In der offiziellen Mitteilung des Regierungspräsidiums Freiburg heisst es: «Auch der Kanton Basel-Landschaft in Liestal wird beteiligt». Von einer Beteiligung könne aber keine Rede sein, sagt Alberto Isenburg, der Leiter des Baselbieter Amts für Umweltschutz und Energie: «Die deutschen Behörden müssen rechtlich zwingend die Umweltverträglichkeitsprüfung in Zusammenarbeit mit den Umweltämtern in der Schweiz machen.»

Drei Kantone sollten involviert sein

Dass in der Freiburger Mitteilung explizit nur das Baselbiet aufgeführt wird, kommt in Basel-Stadt nicht gut an. Michael Wüthrich, der Präsident der grossrätlichen Umwelt-, Verkehrs-, und Energiekommission meint: «Da müssten drei Kantone involviert sein, Baselland, Aargau und vor allem Basel-Stadt.»

Und den Grund dafür, dass vor allen Dingen Basel-Stadt mitreden müsste, liefert der Umweltgeograf gleich nach: «Die Hauptwindrichtung in Grenzach ist Ost-West. Alles, was in die Luft geht, kommt also direkt in Richtung Basel». Die Basler Behörden wurden aber in der Tat nicht direkt von den deutschen Kollegen informiert.

Alberto Isenburg sagt gegenüber der bz, er habe sein städtisches Pendant, Jürg Hofer, den Leiter des Amts für Umwelt und Energie, am Freitag an einer Sitzung genauer über die geplante Anlage informiert. Hofer selbst sagte, er habe erstmals am Donnerstagabend durch einen Journalisten von der Deponie gehört.

Sonst gute Zusammenarbeit

Beide Amtsleiter stimmen aber darin überein, dass die Kommunikationspanne ein Fehler in einer an und für sich guten Beziehung zwischen den deutschen und den schweizerischen Behörden sei. Hofer meinte: «Die lieben Kollegen in Freiburg haben die Baselbieter informiert, uns aber nicht.» Hofer stuft diese Panne als wenig dramatisch ein. Er will aber dennoch aktiv werden: «Wir sind der Meinung, das könnte uns mitbetreffen und haben deshalb beschlossen, die Unterlagen nachzubestellen.» Es gebe aber «keinen Anlass für eine Feuerwehrübung, wir haben genügend Zeit.»

Gemäss der Ausschreibung des Regierungspräsidiums soll die Anlage auf dem Areal der BASF in Grenzach-Wyhlen, direkt am Rhein zu stehen kommen. Antragstellerin für die «immissionsschutzrechtliche Genehmigung» sei die Firma Zimmermann Sonderabfallentsorgung. Dabei handelt es sich um den lokalen Ableger einer Sonderabfallentsorgungsfirma aus Gütersloh. Der Geschäftsführer der Gruppe, Gerhard Zimmermann, rechnet damit, dass im Frühling mit dem Bau begonnen werden könne. «Wir werden hier sieben Millionen Euro investieren und 50 bis 60 Arbeitsplätze schaffen». Vor Ort in Grenzach werde sein Sohn, Gerhard Zimmermann junior, den Betrieb führen.

Schweizer und deutscher Müll

In der geplanten Anlage sollen feste und flüssige Industrieabfälle so aufbereitet werden, dass sie entweder entsorgt oder aber wiederverwertet werden können. Die Zimmermann-Gruppe fasst damit neben ihrem Hauptsitz in Gütersloh und einem Standort in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) einen weiteren Markt ins Auge: die Schweiz.

Die ehemaligen Ciba-Gebäude sind heute Standort der BASF.

Die ehemaligen Ciba-Gebäude sind heute Standort der BASF.

In der Region Basel hofft Zimmermann auf neue Kunden aus dem Bereich der Chemie- und Pharmaindustrie. Er habe auch bereits erste Anfragen erhalten. Zudem hätten gute Beziehungen zur Ciba bestanden. Und auf deren ehemaligem Werk, das nun der BASF gehört, soll die Sondermüll-Behandlungsanlage zu stehen kommen. Zudem sei auch in Baden-Württemberg noch einiges zu holen, so Zimmermann weiter: 80 Prozent der Sonderabfälle würden das Bundesland verlassen und anderswo aufgearbeitet, da bestünde ein «ordentliches Potenzial».

Trennen, verdichten, entsorgen

Die geplante Anlage in Grenzach-Wyhlen besteht aus zwei Teilen: Im einen werden flüssige Abfälle behandelt: «Das werden Säuren, Laugen und ölhaltige Abwässer sein, beispielsweise aus der Automobilindustrie, der Stahlverarbeitung oder Abwässer von Tankstellen», führt der Senior-Chef aus. Diese sollen in sogenannten Dekantoren in feste und flüssige Bestandteile getrennt werden. Die Flüssigkeiten würden dann gereinigt und in den Rhein geleitet.

Die Feststoffe werden je nach Gehalt an verwertbaren Metallen recycliert oder aber in den zweiten Teil der Anlage gebracht. Dort werden feste Abfälle entgiftet, mit Kalk und Staub gemischt und zu Ziegeln gepresst. «Diese dienen dann in Sonderdeponien sozusagen als Baumaterial», erläutert Zimmermann. Es sei die beste Methode, den belasteten Brandstaub aus Kehrichtverbrennungsöfen zu binden und zu entsorgen.

Straffer Zeitplan für den Bau

Die Zimmermann-Gruppe will bereits im Frühjahr mit dem Bau der Anlage beginnen. Vorher kommt aber die öffentliche Planauflage. Doch hier befürchtet der Chef keine Stolpersteine: «Ich rechne nicht mit grossen Verzögerungen, wir haben die Umweltverbände von Anfang an mit einbezogen.» Die deutschen Umweltverbände wohlgemerkt. Die Gruppe habe mit diesem Vorgehen mehrfach gute Erfahrungen gemacht. Um möglichst unabhängige Gutachten zu bekommen, habe man eine gemeinsame Jury gebildet: «Wir haben die externen Gutachter zusammen mit Vertretern der grossen Umweltverbände ausgesucht».

Dass es in der Schweiz mit der Kommunikation nicht ganz so gut geklappt hat, bedauert Zimmermann. Zuständig für die Information der beiden Basel und möglicherweise auch der Behörden im Aargau wäre aber nicht die Zimmermann-Gruppe gewesen, sondern das Regierungspräsidium in Freiburg. Dort kann bis zum 21. Januar 2013 noch Einsprache gegen das Projekt eingelegt werden.