Von der «Grünen Wand» reden Politiker, wenn sie meinen, dass in der Basler Innnenstadt zu viele Trams fahren würden. Das hindere die Fussgänger und störe beim Bummeln. Derzeit ist ein Vorstoss von Politikern aus allen Lagern hängig, der Vorschläge zur Entflechtung der Linien auf der Talsohle der Innerstadt macht.

Nun liegen der Schweiz am Wochenende Unterlagen vor, die zeigen: der Kanton hat auch Pläne. Allerdings sehen die ziemlich anders aus. Auf Anfrage sagt Mediensprecherin Nicole Stocker vom Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) zum Plan: «Die Darstellung (..) wurde im Rahmen einer Sitzung der entsprechenden Arbeitsgruppe behandelt und unterdessen weiterentwickelt.»

11er erobert im 3,5-Minuten-Takt die Innenstadt

Sie geht nicht darauf ein, welche Änderungen vorgenommen wurden. Gemäss anderen Quellen sind diese kürzlich angebrachten Änderungen aber kaum fundamentaler Natur.

Eines der Kernanliegen des BVD läuft in den Studien, die unter Mitarbeit der Firma Infras erstellt wurden, unter dem Stichwort «Betriebszeiten E11 nachfragegerecht anpassen». Das heisst, dass die Tramlinie 11 neu im 3,5 Minuten-Takt durch die Grossbasler Innerstadt fahren soll.

Ausriss aus dem Tramplan für Basel 2025.

Ausriss aus dem Tramplan für Basel 2025.

Und der Achter kommt auf die Wettsteinbrücke

Und zwar indem der E11 und der 11er fusioniert werden. Die Talsohle in der Innenstadt räumen müssten dagegen der 16er, der neu via Petersgraben und St. Johannsvorstadt zum Bahnhof St. Johann fahren würde sowie der 15er, der am Aeschenplatz wendet.

Auch der Achter kommt weg. Er soll über die Wettsteinbrücke geführt werden und via die zu bauende Linie durch den Claragraben auf seine angestammte Route zurückfinden. So würde die oft geschmähte «Grüne Wand» massiv ausgedünnt. Dafür würde eine neue entstehen: Die «Gelbe Mauer».

Das Liniennetz der BVB innerhalb des Tarifverbunds Nordwestschweiz (Stand August 2018).

Das Liniennetz der BVB innerhalb des Tarifverbunds Nordwestschweiz (Stand August 2018).

Zuversicht herrscht bei den BLT

Andreas Büttiker, Chef der BLT, bestätigt den erhöhten Takt des 11ers und sieht darin eine logische Fortsetzung des momentanen «Providuriums», wie er die Einsatzlinie E11 nennt: «Der Kurs E11, der derzeit ja nur den Theaterbogen via Bankverein und Aeschenplatz bedient, lädt auch nur an diesen drei Stationen.» Mit einer Linienführung auf jener des 11ers wäre er eine viel stärkere Entlastung, sagt Büttiker. «Zudem wäre dann allen klar, wo er durchfährt und nicht nur denjenigen, die die Linie täglich nutzen und es darum wissen.»

Neu könnte die Linie 21, die vom Badischen Bahnhof an den Bahnhof St. Johann verkehrt, in Stosszeiten mit dem 16er «durchgebunden» werden. Der Bahnhof St. Johann wird deswegen wichtiger, weil hier einerseits mit dem S-Bahn-Ausbau STEP 2025 pro Stunde in jede Richtung zwei Zugverbindungen vorgesehen sind. Und zum anderen soll hier eine der Stationen des «Herzstücks» zu liegen kommen.

In Zukunft: Ein neues Pharma-Tram

Sieht man sich die weiterführende Planung des BVD an, so sieht man auf den Skizzen für 2040, dass der 21er eine Linie mit dem 17er bilden soll, die alle Pharmastandorte verknüpft. Eine Endstation stünde dann im Allschwiler Bachgrabenareal, die andere am Ende der heutigen 17er-Linie in Ettingen. Die Linie soll dann vom Bachgraben (Actelion) über das St. Johann (Novartis Campus), den Badischen Bahnhof und die Grenzacherstrasse (Roche) führen. Von dort via Wettsteinbrücke und Bankverein, Heuwaage in Richtung Binningen, Bottmingen, Oberwil.

Zukunftmusik, sagt BLT-Chef Büttiker: «Das ist genau die Aufgabe: Wir Fachleute planen in den Fachgruppen für die ferne Zukunft. Dabei ist sekundär, was politisch im Moment opportun oder möglich ist.» Stocker fügt an: «Voraussichtlich im Herbst werden die beiden Regierungen über die nächsten Schritte der Tramnetzentwicklung entscheiden.»

Alle Optionen offen halten

Dann werde auch informiert. Laut Büttiker sei das zentrale Anliegen, für die Zukunft alle Optionen offen zu halten. Der konkrete Ausbau findet in einem ersten Schritt vor allem an den Endpunkten statt: Zum einen ist die Verlängerung der Tramlinie 3 bis Technoport und die der Tramlinie 8 bis zum Läublinpark vorgesehen.

Der Achter soll auch an seinem anderen Linienende in die Länge wachsen – und zwar via Allschwil-Letten in den Gartenhof. Auch der 3er könnte an beiden Enden zulegen und eine Verlängerung um ein, zwei Stationen nach Süden erhalten. «Verlängerungen an den Endpunkten sind wesentlich unkomplizierter, als komplett neue Linienführungen», gibt Büttiker dazu zu bedenken.