Der knapp sechs Quadratkilometer grosse Landschaftspark Wiese ist Naherholungsgebiet, Sportplatz, Naturschutzzone, Landwirtschaftsfläche und Ort der Trinkwasserproduktion von Basel. Der Nutzungsdruck steigt mit der inneren Verdichtung der Siedlungsgebiete ringsum und dem damit verbundenen Bevölkerungswachstum laufend weiter.

Vor allem bei Hundehaltern ist die Wiesenebene ein beliebtes Spaziergebiet. Zumeist funktioniert das Nebeneinander der Bedürfnisse und Interessen bestens. Aber nicht immer. Unter dem Nutzungsdruck am meisten leiden Tiere und Pflanzen. Die Arbeitsgruppe Landschaftspark Wiese hat auf bestehende Konflikte reagiert und im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojekts einen Rangerdienst lanciert, der am 23. Februar seine Arbeit aufnimmt.

Keine polizeilichen Rechte

In gemeinsam hundert Stellenprozent werden Yannick Bucher als Hauptranger, Martha Koelbing und Raphael Böhm zum Rechten schauen. Dabei stehe die Sensibilisierung und Aufklärung und nicht die Repression im Vordergrund, erklärt Bucher, der unter anderem auch in der Reinacher Heide als Ranger arbeitet. Wenn es dann doch mal zu Konflikten kommt, will der Rangerdienst deeskalierend eingreifen.

Die drei Ranger haben keine polizeilichen Rechte. Kommt es zu Konflikten mit dem Gesetz, werde die Polizei eingeschaltet. Geht es nach Yannick Bucher, soll es aber erst gar nicht soweit kommen. «Prävention» heisst das gestern an der Vorstellung des Rangerdienstes propagierte Stichwort. Informieren, sensibilisieren und zur Not auch mal tadeln. Bucher vergleicht die Wirkung ihrer Präsenz mit derer der Polizei. «Wenn die Menschen wissen, dass wir da sind, verhalten sie sich hoffentlich korrekt.» Die Ranger wollen ins Bewusstsein der Parknutzer.

Eine schwierige Evaluation

Yannick Bucher ist ausgebildeter Ranger. Martha Koelbing arbeitete zuletzt im Nationalpark Wattenmeer in Norddeutschland, Raphael Böhm beim Naturschutzzentrum Feldberg im Süd-Schwarzwald. Nach drei Jahren Pilotphase soll ein Fazit gezogen werden. Den Erfolg zu messen sei aber schwierig, gibt Riehens Gemeinderätin Christine Kaufmann (EVP) zu bedenken. «Es muss etwas sein, das man sich nicht mehr wegwünscht und froh ist, dass die Ranger da sind.» Jeder Kontakt und jeder Zwischenfall würden schriftlich erfasst, erklärt Hauptranger Bucher. «Nehmen diese Zahlen ab, ist der Rangerdienst ein Erfolg.» Zusätzlich zum Rangerdienst wird im Landschaftspark Wiese die Beschilderung ausgeweitet und vereinheitlicht. Auf Plakaten werden die Parkbenutzer auf die Besonderheiten der Wiesenebene hingewiesen.

Am Rangerdienst und der ausgeweiteten Beschilderung beteiligen sich Basel-Stadt mit 360'000 Franken, Riehen und Weil am Rhein mit je 72'000 Franken. Die Bemühungen freuen Margarete Osselame, Präsidentin der Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz Riehen. «Es gibt im Landschaftspark Wiese viele sensible Orte der Natur, die vor Menschen besser geschützt werden müssen.» Diese seien der Natur gegenüber «teilweise rücksichtslos». Die meisten Probleme gingen von Hundehaltern und Velofahrern aus. Osselame begrüsst den Ansatz «Information vor Repression». Vieles passiere auch im Unwissen. Nun hofft sie, dass dank dem Rangerdienst die Natur im Landschaftspark wieder mehr Ruhe bekommt.