Der Weg von Basel nach Allschwil oder Aesch kann mehrere Stunden dauern, und das Ziel ist dennoch nicht erreicht: Das mussten einige Flüchtlinge erfahren, als sie die Aussenstellen des Empfangs- und Verfahrenszentrums Bässlergut (EVZ) suchten. So berichtet es eine Gruppe junger Basler Helfer. Sie begleiteten Asylsuchende mehrfach in die Vorortsgemeinden und kritisieren, dass das abgegebene Informationsmaterial «miserabel» sei.

Die Freiwilligen fordern Shuttle-Busse, eindeutige Karten und Wegbeschreibungen in den Sprachen der Flüchtlinge. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hingegen hält fest, dass eine Begleitung aufgrund der personellen Ressourcen nicht möglich sei. Und: «Angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Asylsuchenden den Weg fand, war das Kartenmaterial angemessen», so eine Sprecherin.

Neue Wegweiser oder Fotos?

Sind die Asylunterkünfte wirklich so schwer zu finden? «Eigentlich ist es ganz einfach», sagt der fürs Asylwesen zuständige Aescher Gemeinderat Markus Lenherr. Bei der Endstation des 11er-Trams müsse man bloss die Strasse wieder etwas zurücklaufen und in die Ettingerstrasse einbiegen, dann alles geradeaus bis zum Sportplatz. Direkt dahinter liegt die Zivilschutzanlage Löhrenacker. Doch Lenherr sagt auch: «Wenn das Info- und Kartenmaterial tatsächlich schlecht ist, das den Flüchtlingen vom Bund mitgegeben wird, dann ist es für Ortsunkundige nie leicht.»

Deutlich schwieriger ist die Situation in Allschwil: «Das Asylheim Atlas oder die Zivilschutzanlage beim Werkhof nebenan mit einem schlechten Kartenausschnitt zu finden, ist nicht einfach», sagt Gemeinderat Arnold Julier. Wenn keine Busse mehr fahren, gilt es, ein Stück von der 6er-Haltestelle Gartenstrasse Richtung französische Grenze zu laufen. Im Gewerbegebiet Bachgraben gibt es dann mehrere Abzweigungen. Julier und Lenherr haben zwar selber noch von keinen suchenden Flüchtlinge gehört, künden aber an, dies in ihrer Gemeinde abzuklären.

Lenherr möchte explizit das Kartenmaterial überprüfen, das der Bund aushändigt. Er empfiehlt, auch Fotos der Gegend beizulegen, um Sprachbarrieren zu umschiffen: «Man darf die Menschen nicht sich selbst überlassen.» Wenn sich die Problematik erhärtet, könnte sich Julier vorstellen, in Allschwil provisorische Wegweiser zum Asylheim aufzustellen. Der CVP-Politiker kann sich zudem erinnern, dass die Flüchtlinge 2013, in der Anfangsphase der Aussenstelle, noch begleitet wurden. Zudem seien die Flüchtlinge immer nur in Gruppen losgeschickt worden.

Vor ähnlichen Problemen steht auch immer wieder der Kanton Baselland, wie Asylkoordinator Rolf Rossi sagt. So sei es bei der Verteilung auf die Gemeinden teils zu Orientierungsproblemen gekommen. «Dann überprüfen wir immer, ob das Infomaterial wirklich verständlich ist und passen es an.» Denn Rossi ist überzeugt: «Wenn die Flüchtlinge gut informiert werden, muss man sie auch nicht begleiten.»

Mehr Personal oder ein Shuttle?

Anders sehen das die beiden Basler Nationalrätinnen Sibel Arslan (Grünes Bündnis) und Silvia Schenker (SP). Beide befürworten eine Begleitung der Asylsuchenden in die Aussenstellen. Für Schenker gibt es folgende Optionen: den Einsatz von Freiwilligen oder von Zivildienstleistenden. Doch das EVZ müsse die Organisation übernehmen: «Es braucht eine Koordinationsstelle», sagt Schenker.

Deshalb spricht sich Arslan für eine Aufstockung der dortigen Ressourcen aus: «Die Empfangszentren brauchen genügend Personal, um ihre Arbeit gut machen zu können.» Die Ursachen für die angespannte Lage sieht sie «in einer Finanzpolitik, die bei den Schwächsten spart». Deshalb stünden die bürgerlichen Parteien und insbesondere die SVP in der Pflicht.

Dort teilen sich die Meinungen. Einig sind sich die beiden Baselbieter Politiker Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) und Oskar Kämpfer (SVP). Beide finden es zumutbar, dass die Asylsuchenden die Anlaufstelle alleine finden. Nationalrätin Schneider befindet sich aktuell im Europarat, wo sich für sie die Probleme in der Schweiz relativieren. «Wir haben äusserst professionelle Strukturen. Wenn der Einzelfall einmal nicht klappt, ist das nicht so tragisch», sagt sie.

Der Baselbieter SVP-Parteipräsident Kämpfer findet, dass allenfalls das Kartenmaterial verständlicher aufbereitet werden müsse, ansonsten «darf man durchaus erwarten, dass die Menschen im EVZ nachfragen, bevor sie losgehen.» Anders sieht es sein Parteikollege, der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner: «Wer schlafen will, sollte das können. Und wer sich bemüht, die Unterkunft zu finden, der sollte sie mit den zur Verfügung gestellten Mitteln finden können. Wenn das nicht klappt, muss man einen Fahrdienst organisieren», fordert Frehner. Ob der Weg von Basel nach Allschwil oder Aesch weiterhin mehrere Stunden dauert, hängt nun also primär vom Bund ab.