Das Weihnachtsgeschäft brummt. Vergangenen Samstag glich der Andrang in der Freien Strasse einem jener Tage, die man sonst nur vor mehreren Feiertagen am Stück kennt: Kaum ein Quadratmeter Bewegungsfreiheit, eine gewaltige Druggedde. Klar, da war am Abend auch die Parade der Motorrad-Santigläus durch die Innenstadt. Dennoch, es war ein normaler Samstag in Basel.

Doch das zunehmende Gedränge hat einen Grund. Der Detailhandel verzeichnet seit Winteranfang einen stärker werdenden Kundenstrom. Das stellt auch Matthias F. Böhm, Geschäftsführer des Vereins Pro Innerstadt, fest: «Tatsächlich erleben wir gerade einen leichten Aufschwung im Detailhandel.» Das habe auch mit der Preisgestaltung zu tun.

Der Auswärts-Boom lässt nach

Die einst starke Differenz zwischen Franken- und Euro-Preisen hat sich verringert, Produkte in der Schweiz sind für viele wieder erschwinglicher geworden, während im grenznahen Raum die Preise korrigiert wurden. Böhm, der im Austausch mit den benachbarten Einkaufsortschaften steht, sagt, er habe von dort auch entsprechende Rückmeldungen erhalten: Der Boom beim Einkaufstourismus lasse etwas nach.

Falknerstrasse, das ehemalige Ladengebäude von Jäggi, Thalia und Orell Füssli wird nun zu drei Läden.

Orell Füssli

Falknerstrasse, das ehemalige Ladengebäude von Jäggi, Thalia und Orell Füssli wird nun zu drei Läden.

Für das hiesige Gewerbe ist das eine gute Nachricht. Während der vergangenen Jahre wurde der Einkaufstourismus zwar von vielen Seiten angeprangert, umgekehrt aber auch von weiten Teilen der Bevölkerung praktiziert. Das betraf Waren des täglichen Gebrauchs genauso wie Luxuswaren, die in der Vorweihnachtszeit besonders beliebt sind.

«Black Friday» brachte Andrang

Bereits positiv auf die Kassen schlug sich der «Black Friday» nieder. In den USA ist dieser Aktionstag nach dem Thanksgiving-Feiertag bereits Tradition, da werden Rabatte und Aktionen im grossen Stil feilgeboten. Seit einigen Jahren setzen auch Schweizer Geschäfte auf dieses noch weitgehend als amerikanistische Konsumschlacht verpönte Modell.

Mit Erfolg: «Die Stadt verzeichnete eine grosse Kundenmenge während dieser Aktion», sagt Böhm. Trotz des Schnödens wurden die Läden, insbesondere die grösserer Ketten, gut besucht. Entsprechend zeigte sich das in den Umsätzen.

Ein weiterer Faktor ist der Basler Weihnachtsmarkt, der durch einen konsequenten Wachstumskurs seitens Standortmarketing zu einem der grössten und beliebtesten in Europa wurde. Entsprechend hat sich Basel im Advent zu einem Shopping-Zentrum entwickelt, das neben dem Angebot auch mit einem Erlebnis aufwarten kann.

Dennoch noch Potenzial bei den Boutiquen

Dazu tragen auch die Initiativen kleinerer Organisationen bei, wie etwa der grossflächig angelegte Schaufensterwettbewerb «Vitrine d’Or» des Vereins «Buy-Local.ch», eines Zusammenschlusses von Kleinbetrieben im Detailhandel. Hier ist vom leichten Aufschwung beim Kundenstrom allerdings noch wenig zu bemerken.

Mymaps: Vitrine d'Or 2018

Das Weihnachtsgeschäft laufe in etwa auf Vorjahresniveau, sagt Manuela Hirt von der Boutique «Schritt für Schritt», die auch für den Schaufensterwettbewerb mitverantwortlich zeichnet. Eine Umfrage unter den Betrieben falle erstaunlich übereinstimmend aus: «Das Herbstgeschäft lief nicht sehr gut. Jetzt zieht es aber langsam an.» Das gelte für die Innenstadt genau so wie für die Quartiere. Hirts Fazit: «Es dürfen also alle gerne weiterhin in die Stadt kommen, um einzukaufen.»

Noch stehen die zwei verkaufsoffenen Sonntage in Basel an. Der erste findet übermorgen statt, der zweite einen Tag vor Heiligabend. Doch warnt auch Böhm von Pro Innerstadt vor zu viel Euphorie: Der grosse Boom von früher werde so schnell nicht wiederkommen. Der leichte Anstieg im Dezember ist aber ein positives Zeichen für die von Shoppingtouristen lange gemiedene Innenstadt.

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Vitrine d'or 2018