Die Spannung im Keller des Fauteuils am Freitagabend war förmlich greifbar. Da sassen also gleich mehrere Regierungsräte, ein namhafter Teil der Basler Prominenz und viele Fasnachtsfreudige und warteten darauf, dass sich der mysteriöse rote Vorhang öffnet und das Pfyfferli nun endlich die Vorfasnacht einläutet. Als dies schliesslich geschah, ging ein Raunen durch die Menge, und bald füllten Lachen und Geklatsche den Saal. Das diesjährige Pfyfferli fuhr sofort mit seinen spitzen Sprüchen und gut durchdachten Pointen ein.

Es begann mit der Unesco. Schon Wochen vor der Premiere sagte Texter Felix Rudolf von Rohr, man habe Schwein gehabt, dass die Basler Fasnacht zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden sei. Als der Vorhang sich öffnete, wurde der Blick auf die Säulen der Unesco frei, inszeniert von Domo Löw, Andres Linsin und Dietlind Ballmann. «S ligt nämlig öppis in de Luft», begann das Schauspielensemble um Caroline Rasser, Salomé Jantz, David Bröckelmann, Roland Herrmann und Myriam Wittlin zu singen.

Und in der Luft lag viel. Mit einigen spitzen Bemerkungen liess das Pfyfferli, das auch mit Tabus keine Berührungsängste zeigte, die Zuschauer aufhorchen. Beispielsweise beim ersten Stück, in dem sich zwei Nonnen und zwei Salafisten näher kamen und Rasser, als Nonne verkleidet, verkündete: «Düend vyl sündige, suscht isch de Jesus für nüt gstorbe.»

David Bröckelmann gab den verzweifelten Fasnächtler.

David Bröckelmann gab den verzweifelten Fasnächtler. 

Heiri und Spitzbueb heizen ein

Während der rund 58 Vorstellungen des Pfyfferli wechseln sich fünf Bängg ab: Die Premiere wurde vom «Heiri» und vom «Spitzbueb» bestritten. Während der «Spitzbueb» mit seinen scharfen Zoten das Publikum für sich einnahm, überzeugte «Heiri» ein weiteres Mal mit seiner Rap-Nummer.

Überzeugend auch Rassers Soloauftritt: Im Leo-Kostüm und blonder Perücke als unbedachte reiche «Zwetschge» sprach sie über die Zuneigung zu ausländischen Männern und machte jeden politisch-inkorrekten Spruch mit einem hellen, aufgesetzten Lachen wett. Auch Hermanns Auftritt als armer Rambass kam gut an. Zur Melodie von «If I was a rich man», die wohl viele Zuschauer noch auf dem Heimweg im Ohr hatten, sang er von seinem Dasein als Bauer. Er sang so inbrünstig, dass man ihm die Rolle auf Anhieb abkaufte.

Auch als er gemeinsam mit Rasser den Fasnachts-Schugger spielte und einen «verdächtigen» Waggis zum Reden bringen wollte, war das Publikum hellauf begeistert. Während im Hintergrund das Bühnenbild umgebaut wurde, ruessten und pfiffen die Dambuure und Pfyffer so, dass man sich bereits mitten im Cortège wähnte. George Ricci am Saxofon machte den musikalischen Genuss perfekt. Als er gemeinsam mit den drei Dambuure den «Ueli» vorführte, zeigte das Pfyfferli einmal mehr, dass es ihm jedes Jahr gelingt, besondere Zückerli auf die Bühne zu bringen.

Auftritt nach dem Rücktritt

Beim Highlight des Abends wurde die Stimmung im Keller des Fauteuils gar emotional: Ein allseits bekannter Bänggler, der eigentlich seinen Rücktritt bereits verkündet hatte, trat auf die Bühne. Unter tosendem Applaus, einem riesigen Merci und vielleicht gar einigen unterdrückten Tränen wurde er verabschiedet, in den Herzen der Fasnächtler bleibt er noch lange bestehen. Zum Schluss des fulminanten Abends wurde noch einmal die Unesco ins Spiel gebracht. Egal ob die Fasnacht nun Weltkulturerbe ist oder nicht, wir machen weiter wie bisher! Mit dem Lied «Ab uf d’Gass» wurden die heiteren Besucher entlassen.