt. Mitten im Wohnquartier. Und das sehr gründlich, denn jedes Mal waren alle vier Pneus platt, sodass den Besitzern gar nichts anderes übrig blieb, als die Autos abschleppen zu lassen und Anzeige zu erstatten.

Die Fahrzeuge waren in der Kastelstrasse, Marschalkenstrasse, Lothringerstrasse, Beckenstrasse, in der Colmarerstrasse und Haltingerstrasse abgestellt, teilte die Staatsanwaltschaft gestern mit. Einzelne wurden zudem mit einem spitzen Gegenstand zerkratzt, wie Kriminalkommissär Peter Gill sagt. Möglicherweise seien am Wochenende noch mehr Fahrzeuge beschädigt worden. Allfällige Betroffene sollten sich deshalb bei der nächsten Polizeiwache melden. Gill schätzt, dass ein Sachschaden von mindestens 10 000 Franken entstanden ist: «Je nach Fahrzeugtyp variieren die Kosten für einen Pneu deutlich. Das kann richtig teuer kommen.»

Motiv ist unklar

Pikant: Gemäss Recherchen der bz und einem Augenschein vor Ort (Beckenstrasse und Lothringerstrasse) befanden sich die betroffenen Fahrzeuge alle im Parkverbot, ausserhalb der markierten Felder. Es fiel auf, dass die korrekt abgestellten Fahrzeuge von den Pneu-Schlitzern verschont blieben. Steckt hinter diesem Vandalenakt also Rache? Will jemand Fahrer, die sich nicht an die Regeln halten, auf eigene Faust bestrafen? Ein Polizist, der am Sonntagmorgen in der Beckenstrasse die betroffenen Fahrzeuge inspiziert hatte, sagte genau das zu Anwohnern: «Es handelt sich hier wohl leider wieder um einen Fall von Selbstjustiz.»

Offiziell will man sich indes nicht auf Spekulationen einlassen. «Das Motiv ist uns nicht bekannt, wir haben den Täter noch nicht geschnappt», sagt Gill auf Anfrage. Der Kriminalkommissär spricht aber bereits von einer Serie. Denn erst vor drei Wochen kam es zu einem ähnlichen Vorfall: In der Nacht vom 26. auf den 27. August wurden beim Erdbeergraben und Höhenweg an mindestens zehn Autos die Reifen zerstochen und bei einem das Fahrerfenster eingeschlagen. «Es liegt im Bereich des Möglichen, dass es sich bei den Beschädigungen Ende August beim Erdbeergraben und bei jenen am vergangenen Wochenende um dieselbe Täterschaft handelt. Wir können dies zumindest nicht ausschliessen.

Die Ermittlungen laufen», sagt Gill dazu. Noch würde es allerdings keine Hinweise auf die oder den Täter geben – auch nicht betreffend der Vandalenakte vom August. Man hoffe auf Zeugen. Denn, so sagt Gill: «Nahezu jede Woche kommt es in Basel zu Sachbeschädigungen an Autos. Aber nicht in diesem Ausmass.»