Wie viele es genau waren, war am Ende unklar. Sicher ist: An der politischen Kundgebung unter dem Mantel der Solidarität für zwei Basler Guggen nahmen mehrere hundert Personen teil. Damit erreichte eine öffentliche Debatte innert Wochenfrist eine Dimension, die so wohl kaum jemand erwartet hätte. Die Grösse der Plattform brachte es mit sich, dass es längst nicht mehr um ein Logo einer Gugge ging: Die Debatte hatte sich von ihrem Ursprung entfernt.

Wie die Negro-Rhygass und die Guggemusig Mohrekopf sah sich die Firma Othmar Richterich AG für ihre Mohrenköpfe vor knapp einem Jahr mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Finanziell hatte sich das damals für Richterich gelohnt: Die Nachfrage nach Schaumküssen stieg aufgrund der emotionalen Diskussion. Grund genug, jetzt wieder einzusteigen und die Protestler mit 960 Schokoladenerzeugnissen zu unterstützen.

Grossandrang am Soli-Marsch für Basler Guggen ++ Anti-Rassismus-Demo auf der Wettsteinbrücke

Grossandrang am Soli-Marsch für Basler Guggen – Anti-Rassismus-Demo auf der Wettsteinbrücke

Am Freitagabend um 20 Uhr fand ein Solidaritätsmarsch für die Basler Guggen Negro-Rhygass und Mohrekopf statt, die sich in den vergangenen Tagen dem Rassismus-Vorwurf ausgesetzt sahen. Hunderte Menschen nahmen daran teil. Der Umzug der Guggen führte vom De-Wette-Park zum Wettsteinplatz. Auf der Wettsteinbrücke kam es zu einer Intervention von Anti-Rassismus-Aktivisten, die sich aber nach einigen Minuten wieder auflöste. Vor dem Waisenhaus endete der Zug mit einem Platzkonzert. 

Nazi-Shirts und Antifa

Neben solch harmlosen Trittbrettfahrern machten sich aber auch offensichtlich Personen den grossen Auftritt zunutze, die ihre politischen Gesinnungen eher selten zur Schau tragen dürfen. An der Demonstration liefen auch Menschen mit, die sich durch ihre Kleidung der rechtsextremen Szene zugehörig zeigen.

Die «Tageswoche» sichtete T-Shirts mit Aufschriften wie «Fight Antifa», das Label «H84U» (Hate for You, zu dt. Hass für Dich), oder die Zahl 88. Diese steht in Neo-Nazi-Kreisen für «Heil Hitler». Von den Demonstranten wurde dies ebenso geduldet, wie wüste Beschimpfungen an die Adresse von Kritikern und das Zerreissen von Transparenten am Wegrand, welche sich kritisch gegenüber dem Marsch zeigten.

Eine besondere Stimmung herrschte auf der Wettsteinbrücke, als der Demonstrationszug auf ein Häufchen der Antifa traf. Die Stimmung war aufgeladen, auch später kam es zu verschiedenen Auseinandersetzungen vor dem Restaurant Hirscheneck. Organisatorin Jessica Nagele zeigte sich davon gegenüber «20 Minuten» wenig beeindruckt: «Unser Marsch war öffentlich und jeder konnte mitlaufen.» Sie seien garantiert keine Rechtsextremisten oder Rassisten.

Den Auftritt der Rechtsextremen hätte sie keinesfalls geduldet. «Wenn ich sie gesehen hätte, hätte ich sie gebeten, eine Jacke oder sonst was überzuziehen.» Noch vor dem Abmarsch musste Nagele Leute zurückbinden, die mit Transparenten wie «Den bin i halt au Rassistisch» (sic!) oder schwarz angemaltem Gesicht aufgetaucht waren.

Guggen melden sich zurückhaltend

Von jenen, denen die Solidarität gegolten hätte, war am Marsch hingegen wenig zu sehen: Sie standen nicht ein, nur vereinzelt tauchten Mitglieder auf. Nagele macht Fasnacht in der Gugge Revoluzzer, am Ende des Zuges liefen die Provokante aus Binningen und die Rhyschwalbe. Die Betroffenen hingegen gingen unterschiedlich mit der Situation um, die keine einfache für sie ist: Plötzlich standen sie im Zentrum einer unglaublich aufgeladenen Diskussion.

Negro-Obmann Niggi Schmieder machte gegenüber «SRF» keinen Hehl daraus, wie nahe ihm die Angelegenheit ging. Er berichtete auch über Anfeindungen und Drohungen. Gleichzeitig kündigte Schmieder an, intern eine Diskussion um das Logo zu führen. Das schwarze Männchen im Baströckchen, mit überzeichnet dicken Lippen und Knochen im Haar war der Auslöser der Debatte gewesen.

Auch die Guggenmusik Mohrekopf meldete sich am Wochenende zu Wort. Nachdem ihre Facebook-Seite kurzzeitig gesperrt war, reagiert die Gugge mit einem Statement auf die Debatte. «Konsterniert» nehme sie Kenntnis von Rassismus-Vorwürfen, die «jeglicher Grundlage entbehren». «Weder sind der Verein noch seine Mitglieder jemals in irgendeiner Weise durch fremdenfeindliche oder rassistische Äusserungen oder Taten aufgefallen.» Eine Namensänderung sei nicht geplant.