Radikal neu sollte die 102. Mustermesse Basel, die gestern zu Ende ging, sein, ein urbaner Event, ein Erlebnis. Dafür versuchten die Verantwortlichen die Mustermesse neu zu denken. Weg von den nebeneinander aufgereihten Ständen, die Küchengeräte, Dampfreiniger, Verandastoren und Suppengewürze anbieten.

Stattdessen sollen thematische Zonen den Besuchern ein gesamtheitliches Erlebnis bieten. Etwa der Bereich «Inspiration.LIVE», quasi die Verdichtung der Basler Innenstadt mit Cargovelos, Elektrogitarren und Yoga-Kursen. Zentrum des neuen Ansatzes war das «Höfli», in dem ein vielfältiges Programm geboten wurde, das von Poesie-Vorlesungen über Materialauktionen bis hin zum Basler Zmittag reichte.

«So etwas hat es noch nie gegeben», sagte Messeleiter Daniel Nussbaumer im Vorfeld. «Wir verfolgen die Vision einer neuen, zukunftsträchtigen Messe, die anders aufgebaut ist als nach dem herkömmlichen Schema. Ob wir damit Erfolg haben, entscheiden letztlich die Besucher.»

Nun: Die Besucher haben entschieden. Und nicht so, wie sich die Verantwortlichen vorgestellt haben. 123 746 Personen fanden während den zehn Tagen den Weg in die Messehallen. Vergangenes Jahr waren es noch 145 000 gewesen, rund ein Siebtel mehr.

Schon während der Muba hatte sich abgezeichnet, dass die diesjährige Ausgabe nicht sonderlich erfolgreich werden dürfte. Für die Verantwortlichen ein herber Rückschlag: Vergangenes Jahr hatte das Team um den neuen Messeleiter die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr steigern können. Man hoffte, den Turnaround geschafft zu haben.

Auf Februar vorverschoben

Von einer «durchzogenen Bilanz» spricht Nussbaumer. Er will sich nicht zu stark auf die reinen Zahlen beschränken. «Die Frage ist ja auch, wie lange bleiben die Besucher und was machen sie?» Die Rückmeldungen von den Besuchern und Ausstellern zum neuen Konzept seien durchweg positiv gewesen.

«Die neue Stossrichtung kommt gut an.» Allerdings habe man Pech mit dem Wetter gehabt, so Nussbaumer: «Der schöne April hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.» Lediglich an zwei der zehn Tage herrschte «Messewetter». Viele Aussteller, die auf eine hohe Besucherfrequenz angewiesen sind, hätten ihre Ziele nicht erreichen können. «Das ist für uns unbefriedigend», sagt Nussbaumer.

Unter anderem deshalb soll die Muba nächstes Jahr wieder im Februar stattfinden. Das Wetter habe allerdings die grundsätzliche Tendenz nur verstärkt. «Unser Hauptproblem ist nicht der Sonnenschein», sagt Nussbaumer.

In den nächsten Wochen wollen die Verantwortlichen die Rückmeldungen sammeln und verarbeiten, bevor sie eine definitive Bilanz ziehen. Für den Messeleiter ist aber jetzt schon klar: «Wir müssen uns noch weiter verändern.» Der eingeschlagene Weg sei der richtige, ist er überzeugt. Die Muba könnte sogar noch deutlich weiter gehen. «Klar positionierte Formate funktionieren deutlich besser als ein bunt gemischtes Allerlei», sagt Nussbaumer.

Ein Beispiel dafür sei das «Cannabis Village», eine Parallelmesse, die sich der Kultur-, Nutz- und Heilpflanze Cannabis widmete. «Das ist ist ein klares Format mit klaren Inhalt, klarer Zielgruppe und einem klaren Leistungsversprechen.» Ein mögliches Vorbild sei etwa auch die Modemesse Bread & Butter des Onlinehändlers Zalando in Berlin: «Für diese erhält man meist kaum noch ein Ticket», sagt Nussbaumer.

Hohe Allmendgebühren

Die Muba müsse sich überlegen, ob sie künftig als Dach von klar positionierten Themen fungieren wolle, so Nussbaumer. Dabei könnten auch mehrere Themen gleichzeitig nebeneinander aufgezogen werde.

«Entscheidend ist, wie wir die Besucher besser ansprechen.» Das Thema Wohnen etwa reiche vom Designerstuhl bis hin zu Massenware. Da sei es wichtig, sich als Messe klar zu positionieren. Einen ersten Versuch machte die Muba schon dieses Jahr: Fünf junge Menschen lebten während zehn Tagen in einer Ikea-WG an der Muba. «Es war extrem spannend, mit so vielen verschiedenen Leuten ins Gespräch zu kommen, die man sonst nie getroffen hätte», sagt WG-Bewohnerin Noelia Berberat aus Aesch, die als Instagram-Star eine gewisse Bekanntheit erlangt hat. «Aber jetzt bin ich doch wieder froh, um ein bisschen Privatsphäre.»

Ein weiteres Thema, das dieses Jahr an der Muba für Stirnrunzeln sorgte, war der sehr spartanisch bespielte Messeplatz. Auch Nussbaumer würde dort gerne mehr bieten, allerdings kann die Muba nicht von den gleichen günstigen Tarifen profitieren wie die Herbstmesse: «Im Vergleich zur Herbstmesse zahlen die Aussteller fast das Doppelte pro Quadratmeter», sagt Nussbaumer. «Es ist nachvollziehbar, dass diese sich ihr Engagement unter diesen Umständen zwei Mal überlegen.»