Der Gedankenblitz ereilte Michele Matt am Capo d’Orso. Der 29-jährige Basler blickte gerade über das Meer und die Küstenlandschaft Siziliens. Er liebt das Campen. Er liebt seinen schwarzen VW-Bus. Doch zehn Monate im Jahr wird dieser in der Garage eingesperrt – wie die meisten seiner Art. Der falsche Platz für ein Fahrzeug, das Freiheit verspricht. Die Lösung: Camper-Sharing. Ungebrauchte Fahrzeuge sollen im Internet zur Miete angeboten werden.

Acht Monate sind seit Matts Sizilien Urlaub vergangen. Seine Euphorie – ungebremst. Der Businessplan steht, die Homepage ist auch so gut wie fertig. Zudem hat Michele Matt Unterstützung für sein Start-up-Unternehmen erhalten. Seit Februar ist Mirjam Affolter mit an Bord. Die 22-Jährige studiert an der Fachhochschule Nordwestschweiz Betriebswirtschaft und hilft dem Unternehmensberater im Zuge eines Praktikums.

Bereits vier Camper registriert

In wenigen Wochen gilt es für die beiden ernst, das Projekt «MyCamper» wird lanciert. Dann können Camper ver- und gemietet werden. Von Privaten an Private. «Wir planen, dass Anfang Mai die ersten Mieten getätigt werden können», sagt Matt. Die Vision der Jungunternehmer: «Wir wollen das Airbnb auf vier Räder werden.» Dazu braucht es ein möglichst grosses Angebot an Camper. Für Camperbesitzer ist es bereits jetzt möglich, sich auf der Seite anzumelden. Derzeit sind vier Fahrzeuge registriert. Darunter auch der VW-Bus von Matt.

Wer mit seinem schwarzen VW-Bus zur Abenteuerfahrt aufbrechen möchte, zahlt 90 Franken pro Tag. Ohne weitere Zusatzkosten. «Das kommerzielle Camper-Angebot ist in den Sommermonaten sehr teuer», sagt Matt. «MyCamper» will eine preisgünstigere Alternative dazu bieten. Die Mietpreise legen die Fahrzeugbesitzer selber fest. Die Provision beträgt dabei zehn Prozent. «Lieber eine kleinere Provision, dafür ein stärkeres Wachstum.» Zudem findet Matt es schade, dass viele Camper ungenutzt in der Garage stehen. «In der heutigen Konsumgesellschaft macht es Sinn, bestehende Ressourcen besser zu nutzen.»

Wieso sind Camping-Ferien, wahre Ferien? «Wegen der Freiheit», antwortet Mirjam Affolter. «Selber bestimmen können wohin und wann man fährt.» Sie könne sich noch gut an ihren ersten Campingurlaub mit ihrer Familie erinnern. «Campingferien sind ein Abenteuer.» Ein Solches erlebte Michele Matt auf einer Rückreise von Elba im wahrsten Sinne: «Es war an einem grauen Morgen auf einem öffentlichen Campingplatz in Locarno. Als wir den VW-Bus verliessen, trauten wir unseren Augen nicht. Ein junger Löwe stand vor unserem Camper.» Er gehörte zum Nachbarn und stammte aus einem Tierpark. Das von der Mutter verstossene Jungtier durfte mit in die Ferien.

Weitere Informationen: www.mycamper.ch.