Wer heute über 55 Jahre alt ist und seine Lehrlings- oder Studentenzeit in Basel verbrachte, der musste fast zwangsläufig vor seinem gestrengen Auge bestehen. Sei es vor dem «Happy Night», vor dem «Klingeli», dem «Gifthüttli» oder dem «Des Arts» im Stadt-Casino: Die Chance war gross, dass da Röbeli stand und beurteilte, wer rein durfte und wer nicht. Er tat dies konsequent und wenn nötig auch nachdrücklich (Aufsässige fanden sich dann zum Teil im «Klingeli»-Brunnen wieder), aber auch mit viel Humor und grossem Herzen. Nicht Kleidung oder Aussehen zählten, sondern die Gewähr, die Stimmung drinnen nicht zu stören.

Der Schreibende erinnert sich an seine Zeit als Kino-Angestellter während des Studiums, der von Röbeli nach Feierabend jeweils mit den Worten durch die vor dem Eingang wartende Menge gelotst wurde: «Dä het gschafft, dä söll jetzt au e Bier dringge.»

Auch sonst hatte Röbeli ein grosses Herz. Jahrelang diente er als Helfer in der Basler Ferienkolonie. Als er in der Ochsengasse wohnte, waren seine Spaghetti-Essen für die gesamte «Gass» legendär. Bis kurz vor seinem Tod wirkte er noch als immer hilfsbereiter Abwart an seinem letzten Wohnort an der Murbacherstrasse. Und wenn bei Giovanni Nanni Not am Mann war, half er auch nach seiner Pensionierung als Eisenleger aus.

Auch in dieser Zeit gab es fast immer weibliche Zuschauer, welche den durchtrainierten Körper mit geballter Muskelkraft auf knapp 1.60 Länge bewunderten. Abends bewunderten sie dann sein Talent als grosser Tänzer mit Schwerpunkt Rock’n Roll.

Kettensprenger im Varieté

Überhaupt verstand es Röbeli perfekt, anderen Freude zu bereiten. Sei es als Auftritts-Partner und bester Freund des vergangenes Jahr verstorbenen Catchers René Lasartesse, als Komiker mit den «Los Gorgonzolas» oder als Kettensprenger im Broadway-Varieté von David Schoenauer. Und die «Spezi» freute sich jeden Morgenstreich über ihn als Vorträbler mit Steckenlaterne.

Nicht nur Freude an Röbeli hatte die Polizei, war er doch der wohl eifrigste Brückenspringer seiner Zeit, was eigentlich verboten war (und ist). Aber die Hermandad hatte auch grossen Respekt, wirkte Röbeli doch zeitweise als Kampfsporttrainer für die Kantonspolizei. Über Basels Grenzen hinaus bekannt waren seine Schützlinge Peter Flückiger (Ringer) und Peter Maschek (Gewichtheber). Auch wenn Röbeli sehr zu seinem Körper schaute, nicht zuletzt mit Schwimmen als gern gesehener Stammgast im Eglisee und im Rialto, die harte Arbeit auf dem Bau und das Alter forderten schliesslich ihren Tribut. Am 10. November 1932 geboren, schloss Robert «Röbeli» Bösch am 9. Mai 2019 friedlich seine Augen. Unser Mitgefühl gilt seinen vier Kindern, vier Enkeln und seiner Schwester.

Wer von Röbeli Abschied nehmen möchte, kann dies am Pfingstsamstag (8. Juni 2019) bei der öffentlichen Abdankung tun: Wir treffen uns um 16 Uhr bei der Helvetia am Kleinbasler Brückenkopf der Mittleren Brücke.