Am Ort des Geschehens erinnerte am Sonntag nichts mehr an die Ereignisse vom Freitagabend. Die Basler Polizei hatte gewaltsam eine Protestaktion gegen das Art-Favela-Dorf des japanischen Künstlers Tadashi Kawamata und des Schweizer Architekten Christophe Scheidegger auf dem Messeplatz aufgelöst. Ein Video der «Tageswoche» zeigt Schlagstöcke, herumfliegende Bretter und Pfeffersprayschwaden.

Nichts mitbekommen

Von den zusätzlichen Favela-Häusern, welche die Party-Protestler auf dem Messeplatz aufgebaut hatten, war nichts mehr zu sehen. In den «offiziellen» Favela-Häusern von Tadashi Kawamata wurde bei bestem Wetter Kaffee getrunken und Salat gegessen. «Was ist hier passiert? Eine Strassenschlacht?», fragt eine englische Art-Besucherin. Sie habe nichts von alledem mitbekommen.

«Die Art trägt die Hauptschuld»

Für die internationalen Art-Besucher dürften die Ereignisse vom Freitagabend also wenn überhaupt eine Randnotiz gewesen sein. Im Veranstaltungsort Basel wird seit Freitagabend aber heftig diskutiert. Die Basler SP-Grossrätin Sarah Wyss nimmt insbesondere die Art-Organisatoren in die Pflicht: «Für mich trägt die Art die Hauptschuld an den Vorkommnissen», sagt sie. Dass das Favela-Dorf Kritik provozieren würde, habe man erwarten können.

Polizei räumt Favelabesetzung auf dem Messeplatz

«Diese Kritik muss man auch aushalten», sagt Wyss. Der Vorfall habe ein Klischee bestätigt: «Die Art ist nur für Millionenkunst für Reiche.» Kritik an der Polizei findet Wyss deshalb ein wenig billig. Zwar beurteilt sie den Einsatz als «unverhältnismässig». Aber sie sagt auch: «Die Polizei musste reagieren, nachdem die Art Anzeige erstattet hatte.»

«Man musste räumen»

Etwas anders sieht das der Grünliberale Emmanuel Ullmann. Er ist Mitglied der Sicherheitskommission des Grossen Rats und findet den Einsatz der Polizei gerechtfertigt: «Auf dem Messeplatz wurde Hausfriedensbruch begangen. Man musste den Platz räumen, das tut man nicht mit reden.»

Auf die Frage, ob die Art den Protest hätte tolerieren müssen, meint Ullmann: «Die Art dauerte noch zwei Tage und es hätte sein können, dass wegen des Protests die Besucher fernbleiben. Deshalb verstehe ich, dass man reagiert hat.» Während der Kunst-Jet-Set sich spätestens am Sonntag verabschiedet, dürfte in der Stadt die Kontroverse aber noch länger dauern. Die Art 2013 wird einen schalen Beigeschmack hinterlassen.