Die Rheinhalde in Basel ist das älteste offizielle Naturschutzgebiet der Schweiz. Heute sieht das Gebiet ganz anders aus als vor hundert Jahren, doch es ist immer noch schützenswert.
Im Februar 1913 fasste der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt einen historischen Beschluss: Die Rheinhalde sollte unter Naturschutz gestellt werden. Damit war das erste amtliche Naturschutzgebiet der Schweiz gegründet.

Grenze bis Schwarzwaldbrücke

Das geschützte Gebiet umfasste das rechte Rheinbord von der Landesgrenze bei Grenzach bis zur Schwarzwaldbrücke. Damals war der Uferhang sonnenexponiert und der Boden steinig - ein idealer Lebensraum für wärmeliebende Tiere und Pflanzen. So lebte dort zum Beispiel die Smaragdeidechse, die sonst nur viel weiter südlich anzutreffen ist. Naturforscher fanden insgesamt 485 verschiedene Tier- und Pflanzenarten - eine erstaunliche Vielfalt für ein Gebiet von nicht einmal zwei Kilometern Länge und maximal fünfzig Meter Breite.

Gebiet hat sich stark verändert

Die Forscher von damals würden die Rheinhalde heute allerdings kaum wiedererkennen: Die kargen Halbtrockenwiesen gibt es nicht mehr. Statt dessen ist die Böschung jetzt dicht mit Sträuchern und Bäumen bewachsen, sodass kaum noch Licht und Wärme auf den Boden dringt. Auslöser für diese Verwaldung waren vermutlich die Düngung durch Grünabfälle aus nahegelegenen Gärten und verminderte Erosion nach dem Bau des Kraftwerks Birsfelden im Jahre 1951. Durch den starken Bewuchs schwand die Artenvielfalt. Vor allem wärmeliebende Bewohner - wie die Smaragdeidechse - fanden keine geeigneten Lebensbedingungen mehr vor. Mittlerweile sind nur noch etwa 180 Arten auf der Rheinhalde beheimatet.

Durchgangsstrecke für Tiere

Trotzdem ist das Gebiet immer noch schützenswert. «Das Rheinbord ist ein wichtiger Wanderkorridor für Tiere und Pflanzen, die sich entlang der Rheinachse fortbewegen und ausbreiten», weiss Yvonne Reisner vom Fachbereich Natur-Landschaft-Bäume der Stadtgärtnerei Basel. Damit die Rheinhalde diese Funktion optimal ausfüllen kann, muss allerdings die Strauchschicht reduziert werden. «Wir wollen mehr Licht auf den Boden lassen, sodass sich mehr Arten ansiedeln können», erklärt Reisner. Deshalb gibt es an der Rheinhalde seit einigen Jahren immer wieder Arbeitseinsätze von Schulklassen und Naturschutzorganisationen. Besonders radikal wird gegen Neophyten wie Götterbaum, Robinie und die Armenische Brombeere vorgegangen.

Pflegeeinsätze zeigen ersten Erfolg

In den letzten zwei Wochen hat der Verein Naturnetz im Auftrag der Stadtgärtnerei einen solchen Pflegeeinsatz durchgeführt - wie auch schon in den beiden Jahren davor. «Das Ganze ist ziemlich arbeitsaufwendig», berichtet Projektleiter Fabian Meyer, «Das Gelände ist sehr steil, und wir machen alles in Handarbeit.» Das Naturnetz setzt dafür Zivildienstleistende ein. Diese schneiden die unerwünschten Pflanzen nicht einfach ab, sondern reissen alles mitsamt der Wurzel aus. Deshalb kann das Team jedes Jahr auch nur einen kleinen Bereich bearbeiten. «Vor drei Jahren haben wir auf Höhe des Rankhofs begonnen. Jetzt arbeiten wir uns Stück für Stück weiter Richtung Grenze vor», beschreibt Meyer die Fortschritte. Ein mühseliger Prozess, der viel Geduld erfordert.

Doch der Einsatz scheint sich zu lohnen: Letzte Woche stiessen die Zivis beim Roden auf eine Gottesanbeterin. Diese seltene Insektenart bevorzugt sonnige Lebensräume und war lange von der Rheinhalde verschwunden. Dass sie jetzt wieder dort auftaucht, ist ein gutes Zeichen.