An der Decke hängen zahlreiche kleine Lampen herunter und hüllen den offenen Raum in ein angenehmes Licht. Tritt man hinein, befindet sich rechts eine kleine Ecke mit Sofas, Kissen und kleinen Tischen aus alten Holzkisten. «Die Gäste können hier ihren Aperitif einnehmen oder einen Kaffee trinken», meint Christine Berini, Chef de Service im «Goji».

Für die Besitzerin Joyce He ist es das erste eigene Restaurant. «Diesen Traum hat sie schon, seit sie klein ist», sagt Frau Berini. Als Quereinsteigerin hat die Chinesin ihre Leidenschaft sozusagen zum Beruf gemacht. «Ich stehe gerne in der Küche», sagt sie lachend.

Auf knapp 160 Quadratmetern Fläche sind ein grosser und 12 kleinere Holztische verteilt. «Im Sommer haben wir draussen auf der Terrasse noch 40 weitere Plätze», fügt Joyce He hinzu. Eingerichtet ist das chinesische Restaurant im urbanen, industriellen und modernen Stil. Würden neben den feinen Gläsern und den Stoffservietten keine schwarzen Essstäbchen liegen, käme kaum jemand auf die Idee, in einem chinesischen Restaurant zu sitzen. «Ich wollte keine chinesische Küche, wie sie sonst in Europa und der Schweiz präsentiert wird.», sagt sie. Denn nach roten Laternen, Drachen an den Wänden und chinesischer Musik sucht man hier vergebens. «Solche Sachen sieht man in Tempeln und Palästen, aber nicht in einem Restaurant.»

Tradition trifft Innovation

Wer zum Essen ins «Goji» geht, kann und soll sich überraschen lassen. Nebst dem à la carte Prinzip gibt es auch ein Menu Surprise. «Der Gast kann zwischen drei bis fünf Gängen wählen», sagt Geschäftsführer Benjamin Kundert. Den Rest übernimmt der Koch. «Der Gast muss sich nicht zwischen mehreren Gerichten entscheiden.»

Am Herd stehen Jin aus China und Ben aus der Dominikanischen Republik und aus der Schweiz. Traditionelle, chinesische Speisen werden also mit der experimentellen, europäischen Küche gemischt. «Eigentlich ein Mix für Gäste mit höheren Ansprüchen», sagt Berini. Dabei wird auf regionale und saisonale Produkte geachtet: «Wir beziehen so viele Zutaten wie möglich lokal.» Das Fleisch kommt aus der Schweiz, der Lachs aus dem Wallis und das Gemüse aus Basel. «Die beste Chalon-Ente findet man aber nur in Frankreich.»

Serviert wird das Ganze im Sharing Konzept. Was auf den Tisch kommt, wird also miteinander geteilt. «Bei uns gibt es keine Vor- und Hauptspeisen in diesem Sinne», erklärt Berini. Auf der Karte finden die Gäste nämlich eine Auswahl an kalten und warmen Gerichten. «So kann man sich mehrere Speisen herauspicken und miteinander teilen.» Das Angebot reicht von Asia Style Tartar an Amalfi-Zitronen-Schaum für 26 Franken, gebratene Jakobsmuscheln auf Auberginen-Purée für 26.50 Franken bis hin zur knusprigen Ente traditionell serviert mit Gemüsestreifen und hauchdünn gedämpften chinesischen Reispfannkuchen für 28 Franken.

Besonders am Herzen liegt der Wirtin das Weinangebot. «Viele chinesische Restaurants kombinieren ihre Speisen selten mit Wein», meint Berini. Neben belgischem, englischem und Schweizer Bier, gibt es auch Cocktails mit Goji-Saft - die Beere, die dem Restaurant seinen Namen gibt. «Diese Beere kommt aus meinem Heimatort Yinchuan» ,erklärt Joyce He.

Schwieriger Standort

Dass das «Goji» neben einem Strip-Club gelegen ist, stellt für die Betreiber kein Problem dar. «Die Gäste des Clubs sind sehr diskret», meint Benjamin Kundert. Allerdings sei es schade, denn einige Gäste können dadurch gehindert werden, andere gehen einfach vorbei. Denn die untere Rheingasse ist weniger für ihre gastronomische Vielfalt bekannt. Gemeinsam mit dem Restaurant Rhywyera sind es die einzigen Gastronomen in der Strasse. «Für einige Gäste könnte es einen schmuddeligen Eindruck machen.»

Durch die neue Beschilderung erhoffen sich die Inhaber, den roten Lampen das Augenmerk zu nehmen. Denn zurzeit erkennt man das Restaurant nur durch ein kleines Schild an der Aussenseite. Doch das soll sich ändern. «Durch unseren neuen Schriftzug und unser Logo denken wir schon, dass unser Restaurant als Marke wiedererkannt wird.»