Die Delikte sind schon eine ganze Weile her: Wüste Schlägereien im damaligen Club Fame am Claraplatz im November 2014, eine grobe Keilerei am Theaterplatz im März 2015 und erneut Schlägereien im und vor dem Fame im Januar 2016: Immer war der heute 25-jährige Mann dabei, und meistens hat er ebenfalls kräftig zugeschlagen. Einzelrichter Roland Strass verurteilte den bereits mehrfach und einschlägig vorbestraften Mann am Donnerstag zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten wegen mehrfachen Raufhandels. Die Staatsanwaltschaft hatte elf Monate beantragt.

Dass die Strafe eher mild ausfiel, lag vor allem an seiner persönlichen Entwicklung: Die letzten 2,5 Jahre fiel er nicht mehr polizeilich auf, auch hat er inzwischen eine Lehre als Karosseriespengler abgeschlossen. Damit verdient er netto rund 4000 Franken im Monat, er wohnt bei seiner Mutter.

Angestarrt, darum zugeschlagen

Warum er sich damals mit anderen geschlagen hat, wurde an der Verhandlung am Donnerstag nicht mehr so ganz klar: Beim Theaterplatz wollte er schlichten, im Fame ging es um «Anstarren» und ähnliche Provokationen. Teilweise flogen auch Flaschen, und einzelne Zeugen berichteten von Messern. Genau liess sich das Ganze aber nicht mehr beweisen, zumal auch einzelne Zeugen den Gerichtstermin schwänzten. Ein Anklagepunkt wegen versuchter Körperverletzung führte daher mangels Beweisen zu einem Freispruch.

Allerdings stellte man bei dem 25-Jährigen damals vor dem Fame ein verbotenes Stellmesser sicher, das er in der Hosentasche getragen hat. Eingesetzt habe er es an jenem Abend definitiv nicht, versicherte er dem Gericht. Das Gegenteil konnte man ihn nicht nachweisen, so blieb es bei einem zusätzlichen Schuldspruch wegen eines Verstosses gegen das Waffengesetz.

Gerichtspräsident Roland Strauss betonte, die nächtliche Schlägerei am Theaterplatz im Frühling 2015 sei ein gutes Beispiel dafür, weshalb der sogenannte Raufhandel unter Strafe stehe: Es handle sich um eine klassische Eskalation, an der mit der Zeit immer mehr Leute beteiligt waren und auch die Gewalt zunahm. Nach der Schlägerei am Theaterplatz sass der Mann für 2,5 Wochen in Untersuchungshaft. Eigentlich hätte die Strafe höher ausfallen müssen, weil er bereits vorbestraft war und trotz laufender Strafverfahren weiter delinquiert hatte.

Strauss sagte dazu, der Angeklagte sei bei den ersten Delikten noch sehr jung gewesen und habe sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Das verbotene Messer zog das Gericht ein, ebenso ein Marihuana-Minigrip und eine Ecstasy-Pille, die er bei der Polizeikontrolle vor dem Fame dabei hatte. Vor Gericht sagte er dazu, das Ecstasy habe ihm ein Kollege in die Tasche gesteckt.

Die Staatsanwaltschaft wollte dem Mann Verfahrenskosten von 15'000 Franken aufbrummen, Strauss kürzte den Betrag auf 8000 Franken, zusammen mit den Gerichtsgebühren wird der Mann rund 10'000 Franken bezahlen müssen. Er kann das Urteil noch weiterziehen.

Wegen der vielen Delikte wurde das Verfahren abgetrennt, andere Beteiligte an den Schlägereien erhielten bereits Strafbefehle oder müssen sich noch vor Gericht verantworten.