Das Universitätsspital Basel verliert die Bewilligung für Speiseröhrenentfernungen. Das interkantonale Beschlussorgan für hochspezialisierte Medizin (HSM), das über Zuteilungen in der komplexen Spitzenmedizin befindet, will das Spital von der Liste streichen. Grund sind die tiefen Fallzahlen: In der Bemessungszeit 2014-2016 entfernte das USB im Schnitt weniger als die geforderten zwölf Speiseröhren von Krebskranken. Weiterhin an der Spitze der regionalen Bauchchirurgie behauptet sich derweil das Basler St. Claraspital. Dieses erhielt den Zuschlag in sämtlichen fünf Disziplinen. Am Privatspital dürfen demnach zukünftig neben den Speiseröhren auch Bauchspeicheldrüsen, Lebern und Enddarme entfernt sowie Eingriffe in der komplexen Bariatrie (Übergewichtigkeit) vorgenommen werden. Das Claraspital erreichte die Mindestfallzahlen locker, wie es am Dienstag in einer Medienmitteilung betonte.

Zusammenarbeit als Trumpf

Noch ist der Entscheid nicht definitiv. Das HSM-Beschlussorgan will den betroffenen Spitälern und Kantonen ab Mitte Dezember eine einmonatige Anhörungsfrist gewähren. Das USB wird die Gelegenheit nutzen, eine Stellungnahme zu verfassen. «Wir sind der Meinung, dass wir als universitäres Zentrum das ganze Spektrum der hochspezialisierten Viszeralchirurgie abdecken sollten», sagt USB-Sprecher Martin Jordan. Ansonsten drohe, dass hochkomplexe Fälle von multimorbiden Patienten nicht mehr in Basel, sondern in Bern oder Zürich operiert werden müssten.

Schweizweit sind viele Spitäler von einer Straffung der Liste betroffen, die zu einer Verbesserung der Qualität führen soll. Die Formel lautet vereinfacht: Je mehr komplexe Eingriffe im gleichen Spital durchgeführt werden, desto geübter werden die Mediziner. Das Unispital hält diesbezüglich einen Trumpf in der Hand.

Bereits als die bz vor einem Monat über den drohenden Rückschlag berichtete, machte das USB auf die Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Baselland aufmerksam, die zur Trendwende bei den Fallzahlen geführt habe. Seit diesem Januar führt ein Chirurgenteam, bestehend aus Mitarbeitern beider Spitäler, gemeinsam Speiseröhren- und Leberentfernungen durch. Die USB-Verantwortlichen sind sich sicher: Durch diese Zusammenarbeit wird die Mindestfallzahl wieder erreicht, die in den vergangenen drei Jahren nur knapp verpasst worden ist.