Der Schlag ins Gesicht eines betrunkenen Mannes hat für den 19-jährigen Angeklagten harte Konsequenzen: Das Basler Strafgericht sprach ihn am Freitag wegen schwerer Körperverletzung schuldig und verhängte eine unbedingte Gefängnisstrafe von 18 Monaten.
Dazu sprach es auch einen Landesverweis von fünf Jahren aus.

Er habe im vergangenen Mai den Betrunkenen ohne eigentlichen Grund angegriffen, dieser stürzte daraufhin auf den Hinterkopf und erlitt schwere Kopfverletzungen. Nach der Operation entwickelte sich eine Infektion, woraufhin dem 24-Jährigen später erneut der Schädel geöffnet werden musste. Er befindet sich noch heute stationär in einer Rehabilitationsklinik.

Der Verteidiger hatte vergeblich gegen die Landesverweisung gekämpft und betont, der 19-jährige Ungare habe vor seiner Einreise in die Schweiz in Jugendheimen in seiner Heimat Gewalt und Unterdrückung erlebt und in der Schweiz den Anschluss nicht mehr gefunden. Nach den Plädoyers hatte der 19-Jährige am Donnerstag in einem rasanten Sprechtempo eine Erklärung verlesen und sich entschuldigt.

Weder berufliche noch schulische Integration.

Gerichtspräsident Roland Strauss attestierte ihm auch, dass er in den fünf Jahren in der Schweiz sehr gut Deutsch gelernt habe. «Das ist aber auch das einzige, was man ihm positiv anrechnen kann», sagte Strauss.

Eine sonstige Integration habe weder beruflich noch schulisch stattgefunden. Das Gericht anerkannte, dass der Jugendliche in Ungarn wohl eine sehr schwierige Kindheit hatte, gleichzeitig weise er als Jugendlicher aber auch bereits erhebliche Vorstrafen auf. Auch eine zweimonatige Untersuchungshaft im Jugendstrafverfahren habe ihn offenbar damals nicht beeindruckt.

«Es ist nicht so, dass man ihn und seinen Vater in der Situation allein gelassen hat», sagte Strauss. Über längere Zeit seien ihm verschiedene Ausbildungen und Praktika angeboten worden, doch nichts davon habe gefruchtet. Daran ändere auch nichts, dass er nun kurzfristig angeblich einen Praktikumsplatz bei einer Baufirma vorgewiesen habe.

Trotz der EU-Bürgerschaft des Mannes beschlossen die drei Richter auch einen Landesverweis von fünf Jahren. Die schwere Körperverletzung gehört zu den Taten, für die das Strafgesetzbuch inzwischen zwingend eine Wegweisung vorsieht.

Gerichtspräsident Roland Strauss betonte, man müsse nicht wie vom Verteidiger gefordert zuerst auf einen höchstrichterlichen Entscheid zum Freizügigkeitsabkommen mit der EU warten: Das Abkommen ermögliche es nämlich durchaus, EU-Bürger wegzuweisen, wenn eine hinreichend schwere Gefährdung für Ordnung und Sicherheit vorliegt. «Das ist hier ganz klar gegeben. Es ist angemessen und verhältnismässig, wenn er die Schweiz für eine gewisse Zeit verlassen muss», so Strauss.

Immerhin habe der Verurteilte durchaus die Möglichkeit, sich etwa in Deutschland grenznah niederzulassen und dort eine Arbeit zu suchen, meinte der Gerichtspräsident. Eine Wegweisung ist für eine Zeitdauer zwischen 5 und 15 Jahren möglich: Die Staatsanwaltschaft hat die minimale Dauer beantragt, dem ist das Gericht nun gefolgt.

Auf den Mann kommen nebst den Verfahrenskosten auch noch die Schadenersatzforderungen des Opfers in unbekannter Höhe dazu, der 19-Jährige ist allerdings mittellos. Durch die lange Untersuchungshaft wird er bereits Ende Mai 2018 zwei Drittel seiner Strafe abgesessen haben und danach weggewiesen. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, ein Weiterzug ans Appellationsgericht ist möglich.