Was bz-Leser Beni Reimann bereits im März 2017 via die AZ-Medien-Plattform
Petitio zusammen mit mehr als 300 Unterzeichnern in einer Petition forderte, wird nun Realität: Ab dem Fahrplanwechsel ist der Basler Bahnhof rauchfrei, wie die SBB entschieden haben und wie am Mittwoch publik wurde. Er gehört zu jenen Bahnhöfen, in denen das Verbot getestet wird, bevor es im 2018 schweizweit umgesetzt werden soll. «Das nenne ich einen super Entscheid. Es war aber auch höchste Zeit», sagt Reimann zur bz.

Auch alt Grossrätin Andrea Bollinger (SP) freut diese Neuigkeit – «ausserordentlich». Sie kann als «Mutter» des heutigen strikten Regiments im Basler Gastgewerbe bezeichnet werden, setzte sie sich doch jahrelang für einen besseren Schutz von Nichtrauchern im Parlament ein.

Unterstützt wurde sie übrigens von den damaligen Grossräten Elisabeth Ackermann und Lorenz Nägelin, heute Regierungspräsidentin beziehungsweise Präsident der Basler SVP.
Die Einführung des SBB-Rauchverbots ist laut Bollinger nun die Gelegenheit, um diese Nulltoleranz auf weitere öffentliche Plätze in der Stadt auszuweiten. Auf Spielplätze etwa, ÖV-Haltestellen oder Parks. So, wie dies aktuell die Tessiner CVP-Grossrätin Nadia Ghisolfi in verschiedenen Vorstössen in ihrem Kanton fordert.

Bereits vor drei Jahren, erinnert sich Bollinger, sei Grossrätin Franziska Reinhard (SP) mit der Idee an sie herangetreten, einen Vorstoss zugunsten rauchfreier Spielplätze zu machen. Zwar sei sie «bedingungslos» dafür, sagt Bollinger, aber sie habe damals abgelehnt. «Ich war immer die Partykillerin und entschieden der Meinung, dass nun andere rangehen sollen.»

Seither und seit dem Ausscheiden Bollingers aus dem Grossen Rat im Januar 2017 ist es ruhig geworden um die Nichtraucher-Lobby im Basler Parlament. Das könnte sich mit dem Verbotsentscheid der SBB ändern. Reinhard sagt auf Anfrage der bz, dass sie rauchfreie Spielplätze auf Stadtboden weiterhin eine sinnvolle Sache finden würde, für die es sich einzusetzen lohne. «Ja, ich überlege mir, einen entsprechenden Vorstoss zu lancieren.»

Füllinsdorf: Durchzogene Bilanz

Für Grossratspräsident Joël Thüring kommt diese Meldung nicht überraschend. Er sei in Sorge, sagt der SVP-Mann: «Das Rauchverbot am Bahnhof ist der erste Schritt in Richtung weiterer solcher Einschränkungen auf öffentlichen Plätzen der Stadt, da bin ich überzeugt.» Er stelle sich entschieden dagegen, sei enttäuscht von den SBB: «Dieser Schritt ist absolut unnötig, und das sage ich als Nichtraucher. Die SBB sollten auf den gesunden Menschenverstand ihrer Kunden setzen. Verbote gibt es beileibe schon genug.»

Rauchfreie Spielplätze in Basel würden kein Novum in der Schweiz darstellen. Es gibt zig Gemeinden, die ein solches Verbot längst durchgesetzt haben. Etwa Füllinsdorf. Laut Gemeindeverwalter Kurt Sidler wurde es vor drei Jahren für den Spielplatz beim Einkaufszentrum Migros Schönthal «auf Geschäftsleitungsebene der Gemeinde» beschlossen.

Bei entsprechenden Kontrollen durch die Gemeindepolizei habe bis dato niemand gebüsst werden müssen. Trotzdem zieht Sidler eine durchzogene Zwischenbilanz: «Ich will nicht meine Hand ins Feuer legen, dass dort wirklich niemals geraucht wird.» Es sei dem einen Gemeindepolizisten nicht möglich, immer vor Ort zu sein.
Der Polizist muss sich auf den gesunden Menschenverstand der Füllinsdörfer verlassen.