Beim Streit um die Zukunft der Robi-Spiel-Aktionen kommt es heute Abend zum Showdown. Gemäss Recherchen der bz hat sich in den letzten Tagen und Wochen eine Vielzahl von Mitarbeitern und Sympathisanten neu als GGG-Mitglied angemeldet, um an der heutigen Versammlung über das Schicksal des Vereins mitbestimmen zu können.

Auch in den sozialen Medien kursiert seit einigen Wochen ein entsprechender Aufruf. Die Robi-Spiel-Aktionen gehören zur GGG, der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel. Die beiden Organisationen haben sich jedoch derart heftig überworfen, dass die Robi-Spiel-Aktionen unabhängig werden wollen.

Mittlerweile werden so viele Neu-Mitglieder erwartet, dass die heutige Mitgliederversammlung statt wie in den letzten Jahren in der Musikakademie kurzfristig in den grossen Saal des Oekolampad-Gemeindehauses verlegt wurde. Die Verantwortlichen bei der GGG sind nervös. Dem Vernehmen nach sollen sie versucht haben, auch Mitglieder für ihre eigene Sache zu mobilisieren. Sogar über das Aufbieten von Security-Personal für heute Abend wurde offenbar nachgedacht.

Kurzfristiger Kompromiss

Die Krise der Robi-Spiel-Aktionen lässt seit Monaten die Wogen hochgehen. Ausgelöst wurden diese, als Revisoren vergangenes Jahr feststellten, dass der Verein aufgrund einer Fehlkalkulation stark verschuldet ist. Die Vereinsverantwortlichen waren davon ausgegangen, dass an Subventionen eine halbe Million Franken mehr fliessen würde, als den Robi-Spiel-Aktionen tatsächlich zustanden.

In der Folge übernahm die GGG das Ruder. Zur Erklärung: Der Verein Robi-Spiel-Aktionen zählt genau drei Mitglieder. Die GGG und zwei ihrer Stiftungen. Geschäftsführer Andreas Hanslin, der die Robi-Spiel-Aktionen über 30 Jahre lang auf- und ausgebaut hatte, wurde zurückgestuft. Dieser reagierte mit seiner Kündigung, worauf die Mitarbeiter auf die Barrikaden stiegen und ankündigten, dass sie für eine weitere Zusammenarbeit keine Perspektive mehr sehen würden. Stattdessen möchten sie den Verein von der GGG lösen und für weitere Mitglieder öffnen. Die bz machte die Krise anfangs März öffentlich.

Daraufhin gründete sich eine Interessensgruppe und sammelte Unterschriften für die Unabhängigkeitspläne. Die GGG setzte derweil einen interimistischen Geschäftsführer für die Robi-Spiel-Aktionen ein. Nachdem sich die Fronten zwischen GGG und Robi-Spiel-Aktionen weiter verhärtet und sich die Politik eingeschaltet hatte, rief Erziehungsdirektor Conradin Cramer vor einem Monat einen runden Tisch ins Leben, um die Situation zu klären. Mit Ergebnissen wurde eigentlich erst in mehreren Monaten gerechnet.

Doch nun dürfte alles deutlich schneller ablaufen. Recherchen der bz zeigen: Im Vorfeld der heutigen GGG-Mitgliederversammlung haben mehrere Mitarbeiter und Sympathisanten der Robi-Spiel-Aktionen zwei Anträge gestellt, welche fordern, dass die GGG die Robi-Spiel-Aktionen in die Unabhängigkeit entlassen soll.

Die GGG zeigte sich zwar gesprächsbereit, empfahl aber, die Anträge abzulehnen, weil man die Ergebnisse des runden Tisches abwarten wollte. Doch angesichts des zu erwartenden Aufstands durch die neuen Mitglieder knickte der GGG-Vorstand ein.

Heute soll nun ein kurzfristig aufgegleister Kompromiss vorgestellt werden. Demzufolge sollen die Robi-Spiel-Aktionen per Ende Jahr ein eigenständiger Verein werden – allenfalls noch unter dem Patronat der GGG, aber deutlich breiter aufgestellt. Weiter traktandiert ist ein Beitrag von maximal einer halben Million Franken zur Deckung des Finanzlochs.

Gerüchte über Abstraf-Aktion

Allerdings steht noch eine weitere Frage im Raum. Die Mitglieder des GGG-Vorstands werden jeweils versetzt für mehrere Jahre gewählt. Dieses Jahr muss Ruth Ludwig-Hagemann als Delegierte des Vorstands bestätigt werden. Die frühere Mitbesitzerin der «Basler Zeitung» und aktuelle Verwaltungsrätin von Radio Basilisk gilt im Tauziehen als vehementeste Gegnerin der Pläne der Mitarbeiter der Robi-Spiel-Aktionen.

Diese halten ihr vor, sie wolle den Robi-Betrieb komplett in die GGG integrieren. Etwas, wogegen sich die Kinder- und Jugendarbeiter immer mit aller Kraft gewehrt hatten. Theoretisch könnten die Robi-Sympathisanten Ludwig-Hagemann als Retourkutsche nun abwählen. Anschliessend direkt einen eigenen Vertreter in den Vorstand zu wählen, ist allerdings nicht möglich. Eine Kandidatur hätte einen Monat im Vorfeld angemeldet werden müssen.