Ihnen graut es vor einem Leben im Schatten, einem Leben am Fusse der Roche-Türme. Doch, anstatt den Kopf einzuziehen, organisieren sie sich. 95 Hauseigentümer und 40 Mieter aus dem Wettsteinquartier zeigen dafür Interesse. Rund die Hälfte traf sich am Montagabend im Restaurant Rebhaus. Sie waren sich einig: Sie wollen sich wehren.

«Roche ist so mächtig», sagte eine Anwesende. «Im Vergleich dazu sind wir Ameisen.» Gemeinsam sollen sie stärker werden. Dazu gründeten sie am Montag den Verein «Hauseigentümer und Anwohner Wettsteinquartier», kurz HEAW. Der Verein soll künftig ihre Forderungen vertreten und den Dialog mit Roche und der Stadt-Basel suchen. Ziel sei nicht die Verhinderung oder die Verzögerung des geplanten zweiten, noch grösseren Turmes, sondern konstruktive Lösungen, so die Initiatoren.

Wobei auch rechtliche Mittel genutzt werden sollen. Als erste Massnahme will der Verein vorsorglich Einsprachen einlegen. «Werden unsere Forderungen erfüllt, ziehen wir diese zurück», sagte Niklaus Trächslin, einer der fünf Initiatoren.

Tägliche Sonnenfinsternis

Die Hauptforderungen des neu gegründeten Vereins: ein durchdachtes Verkehrskonzept, Einschränkung der Bau- und Lichtemissionen, sowie Entschädigungszahlungen für den Wertverlust der Liegenschaften. Ein Wertverlust, der vor allem aufgrund des grösseren Verkehrsaufkommens und des langen Schattenwurfs der Gebäude befürchtet wird.

«Bei uns gibt es eine tägliche Sonnenfinsternis», sagte Martin Streckeisen, Mitinitiator von HEAW. Mit dem zweiten Turm und den vier weiteren Gebäuden werden die Folgen für das Quartier in den nächsten zehn Jahren noch zunehmen. Für die besonders betroffenen Liegenschaften verlangt der Verein darum finanzielle Entschädigungen von Roche.

Der Hauseigentümerverband ergreift nicht Partei für HEAW, wie ihr Geschäftsführer, Andreas Zappalà, im Vorfeld der HEAW-Gründungsversammlung gegenüber dieser Zeitung sagt. Sie würden sich neutral verhalten. Denn nicht alle Hauseigentümer fürchten sich vor der Zukunft. «Einige Hauseigentümer sehen auf dem Roche-Areal eine Chance», sagt Andreas Zappalà. Denn es gebe nicht nur Faktoren, die für eine Wertverminderung sprechen, sondern auch wertsteigernde Faktoren. Als Beispiel nennt er den Bau des Novartis Campus. Hier stieg der Mietpreis in den umliegenden Quartieren. Der Grund: Mitarbeiter, die in der Nähe des Arbeitsplatzes eine Wohnung suchen.

Einvernehmliche Lösung

Auch Roche verweist auf die positiven Seiten ihres Bau-Projektes: «Die Entwicklung des Areals wird zur Modernisierung des Areals und zur Schaffung moderner Arbeitsplätze führen. Dies wird auch zur Attraktivität des Quartiers beitragen.» Doch falls die Neubauten nachweislich zu einem Wertverlust führen – wäre Roche dann bereit Entschädigungen zu zahlen? Das Unternehmen weicht der Frage aus: «Roche hat stets grosses Interesse an einvernehmlichen Lösungen mit der Nachbarschaft.»

Einvernehmliche Lösungen, das möchten auch die Hauseigentümer und Anwohner des Wettsteinquartiers. Das betonten sie an der Gründungsversammlung mehrmals. Nach der einstimmigen Gründung sagte Niklaus Trächslin. «Wir werden nun Gespräche mit Roche und Stadt Basel aufnehmen.» Im gleichen Atemzug: «Wir machen uns auf die Suche nach einer Anwaltskanzlei, die für uns die Knochenarbeit übernimmt.»