«In den letzten zehn Jahren hat sich extrem viel verändert», meint Walter Zandona und bezieht sich auf die Trommel und Piccolo-Klänge an der Fasnacht. Der Jurychef des offiziellen Preistrommelns und -pfeifens ergänzt: «Grundsätzlich ist das Bewusstsein für das Musikalische gestiegen.» Einen Grund dafür sieht er in den zusätzlichen Instruktoren-Kursen: «Neue Instruktoren kommen mit neuem Wissen in die Clique», fasst er zusammen. Zudem würden vermehrt «Einzelkönner» hervorstechen. Trotzdem ist er der Meinung, dass beim «Gesamtniveau» noch etwas gehe.

Fabiano Thaler hat selber am Offizielle mitgemacht. «Das musikalische Niveau ist massiv gestiegen.» Bei der Dynamik des Trommelns sei das Spektrum grösser geworden. So hätten die Tambouren vor wenigen Jahren mit den Schlegeln ein Piano noch fünf bis zehn Zentimeter über dem Fell getrommelt. «Heute befinden sich die Schlegel nur noch ein oder zwei Zentimeter über dem Fell.» Ein gutes Piano sei heute enorm wichtig, ohne gehe es beinahe nicht mehr: «Auf Zwischentöne und die Phrasierungen wird geachtet.»

Weiter stellt Thaler fest, dass das Tempo beim Trommeln zugenommen hat. «Aktuell wird Tempo 100 getrommelt, alles was darunter ist, wird nicht mehr goutiert!», schätzt er die Geschwindigkeit ein und ergänzt: «Es ist ein richtiges Gerase und tönt daher vielleicht etwas maschinell.» Das mache das Trommeln nochmals anspruchsvoller.

Die schnelleren Tempi und das technisch höhere Niveau bestätigt auch Ivan Kym. Der ehemalige Trommelkönig unterscheidet aber die Fasnachtsmusik auf der Strasse und jene beim Preistrommeln. «Die Generation am Offizielle trommelt sehr gut», lobt er. Man merke, dass das Instrument gepflegt werde. Auf der Strasse hört der ehemalige Trommelkönig nicht so Gutes. «Es ist aber absolut okay, wie es ist», beschwichtigt er. Härter ins Gericht geht er mit den Instruktoren: «Da gibt es grosse Unterschiede. In den jungen Garden gibt es ein Gefälle», moniert er und ortet dringenden Handlungsbedarf in der Ausbildung neuer Trommellehrer. Denn: «Die besten Instruktoren werden bei den jungen Garden benötigt!»

Kym zeigt grosses Verständnis für die aktuelle Situation. «Es ist der Zeitgeist. Ein junger Instruktor arbeitet und kann in einem Nebenjob nicht nochmals so viel Energie investieren.» Zudem brauche Basel sehr viele Trommellehrer. Kym und Pfeiferinstruktor Kevin Klapka sind sich einig, dass Tambouren in der Entwicklung weiter sind als Pfeifer. «Durch die Militärtambouren gibt es anspruchsvollere Literatur», meint Klapka: «Der Horizont für das Piccolo endet in der klassischen Musik, die aber zu anspruchsvoll ist.» Trotzdem beeinflusse die Klassik die Fasnachtsmusik. «Es muss auch Platz für diejenigen haben, die einmal im Jahr das Ventil öffnen wollen», betont er.

Ein Kränzchen für die Guggen

Diese Balance mache die Fasnacht aus. Thaler appelliert an alle Pfeifer und Tambouren, am Offizielle teilzunehmen. «Man wird durch den Wettbewerb besser», sagt er und begrüsst, dass beispielsweise mit dem «Bleichügeli» ein neues Stück ins Repertoire aufgenommen wurde. «Es ist eine neue Art Marsch, die für Basler gewöhnungsbedürftig ist», meint Thaler, der früher junge Garden ausbildete.

«Neue Kompositionen bringen neuen Schwung», ist auch Zandona überzeugt. Schlussendlich bleibe es aber eine «Geschmackssache». «Die Akzeptanz für das Trommeln und Pfeifen ist nirgends so hoch wie in Basel», meint Ivan Kym. Die Experten winden auch den Guggen ein Kränzchen und attestieren ihnen grosse Fortschritte.