Seit Oktober werden Kiffer in der Schweiz nicht mehr verzeigt. Wenn sie erwischt werden und nicht mehr als 10 Gramm Cannabis zum Eigengebrauch bei sich haben, kommen sie mit einer Busse von 100 Franken davon. Seit Einführung dieses lockereren Regimes – welches vor allem die Polizisten entlasten soll – wurden in Basel bis heute 17 Personen gebüsst, wie Polizeisprecher Andreas Knuchel auf Anfrage der bz mitteilt. Oder anders: Gerade mal 1700 Franken sind in die Staatskasse geflossen.

Die «NZZ am Sonntag» spekulierte deshalb bereits, dass in Basel Kiffer weniger hart angefasst werden als in Zürich, wo mehr solcher Bussen ausgesprochen wurden. Knuchel gibt aber zu bedenken: «Für ein Fazit ist es noch viel zu früh.» Im Winter erwischt die Polizisten naturgemäss weniger Kiffer auf den Strassen, erst müsse man also die Sommermonate abwarten. Er stellt aber auch klar: «Für uns hat sich wenig geändert. Wir machen nicht extra Jagd auf Cannabis-Konsumenten.»

Kiffer weniger sichtbar

Einer, der den Cannabis-Konsum in Basel professionell beobachtet hat, ist der ehemalige Journalist und heutige selbstständige Texter Christian Platz. Im Jahr 2001, als in Basel ein äusserst liberaler Umgang herrschte, stellte er in einem legendären Artikel fest, dass es in Basel mehr Hanf-Läden als Bäckereien gibt. «Damals rauchten auf der Pfalz selbst 14-Jährige so grosse Joints, dass es einem Angst und Bange werden konnte», erinnert er sich heute.

Laut Platz ist es heute viel schwieriger, verlässliche Aussagen zum Cannabis-Konsum in Basel zu machen als damals: «Die Hanf-Läden sind gut strukturierten Kurier-Diensten gewichen.» Zwar beobachtet er immer noch viele Menschen, die ungeniert in der Öffentlichkeit kiffen. Doch: «Das öffentliche Kiffen ist mit dem Rauchen verschwunden.» Weil Kiffer wieder repressiver angefasst würden, wisse man nicht so recht, was mit dem wirklichen Konsum passiert ist. «Man kann nicht sagen, ob weniger oder mehr gekifft wird als früher.»

Eveline Bohneblust, Leiterin der Abteilung Sucht beim Kanton, verweist auf interessante Zahlen: 2012 haben in einer Befragung 26 Prozent der Basler Jugendlichen angegeben, bereits Erfahrungen mit Cannabis gemacht zu haben. 2006 waren es noch 21 Prozent. Cannabis-Prävention habe deshalb einen hohen Stellenwert. Sie fügt an: «Der Suchtmittelkonsum unterliegt stark dem Zeitgeist und dem aktuellen Trend.»

Auf den THC-Gehalt kommts an

Nichtsdestotrotz: Das Modell der Cannabis Social Clubs, welche die bz gestern zum Thema machte, findet Christian Platz interessant. «Es wäre wohl langsam Zeit für eine kontrollierte, legale Cannabis-Abgabe.» Das Ganze habe aber einen entscheidenden Knackpunkt: «Wenn der legal verkaufte Stoff einen zu tiefen THC-Wert hat, interessiert er die Leute nicht.» Dann würden die Konsumenten weiter illegal kaufen. Die Diskussion ums Kiffen, so scheint es, wird Basel noch lange beschäftigen.