Bloss die Trams blieben grün. Das Gras aber – braun, ausgetrocknet, durstig. Manche Flächen glichen einer Savanne, wenn auch in Miniature und ohne Zebras. Herbstliches Blätterrauschen am Boden lieferte den Soundtrack zur Trockenheit. Und heiss war es, extrem heiss, tropisch! Bloss das Meer fehlte.

Aber wer braucht ein Meer, wenn er den Rhein hat? Tausende Menschen liessen sich darin treiben. Wobei die Strömung so schwach war, dass schwimmen die präzisere Bezeichnung wäre. Und ja, dieser Text ist in der Vergangenheitsform geschrieben. Leider! Zwar sind die Wiesen nach wie vor braun und die Blätter liegen am Boden.

Der Hitzesommer 2018 ist Geschichte. Jetzt fängt das kühle Leben an, Raclette, Handschuhe, Schwedenofen. Gut, nicht sofort, doch heute in vier Monaten ist Heiligabend. Stille Nacht. In vier Monaten!

Vor vier Monaten hingegen war es bereits heiss, knapp 30 Grad zeigte das Thermometer im Mai an, bevor es später dann fast explodierte. Und was ist der Dank? Geflucht haben wir, gelitten, geschwitzt wie eine Zumba-Tänzerin in der Sauna. «Diese Hitze!», haben wir geklagt, «ich kann nicht mehr schlafen!» Kaum luftete es mal ein Sekündchen, richteten sich die Menschen im Kollektiv auf, «ach, wie schön, ein Windchen» – und wischten sich den Schweiss von der Stirn. Und jetzt? Ja, jetzt wären wir alle froh, sie käme zurück, die Hitze, würde uns beehren bis an Heiligabend und darüber hinaus.

Ein Altweibersommer zum Dessert

Aber noch ist es ja warm. Altweibersommer. Angenehm. Aber normal eben, nichts, worüber man sich stundenlang unterhalten könnte. Laue Abende, ein Bierchen hier, eins da.

Die Brauerei Unser Bier freuts. Das Geschäft läuft so lange gut, wie die Leute draussen sind. Und dieser Sommer, sagt Geschäftsführer Luzius Bosshard, war der Hammer! «Wir haben mehr Bier verkauft als sonst.» Allerdings vor allem zu Sommerbeginn, als die Temperaturen noch nicht ganz so hoch waren. «Zwischen 25 und 30 Grad ist perfekt. Das ist ideales Bierwetter.» So manche Engpässe musste er meistern, den Käufern erklären, dass es ein paar Tage dauert, bis die Qualität stimmt. Bier muss reifen, das ist wie beim Wein, wie bei allem, eigentlich.

Dankbar sind fast nur die Hunde

Da gehts Gelati Gasparini ähnlich. Zumal die Glacés dort von Hand hergestellt werden, das geht nicht so zack, zack wie mit Maschinen, und macht offenbar den Erfolg aus: «Es war ein absoluter Rekordsommer», sagt Bernhard Keller von Gelati Gasparini. Noch nie in der Geschichte der Firma seien so viele Glacés verkauft worden wie jetzt.

Wobei der Bananen-Chocolat-Stängel unangefochten Nummer 1 sei. Neu unter die Leader geschafft habe es überraschenderweise der Stracciatella-Lutscher, der auf Platz 3 hinter Vanille-Himbeer fungiere.

Bosshard ist nicht unglücklich über den Wetterbericht. Dieser sagt für die kommenden Tage Wolken und Jäckchen-Temperaturen um die 20 Grad voraus, danach soll es wieder wärmer werden, aber nicht mehr heiss. Kein typisches Glacé-Wetter, aber Erholungszeit für Gasparini. «Das ist, wie wenn ein Schwimmer das Ufer erblickt», sagt Bosshard.

Und wenn wir schon wieder beim Schwimmen sind: Das Badeverbot in der Birs in Birsfelden und in der Wiese gilt nach wie vor. Jäckchen-Wetter hin oder her. Geschützt werden sollen die Fische, die ohnehin einen Horror-Sommer hinter sich haben. Viele sind gestorben – und jene, die überlebt haben, sollen nicht unnötig gestresst werden.

Bis auf die Hunde wird es kaum jemand bedauern, bei den sinkenden Temperaturen nicht baden zu dürfen. Ja, die Hunde! Die fanden die Hitze gar nicht lustig. Zumal sie ihr Fell nicht einfach ablegen können.

Im Gegensatz zu den Menschen sind sie aber konsequent und freuen sich über kühlere Temperaturen. Motzen nicht zuerst herum und denken dann nostalgisch zurück an die Hitzeabende beim Kulturfloss, wo die Stimmung stets einzigartig ist. Weinen nicht den Tagen nach, an denen der Wickelfisch oder seine Schwimmsack-Konkurrenz der liebste Begleiter war. Hunde freuen sich aufrichtig auf das echte, das Herbst-Soundtrack-Blätterrauschen und alles, was dazu gehört.

Und so mancher Mensch zugegebenermassen auch. «Endlich, ein Windchen!»