Hallenbad Rialto, am Montag zur Mittagszeit: auf vier Bahnen ziehen 28 Schwimmer hin und her. Zu viele, um sich nicht gegenseitig in die Quere zu kommen.

In Basel ist Schwimmen Volkssport. Die Zahlen sind deutlich: Ins Rialto pilgern gemäss dem Basler Sportamt jährlich zwischen 90'000 und 100'000 Schwimmerinnen und Schwimmer. Das sind mehr Besucher, als das Cartoonmuseum und das Historische Museum (nach neuer Zählart) zusammen verzeichnen.

Es gibt noch weitere Indizien. Das neu überdachte Becken im Eglisee zeigt: Sportschwimmer nutzen das Angebot rege. Von November bis Ende April werden dort etwa 11'000 Besucher gezählt werden. «Das ist enorm, wenn man bedenkt, dass die Öffentlichkeit nur zu Randzeiten Zugang hatte», sagt Rolf Moser, Verantwortlicher für Schwimmbäder im Basler Sportamt. Nur während acht Stunden sind derzeit zwei Bahnen für Freizeit-Schwimmer geöffnet: am frühen Morgen, mittags und abends. Die Hauptzeiten gehören den Schwimmvereinen.

Die Situation wird noch prekärer werden, ist sich auch Moser sicher. Denn das Rialto ist in die Jahre gekommen und bedarf einer Generalüberholung. Die Arbeiten sollen 2020 beginnen und rund zwei Jahre in Anspruch nehmen, von der damit verbundenen Schliessung betroffen sind alle Nutzer.

Neid unter Schwimmschulen

Für eine Schwimmschule hat die Sanierung des Rialto weitreichende Konsequenzen. Gegenüber dem «Regionaljournal» von SRF bezeichnete Andreas Dirr von der Schwimmschule Knechtli die geplanten Umbauarbeiten als eine «Katastrophe». 40 Prozent seiner Kurse fänden im Rialto statt, allfällige Ausweichmöglichkeiten könnten dies nicht abfedern.

Hört man sich aber bei anderen Schwimmschulen um, sagt ein Konkurrent hinter vorgehaltener Hand: «Nur diese Schwimmschule hat Zugang zum Rialto, dabei ist dieses ein öffentliches Bad. Das ist uns gegenüber unfair.» Nach erfolgter Sanierung erwarten die konkurrierende Schwimmschulen eine neue Verteilung der Wasserzeit. Auch dies ein Beweis dafür, wie knapp das Chlorwasser in Basel momentan ist.

Darüber hinaus ist das Schwimmen in Basel ein teureres Vergnügen als anderswo: In Zürich etwa kostet ein Jahresabo für alle 24 Bäder 240 Franken. In Basel verlangt das sanierungsbedürftige Rialto 200 Franken für sechs Monate – von Einwohnern im Kanton. Auswärtige zahlen 60 Franken mehr. In Bern wiederum sind es derzeit 160 Franken für die Wohnbevölkerung. Dazu ist eine neue Schwimmhalle in Planung, 50-Meter-Becken inklusive.

In Basel erhofft man sich insbesondere während der Sommermonate Linderung. Dann helfen neben dem Rhein drei Gartenbäder, die Situation zu entschärfen.

Doch die Sanierung des Rialto könnte selbst dies ändern. «Eine denkbare Möglichkeit ist es, im Sommer fixe Wasserzeiten an Schwimmschulen zu vergeben», sagt Moser. «Das ist zwar problematisch und haben wir bislang nicht gemacht, denn es bedeutet, die Öffentlichkeit kann dann trotz Hitze ein Becken nicht nutzen. Wahrscheinlich werden wir solche Massnahmen aber ergreifen müssen.» Fraglich ist auch, ob sich die Schwimmvereine dann ihre bisherigen Privilegien im Eglisee erhalten können.

Roger Birrer vom Schwimmverein beider Basel macht sich keine Illusionen: «Die Rialto-Schliessung erhöht den Druck aufs Eglisee. Die jetzigen Kapazitäten reichen nicht aus, um den Wegfall des Rialto zu kompensieren.» Für die schwimmende Bevölkerung sei diese Schliessung ohnehin nur eines: «Tragisch.»

Grossrat wird aktiv

Moser lässt durchblicken, dass das Sportamt ganz grundsätzlich nicht glücklich ist mit den zur Verfügung stehenden Wasserflächen. In der Pflicht wäre aber die Politik. Auch wenn – anders als in Bern – keine Initiative für mehr Hallenbäder in Sicht ist, ist das Thema auch in Basel-Stadt ein Wiedergänger. Bereits 1988 tauchte die Forderung nach einem 50-Meter-Becken auf, seither bemühten sich verschiedene Grossräte sporadisch.

In diese doch eher kurze Liste reiht sich jetzt auch SP-Grossrat Thomas Gander ein. Am Montag machte er sich mittels einer Interpellation für eine neue Schwimmhalle stark. Die Regierung muss nun Fragen beantworten, wie dieses «Planungsversagen» geschehen konnte, und ob während der Bauzeit beim St. Jakob ein provisorisches Hallenbad entstehen könnte. Zumindest bei letzterer Frage wartet eine Enttäuschung auf Gander. Ein Zeltdach wie im Eglisee sei im Joggeli technisch nicht möglich, stellt Moser klar.

In bisherigen Antworten auf ähnliche Vorstösse verwies die Regierung zudem auf die umliegenden Hallenbäder der Region, etwa in Bottmingen. Dort rechnen die Verantwortlichen aber nicht mit mehr Schwimmern, wie Betriebsleiter Thomas Salathé auf Anfrage der bz sagt.