Wann immer der Pharmakonzern Roche über seine Baupläne im Wettsteinquartier informiert, hagelt es von den Quartierbewohnerinnen und -bewohnern heftige Kritik.

Jüngster Streitpunkt: ein Parkhaus. An der Schwarzwaldstrasse, zwischen Bahndamm und Autobahn, sollen 650 Autos auf acht Etagen einen Platz finden – bloss «provisorisch» für die Dauer der Bauarbeiten, wie es in einem Brief «an die Nachbarinnen und Nachbarn von Roche in Basel» heisst. Das Schreiben lag vergangene Woche in deren Briefkästen.

Argumentatives Pingpong

Die Reaktion liess nicht lange auf sich warten: Im «Regionaljournal» von SRF kritisiert der Verein «Ausbau Osttangente – so nicht» die Parkhauspläne heftig. Was danach folgt, ist ein argumentatives Pingpong: Auf der einen Seite die Anwohnerinnen und Anwohner, die ihren Befürchtungen und ihrem Misstrauen Luft verschaffen – auf der anderen Seite die Roche, die zu beschwichtigen versucht. Der Pharmariese tarne das Parkhaus bloss als Provisorium, um leichter an eine Baubewilligung zu kommen, hiess es im «Regionaljournal». «Wir planen die Einstellhalle als Provisorium», betont Roche-Sprecher Karsten Kleine gegenüber der bz.

«Das Parkhaus führt zu Mehrverkehr», sagt Bruno Keller, Präsident des Osttangenten-Vereins. «An der Autobahn führt es zu einer Entlastung des Quartiers, weil die Angestellten nicht an den Häusern der Anwohner vorbeifahren müssen», kontert Kleine.

Roche redet – und hat Erfolg

Offenbar hat Roche nun genug vom Pingpong und sucht einen Ausweg. «Wir erarbeiten derzeit ein Konzept, wie wir mit den Anwohnerinnen und Anwohnern intensiver in einen Dialog treten können», sagt Kleine. Konkreter möchte er nicht werden, aber das Konzept solle «in den nächsten Monaten» präsentiert werden.

Nur mit der simplen Aussicht auf intensivere Gespräche hat das Pharmaunternehmen offenbar einen Nerv getroffen. Das hat offenbar einen Grund: «Wir empfinden es als wirklichen Fortschritt, wenn Roche von sich aus den Dialog sucht und wir uns nicht immer nur selber Gehör verschaffen müssen», sagt Bruno Keller vom Verein «Ausbau Osttangente – so nicht». «Viele Funktionsträger der Roche wohnen nicht in Basel und kennen die Situation nicht – sie sind sich unserer Probleme gar nicht bewusst», sagt Keller.

Hohe Erwartungen

Auch bei Franz Sabo, dem Sprecher des bis anhin pointiert auftretenden Vereins «Hauseigentümer und Anwohner Wettsteinquartier» (HEAW), kommt das Gesprächsangebot gut an. Offenbar hat am Montagabend zwischen dem Verein und Roche bereits ein erstes Treffen stattgefunden.

«Das Gespräch war sehr offen, die Atmosphäre gut», sagt Sabo. Roche hat es also geschafft, die negative Stimmung zu kippen – vorerst. «Den Worten sollen jetzt auch Taten folgen», predigt Sabo, der im Baselbiet als katholischer Pfarrer tätig ist.