Ob im Tram, im Bad oder mit der besten Freundin: Jugendliche zücken mittlerweile in jeder Lebenssituation ihr Mobiltelefon, um ein Selfie zu machen. Danach wird es auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram geteilt. Nicht jedes Bild ist imagefördernd, doch was einmal im Netz ist, verschwindet so schnell nicht wieder. Umso durchdachter sollte jede Veröffentlichung sein. Die Jüngsten sind der Selfie-Kultur noch nicht verfallen, doch auch von kleinen Kindern tauchen vermehrt Bilder im Internet auf.

«Wir betreiben schon lange Forschungen im Bereich der visuellen Kommunikation», erklärt Ulla Autenrieth vom Seminar für Medienwissenschaft der Universität Basel. Der Schwerpunkt lag bisher auf den Verhaltensweisen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Gegenwärtig werden die Untersuchungen fortgeführt: «Die vormals Jugendlichen und jungen Erwachsenen gründen inzwischen selbst Familien, weshalb die Rahmenbedingungen des Umgangs mit Familienfotos aufgezeigt werden müssen», sagt Autenrieth weiter. Die stärkste Nutzergruppe der neuen sozialen Netzwerke bilden die «Digital Natives». Damit sind all diejenigen gemeint, die nach 1980 geboren wurden.

Fotografie im medialen Wandel

Das Phänomen der privaten Fotografie hat sich mit dem medialen Wandel verändert. «Die Kommunikation des Mediums Bild ist vielschichtiger als die eines schriftlichen Textes», meint Autenrieth. Deshalb sei es wichtig, dass Eltern nur bewusst ausgewählte Bilder ins Netz stellen. Der Guide biete eine Hilfestellung, ohne den Zeigefinger gegen die Eltern zu erheben und ihre Handlungen zu verurteilen.

«Unser Zugang ist komplexer, die Grundlagen bildeten Recherche, Expertenmeinungen und Ergebnisse eigener Forschungen», sagt die Projektleiterin. Der Familienguide gibt zahlreiche Hinweise. So ist beispielsweise die Auswahl einer geeigneten Plattform wichtig. Weiter sollen die Sicherheitseinstellungen genauer untersucht werden. Die Nennung des vollen Namens eines Kindes soll zwingend vermieden werden.

Veto-Recht für die Kinder

«Mit unserem Hilfsmittel soll das Risiko minimiert werden, es kommt jedoch immer auf den Kontext an, ob ein Bild gepostet werden sollte», sagt Autenrieth. Jede Familie müsse aber für sich entscheiden, was sie für richtig hält. Das Veto-Recht des Kindes sei in jedem Fall zwingend einzuhalten. «Die aktive Medienerziehung ist wichtig, da Kinder die Eltern nachahmen. Aus diesem Grund muss die Thematik mit den Kindern aktiv besprochen werden, um sie so zu sensibiliseren», erklärt Autenrieth den Ansatz des Projekts.

Um nicht in jeder Situation den Guide zuziehen zu müssen, wurde ein zweites Hilfsmittel entwickelt: Das Entscheidungsrad liefert mittels gezielter Fragen eine fundierte und schnelle Antwort auf das Problem «Posten: Ja oder Nein?».

Infos: www.netzbilder.net