Warum ist Ihnen das Areal, wo das Gateway Basel Nord entstehen soll, so wichtig?

Oliver Balmer: Es ist aufgrund seiner hohen Biodiversität und seiner Grösse von 20 Hektaren weit und breit der wertvollste Lebensraum mit vielen gefährdeten Arten, die es sonst nicht mehr gibt. Deshalb ist das Areal ja auch national geschützt.

Dem Normalbürger ist das schwer zu vermitteln. Es befindet sich auf einem öden Bahngelände.

Wenn man selber auf dem Areal steht, sieht man aber, wie schön es ist. Wir setzen uns für das Areal aber nicht wegen der Ästhetik ein, sondern wegen der ausserordentlichen Vielfalt der darauf vorkommenden Arten.

Sie wollen das Referendum gegen das Projekt ergreifen. Das zu gewinnen, dürfte schwierig sein.

Wir machen das nicht, weil es einfach zu vermitteln ist, sondern weil es unsere Kernaufgabe ist, uns als Anwälte der Natur zu engagieren. Wenn wir hier nicht eingreifen, könnten wir unseren Verband gleich auflösen.

Gibt es keine Ersatzreale?

Kleine Gebiete bestehen schon, aber nie in der Grösse. Das wäre ein Flickwerk kleiner Flächen – unvergleichbar mit der Grösse und Qualität des bestehenden geschützten Areals.

Hafendirektor Hans-Peter Hadorn sagt, es werde nur ein Teil in Mitleidenschaft gezogen.

Das stimmt nicht. Es werden nur Randflächen übrig bleiben. Über 90 Prozent der Fläche verschwindet. Das geschützte Gebiet wird massiv durch die Bauarbeiten und durch die Anlagen beeinträchtigt. Die meisten Arten werden das nicht überleben.

Wie weit gehen Sie mit Ihrem Widerstand?

Wir werden, wenn nötig, vor das Bundesgericht gehen. Beim Hafenbecken 3 ist ein Referendum möglich, weil es ein kantonales Projekt ist. Beim Containerterminal handelt es sich um ein nationales Vorhaben. Hier können wir lediglich den Rechtsweg beschreiten.

Das Gericht dürfte das Projekt als von nationalem Interesse und Standort gebunden bezeichnen. Da haben Sie schlecht Karten, oder?

Die nationale Bedeutung bestreiten wir ebenso wie die Standortgebundenheit. Es gibt andere Möglichkeiten, wie den Ausbau des bestehenden Hafens oder ein Terminal in Weil am Rhein, gestützt auf Staatsverträge wie beim Euro-Airport. Ausserdem wird es nicht möglich sein, gleichwertigen Ersatz für das geschützte Gelände zu finden, was eine weitere Voraussetzung für einen Eingriff wäre.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, das Projekt noch zu verhindern?

Wir sind überzeugt, dass die rechtlichen Voraussetzungen für das Projekt nicht gegeben sind. Das Areal geniesst den höchstmöglichen nationalen Schutzstatus.