Das eine hängt vom anderen ab – untrennbar. Für rund 190 Millionen Franken soll beim Bahnhof St. Johann ein Neubau für das Naturhistorische Museum Basel erstellt werden. Auch das Staatsarchiv soll einziehen. Sobald der Berri-Bau, in dem sich das Museum heute befindet, für nochmals 70 bis 80 Millionen saniert ist, soll das Antikenmuseum einziehen. Soweit der Plan der Basler Regierung. Nach mehreren Verzögerungen will sie dem Grossen Rat im Februar den nötigen Baukredit vorlegen. Doch: Auf der Zielgeraden könnte nun nochmals einiges umgekrempelt werden.

Mittlerweile soll der Kanton mit dem Gedanken spielen, auf den Umzug des Antikenmuseums zu verzichten. An seiner Stelle könnte das Historische Museum im Berri-Bau unterkommen. Das ist bis zur Bildungs- und Kulturkommission (BKK) durchgedrungen, bestätigt Vizepräsidentin Franziska Reinhard. Mehrere Mitglieder pflichten ihr bei. «Prüfenswert», findet die SP-Grossrätin. «Wegen Platzproblemen braucht es für das Historische Museum ohnehin eine Lösung. Warum nicht im Berri-Bau?» Offiziell aber sei die Kommission nie informiert worden, ergänzt FDP-Kommissionskollege Stephan Mumenthaler. «Die Regierung hält ihre Karten gerne bedeckt.» Sie gehe nun aber nochmals über die Bücher, ist zu hören, da es wegen des Antikenmuseums doch einige Bedenken gebe.

«Rund um dessen Umzugspläne sind in den vergangenen Monaten einige Schwierigkeiten bekannt geworden», sagt Mumenthaler. So ist völlig unklar, ob das Vorhaben überhaupt umzusetzen ist. Das Problem: Die Böden im Berri-Bau sind teilweise schlicht zu schwach. Es gibt Zweifel, dass sie die schweren Skulpturen tragen können. Aus denkmalschützerischen Gründen aber sei eine Verstärkung kaum möglich – oder sehr teuer. Selbst Museumsdirektor Andrea Bignasca hatte Bedenken geäussert. Seit rund zwei Jahren prüft eine Kommission zusammen mit der Denkmalpflege die Machbarkeit des Umzugs. Die Ergebnisse der Studie dürften aber erst im Frühling oder Sommer 2018 vorliegen.

Sondierungsgespräche geführt

Das Präsidialdepartement soll bereits mit beiden Museen Gespräche geführt haben. Bestätigen wollen das aber weder Antikenmuseumsdirektor Bignasca noch Marc Fehlmann vom Historischen Museum. Das überrascht nicht, hat Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann doch den Direktoren der fünf kantonalen Museen einen Maulkorb erteilt. Auch das Präsidialdepartement bleibt sehr zurückhaltend. Neue Überlegungen will Sprecherin Melanie Imhof nicht bestätigen. Als Nachnutzer des Berri-Baus stehe weiter das Antikenmuseum im Fokus, heisst es offiziell.

Hinter den Kulissen aber tönt es anders: So soll Bignasca bereits signalisiert worden sein, dass er mit dem Antikenmuseum nun doch nicht umziehen müsse. Gleichzeitig hätten durchaus Sondierungsgespräche mit dem Historischen Museum stattgefunden, heisst es aus dessen Umfeld. Allenfalls liessen sich so tatsächlich dessen Platzprobleme lösen. Auch sei die Barfüsserkirche als Museum nicht sonderlich geeignet. Objekte sollen unter dem Raumklima leiden. Gesichert sei aber noch gar nichts. Dabei muss der Grosse Rat bereits im Dezember über die Budgets der Museen befinden und im Februar über die Neubau- und Umzugspläne.

Doch selbst der Neubau des Naturhistorischen Museums hängt noch in der Schwebe. Denn der Grosse Rat hat aus Ärger über das Ausbleiben der lange versprochenen Museumsstrategie einen Beschlussstreik zu Museumsgeschäften angedroht. Dieser könnte auch den Neubaukredit verzögern. Die Strategie hat Ackermann noch für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Daher bleibt sie überzeugt, dass das Parlament den 190Millionen-Bau bewilligen wird. Zudem: Der Berri-Bau müsse auf jeden Fall um- und ausgebaut werden.

«Besser als irgendein Murks»

Doch mit der Museumsstrategie ist es nicht getan. Denn auch die Machbarkeitsstudie für den Berri-Bau lässt auf sich warten. Solange diese nicht vorliegt, könne der Grosse Rat eigentlich nicht über die Gesamtvorlage befinden, sind sich Reinhard und Mumenthaler einig. Selbst der abgetretene Basler Kulturchef Philippe Bischof hat schon erklärt: «Wenn der Ratschlag für den Neubau in die politische Diskussion geht, dann muss klar sein, wie es mit dem Berri-Bau weiter geht.» So bleibt offen, ob der Neubau fristgerecht bis 2024 erstellt werden kann.

Dennoch hält BKK-Präsident Oswald Inglin eine Neuplanung zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr für realistisch. In der Kommission scheint er damit aber in der Minderheit zu sein: «Natürlich ist es spät. Aber es ist besser, der Kanton geht nochmals über die Bücher, als irgendetwas rumzumurksen», sagt etwa Reinhard. «Jetzt oder nie», findet SVP-Ratskollege Joël Thüring. «Ich fände es eine gute Idee, das Historische Museum an einem Ort zu konzentrieren.» Es sei gut, wenn alle Optionen ohne Scheuklappen diskutiert würden, sagt auch Mumenthaler. «Offensichtlich wird im Präsidialdepartement nicht alles völlig durchdacht, bevor es rausgeht.»