Neues entdecken: Das ist das Ziel der aktuellen Saison am Literaturhaus Basel, die heute mit der Serie «Zwiegespräche» beginnt. Für die neue Veranstaltungsreihe lädt das Literaturhaus in unregelmässigen Abständen Gäste aus dem Ausland zu literarischen Gesprächen ein. Den Auftakt macht die Schweizer Autorin Ruth Schweikert, die sich die albanische Autorin Luljeta Lleshanaka als Gesprächspartnerin ausgesucht hat.

Die beiden geben einen Einblick in ihre Arbeit als Schriftstellerinnen und diskutieren über den Stellenwert der Literatur in der Gesellschaft. «Es geht explizit auch darum, nicht nur Autoren mit neuen Publikationen, sondern interessante Leute einzuladen», erklärt Annina Niederberger vom Literaturhaus. Die «Zwiegespräche» sind derweil nur ein kleiner Teil des gesamten Programms, das mit interessanten Gästen aufwartet.

Junge Baslerin liest

Spannend dürfte insbesondere der Besuch von Gianna Molinari sein. Die junge Baslerin wird am 27. September über ihren Debütroman «Hier ist noch alles möglich» sprechen, für den sie mit dem Robert-Walser-Preis ausgezeichnet wurde und der es auch auf die Longlist des Deutschen Buchpreises schaffte. Molinari erzählt darin die Geschichte einer jungen Nachtwächterin, die auf ihren Nachtspaziergängen vor allem sich selbst findet.

Als Einheimische ist Molinari eine Ausnahme im neuen Programm, welches von internationalem Schaffen geprägt ist. Viele Werke haben einen kritischen Bezug zum aktuellen Weltgeschehen.

Meinungsäusserung hoch im Kurs

Die Amerikanerin Jennifer Clement beispielsweise greift in ihrem Buch «Gun Love» die Waffenthematik in ihrer Heimat auf. Clement, die die Handlung ihres Romans in den Gefilden der Trump-Wählerschaft ansiedelt, hinterfragt in ihren Texten regelmässig gesellschaftliche Entwicklungen. Die Autorin amtet als Präsidentin der weltweiten Autorenorganisation PEN International und gilt als Verfechterin der freien Meinungsäusserung.

Ebenfalls aktuell ist der Essay von Oksana Sabuschko. Die ukrainische Novellistin wird im Oktober aus ihrem Text «Der lange Abschied von der Angst» lesen, in dem sie sich mit den Terroranschlägen im Pariser Nachtclub Bataclan auseinandersetzt. Die Autorin schildert darin ihre Eindrücke, die sie einen Monat nach den Anschlägen in der französischen Hauptstadt sammelte, und geht der Frage nach, wie Angst eine Gesellschaft verändert. Entstanden ist ein provokanter Essay quer durch die französische Kulturgeschichte des letzten Jahrhunderts.

Literarische Spaziergäge werden weitergeführt

Trotz dieser ernsthaften Thematik gilt zu beachten: Nicht alle Programmpunkte sind derart politisch. So nimmt das Literaturhaus das bewährte Konzept der literarischen Spaziergänge auch diese Saison wieder auf und bietet in Kooperation mit der Literaturvermittlerin Martina Kuoni Literaturführungen an.

Am Sonntag, 2. September, bringt Kuoni die Gäste nach Rheinfelden an diverse Krimischauplätze, Ende September folgt dann die Basler Stadtführung, die sich mit hiesigen Inspirationsquellen des Lyrikers Rainer Maria Rilke beschäftigt.

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Saisoneröffnung «Zwiegespräche». Heute Donnerstag, 30. August, 19 Uhr im Literaturhaus Basel. www.literaturhaus-basel.ch.