Es sind nicht mal drei Minuten – doch Sabine Fankhauser wird sie wohl nie vergessen. Die 21-jährige Riehenerin darf nämlich am kommenden Dienstag vor Delegierten aus 193 Ländern sprechen. Als eine von drei Youth Reps wird sie vor dem dritten Ausschuss der UNO-Generalversammlung die Eröffnungsrede für die Schweizer Delegation halten.

Dabei wird sie der Welt nicht einfach nur ihre Meinung mitteilen. «Als Vertreterin der Jugend muss ich mir meine Legitimität erarbeiten», sagt sie. Deshalb ist sie seit letztem Mai in der Schweiz herumgereist, um aufzuspüren, was die Jugendlichen bewegt, in Gewerkschaften, Parteien, religiösen Organisationen, Schulen. Dabei kristallisierten sich drei Themen heraus, die sie aufs internationale Parkett bringen will: Integration von Migranten, Frauenrechte, Bildung. Fankhauser hat dies für ihre Rede nochmals reduziert, auf das Stichwort «soziale Eingliederung» - ein Anliegen, das auch ihr persönlich am Herzen liegt.

Den genauen Inhalt ihrer Rede darf sie nicht preisgeben. Sie ist sich bewusst, dass sie im Wortschwall einer Uno-Generalversammlung nur ein kleines Piepsen ist. «Aber ich hoffe, dass ich etwas frischen Wind bringen kann. Wir Jungen haben noch den Glauben an Innovation, wir können noch etwas Träumerisches einbringen.»

Noch keine Politik

Als sie vor einem Jahr Youth Rep wurde, dachte sie erst: «Boah, jetzt kann ich etwas bewegen!» Inzwischen hat sie gemerkt, dass die Mühlen einer internationalen Organisationen langsam mahlen, unter anderem nach einigen Besuchen in der UNO in Genf. «Ich weiss, was es heisst, lange an Sätzen zu feilen und nicht sofort Ergebnisse zu sehen». Trotzdem findet sie die UNO «megaspannend» - ihr Lieblingswort, das sie auch für ihre anderen Aktivitäten verwendet. In New York organisiert sie - neben ihrer Rede - ein «Youth Breakfast». Bereits als Schülerin engagierte sich in verschiedenen Organisationen, organisierte etwa den katholischen Weltjugendtag in Krakau mit. Sie war Teil der studentische Unternehmensberatung Student Impact, jetzt des Jugendrotkreuzes, unterrichtet Deutsch an Migranten.

Typisch schweizerisch wäre es, sich von unten nach oben hochzuarbeiten. Fankhauser beginnt jetzt in der UNO ganz oben – was aber nicht ausschliesst, sich auch auf ganz anderer Ebene zu engagieren. Interesse für das, was lokal geschieht, hat sie jedenfalls. Gleichzeitig fühlt sie sich zum Globalen hingezogen. «Politisch will ich mich momentan nicht engagieren», sagt sie. «Ich will mich nicht in einen Rahmen drängen lassen.» Auch beruflich ist noch völlig offen, wie und wo sie sich engagieren will nach dem Studium in internationalen Beziehungen an der Hochschule Sankt Gallen.

m Gegensatz zu einigen ihrer Mitstudierenden sieht sie es als Privileg der Jugend an, sich nicht festlegen zu müssen. «Jung ist man, um seinen Platz zu finden», findet sie. Ringt sie sich trotzdem zu einer Antwort auf die Frage durch, was sie in zehn Jahren tun wird, sagt sie: «Irgendwas draussen auf dem Feld, vielleicht in einer kleinen NGO, wo ich etwas verändern kann». Vielleicht bringt sie ihre Lebenseinstellung am besten auf den Punkt, wenn sie sagt: «Ich glaube einfach mega an Veränderung. Es gibt überall so liebe Menschen.» Deshalb ist für sie klar: «Ich will mich für etwas einsetzen - ich weiss nur noch nicht, wie und wo.»

Erfahrungen sammeln, Menschen und ihre Beweggründe kennenlernen, offen sein für Neues – diese Haltung hat sie von ihren Eltern übernommen. Diese haben seit Jahren Austauschschüler zu Hause, die Tochter lernte viel von ihnen. Auf Reisen wurde ihr deutlich, wie gut die Bildung in der Schweiz ist. «Das sollten wir nutzen», findet sie. Viele Jugendliche hätten das Bedürfnis, ihr Wissen einzusetzen, wüssten aber nicht wie. «Dabei hat jeder in der Woche ein oder zwei Stunden, um Gutes zu tun» – und sei es nur, weil der Nachbar Hilfe brauche.

Nicht abheben

Vorerst gehts aber am Sonntag nach New York, wo sie noch nie war. Dort wird sie viele Leute kennen lernen – ideal, um sich ein Netzwerk aufzubauen, als Sprungbrett für eine internationale Karriere? Fankhauser winkt ab. «Ich gehe nicht für mich persönlich nach New York, sondern als Vertreterin der Schweizer Jugend.» Eins will sie bei all ihrem Engagement auf keinen Fall: In abstrakte Sphären abheben und dabei den Boden verlieren. Noch in der Schweiz, verspürt sie wenig Nervosität. «Ich bin es gewohnt, vor vielen Leuten zu reden», erklärt sie - und lacht. «Kurz vor meiner Rede werde ich dann schon nervös sein.»

Fankhausers Rede ist sowohl live als auch als Aufzeichnung zu sehen unter
http://webtv.un.org