Es sind nur 20 Meter, aber diese sollen den Gordischen Knoten des Basler öV lösen. Vor einem Monat präsentierte der frühere Basta-Politiker Urs Müller seinen Vorschlag, wie der Centralbahnplatz entflochten und wesentlich übersichtlicher und sicherer gestaltet werden könnte. Das wichtigste Element: Ein neues Gleisstück am unbelebten, nördlichen Ende des Platzes.

Dort, wo die Tramlinie 8 vom Aeschenplatz herkommend den Centralbahnplatz überquert, soll der 8er künftig auch in die andere Richtung parallel verlaufen. Bisher quert die Linie von der Markthalle her kommend den Centralbahnplatz direkt vor dem Bahnhofsausgang. Ergänzt mit ein paar weiteren Anpassungen würde so der Platz, der seit der Umgestaltung vor zwanzig Jahren ein Dauerthema ist, deutlich fussgängerfreundlicher.

Während die Verantwortlichen beim Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) und bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) zuerst ablehnend auf die Pläne reagierten, kommt nun Bewegung in die Sache. Vor einer Woche hat sich BVB-Direktor Erich Lagler auf dem Centralbahnplatz mit einer Gruppe Grossräte getroffen. Diese hatten quer über alle Parteien hinweg im Januar eine Motion eingereicht, in der sie fordern, dass die bevorstehenden Bauarbeiten am Centralbahnplatz ganz gestoppt oder auf die notwendigsten Massnahmen beschränkt werden. Ende März sollen dort die Bagger auffahren und die gesamten Gleise beim Centralbahnplatz ersetzen.

Druck auf Wessels wächst

BVB-Direktor Lagler ging es beim Treffen offenbar in erster Linie darum, die Notwendigkeit der geplanten Bauarbeiten aufzuzeigen. Parallel dazu hat man bei den BVB aber auch die Machbarkeit des Bogens beim Hotel Euler abgeklärt. Das Resultat: Technisch wäre dieser ohne grössere Probleme und unverhältnismässige Kosten realisierbar. Allerdings bräuchte es ein Plangenehmigungsverfahren beim Bundesamt für Verkehr. Unter dem Strich müsste mit drei bis fünf Jahren gerechnet werden, bis das Gleisstück in Betrieb genommen werden könnte. So fassen mehrere Politiker Laglers Aussagen zusammen. Der BVB-Direktor habe sich offen und interessiert gezeigt, da das Tramnetz so an Flexibilität gewinnen würde.

Mit neuem Gleis würde der Verkehr entflochten.

Offiziell geben sich die BVB zurückhaltender: «Die BVB begrüssen grundsätzlich infrastrukturelle Anpassungen, welche die Flexibilität und damit die Attraktivität des Basler öV erhöhen. Wichtig ist, dass das Tramnetz als Gesamtsystem betrachtet wird und nicht nur einzelne Abschnitte davon.» Im Vordergrund stehen für das öV-Unternehmen die Bauarbeiten: «Der Gleiszustand auf dem Centralbahnplatz ist teilweise so schlecht, dass die Arbeiten aus Gründen der Betriebssicherheit zwingend durchgeführt und Gleise und Weichen ersetzt werden müssen», so Sprecher Benjamin Schmid. Würden die Gleise nicht wie geplant ersetzt, drohen Langsamfahrstellen oder ein Tramersatzbetrieb mit Bussen mit massiven Auswirkungen auf das gesamte Netz.

Allerdings haben die BVB in diesen Fragen nur ein Mitspracherecht. Die Entscheide fällt letztlich das Bau- und Verkehrsdepartement. Und dort hat man bisher kein besonderes Interesse an den neuen Ideen gezeigt. Denn die Verwaltung hat andere Pläne: Der 8er soll mittelfristig nicht mehr über den Aeschenplatz fahren, sondern via Elisabethenstrasse und Wettsteinbrücke direkt ins Kleinbasel fahren. Am Wettsteinplatz soll die Linie dann auf einer neuen Strecke nach links zum Claraplatz abbiegen. Im Gegensatz zum «Euler-Bogen», bei dem sich von links bis rechts alle einig sind, sind diese Pläne allerdings stark umstritten.

Klar ist: Der Druck auf Wessels wächst. Auch nach dem Treffen mit Lagler wollen die Politiker an ihrer Forderung festhalten, dass die Planung für den Centralbahnplatz nochmals umfänglich diskutiert werden soll, bevor auf Jahre hinaus der Status quo zementiert wird. Denn die Verkehrspolitiker möchten auch weitere Gleise und andere Punkte thematisieren. Vom Baustopp ausgenommen werden sollen nur die Gleise, die aus Sicherheitsgründen ersetzt werden müssen.

Möglicherweise erfüllt sich die Forderung auch von selber: Wie die bz kürzlich aufdeckte, liegt wenige Wochen vor dem Baubeginn noch keine Bewilligung vom Bundesamt für Verkehr vor. Die Verantwortlichen beim Kanton und den BVB gingen lange davon aus, dass dies gar nicht nötig wäre. Nun ist die Zeit knapp. Mittlerweile wurde auf den letzten Drücker das Gesuch eingereicht. Falls es aber Einsprachen gibt, muss das Grossprojekt verschoben werden.