Eva Herzog bekundet etwas Mühe mit dem Persönlichen, wie sie am Montag vor den Medien gestand. «Ich rede lange und gerne über verschiedene Sachgeschäfte», sagte die SP-Regierungsrätin bei der Präsentation ihrer Ständerats-Wahlkampfkampagne im Unternehmen Mitte. «Aber über mich selbst halt nicht so gerne.» Auch darum sei sie nervöser als bei anderen Medienkonferenzen. Jetzt musste sie es aber tun, und sie tat es, wie es Eva Herzog gerne tut: kurz, prägnant und nach einem kurzen Schlenker über Schlagworte wie «kompromissfähig» und «offen» widmete sie sich wieder ihrem Lieblingsthema: der Finanzpolitik.

Die Ansage also für Herzogs Ständeratskandidatur lautet: Schwerpunktsetzung bei der Altersvorsorge, der Digitalisierung – vor allem auch im Finanzwesen – und der Unternehmensbesteuerung. Dazu kommt ihr nationales Steckenpferd, der Finanzausgleich, dessen aktuelle Gestaltung sie als Präsidentin der Konferenz der Geberkantone massgeblich mitgestalten konnte. Es sind denn auch diese Bereiche, in denen Herzog nach 15 Jahren als Basler Finanzdirektorin nicht nur als sattelfest, sondern auch als richtungsweisend gilt. Ginge es um die Bewerbung für eine Führungsposition im Finanzbereich eines Grossunternehmens, es wäre beinahe geschäftsschädigend, diese Frau nicht einzustellen.

Herzogs Buhlen um die Wirtschaftsgrössen

Das Komitee, das Herzog zur Wahl verhelfen will, fand am Montag ebenfalls nur lobende Worte. Darunter die Riehener EVP-Gemeinderätin Christine Kaufmann («Sie ist hart, aber fair, stets eine hervorragende Sparring-Partnerin für den Gemeinderat»), die Kulturmanagerin Désirée Meiser, künstlerische Leiterin des Gare du Nord («Eva Herzog hat einen brillanten Geist, das zeigt sich auch und gerade im Finanzbereich, der als männliche Domäne gilt»); und schliesslich Marco Gadola, CEO der Straumann Group.

Gadola stach in der Runde als Vertreter eines internationalen Medizinaltechnik-Konzerns hervor. Er lobte Herzog als «eine Person, mit der man auch als Vertreter der Privatwirtschaft auf Augenhöhe diskutieren kann. Sie ist kompromissfähig, kann dazu stehen und weiss, dass eine starke Sozialpartnerschaft auch eine starke Wirtschaft benötigt.»

Der Rücktritt auf Januar 2020

Dabei ist Gadola noch in etwa so lange im Amt wie Herzog als Regierungsrätin: bis Anfang 2020, dann wird er dem Unternehmen noch als Verwaltungsrat erhalten bleiben. Immerhin dürfte Herzog bis dann gewählt sein – oder auch nicht: «Ich trete auf jeden Fall per Ende Januar 2020 zurück», sagte Herzog. Ein Doppelmandat komme für sie nicht infrage, zudem würde die Amtszeitbeschränkung innerhalb der Basler SP eine längere Tätigkeit als Regierungsrätin nicht zulassen. «Sollte ich daher die Wahl nicht schaffen, werde ich mich nach einer anderen Beschäftigung umschauen müssen.»

Denn Herzog ist nicht die einzige Kandidatin, welche die langjährige SP-Ständerätin Anita Fetz im Amt beerben will. Die bürgerlichen Parteien BDP, CVP, FDP, Grünliberalen und LDP portieren die Grossrätin und LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein als Ständeratskandidatin, die SVP scherte aus und präsentierte SVP-Grossrätin Gianna Hablützel-Bürki als mögliche Nachfolgerin von Fetz. Und kürzlich meldete auch die Basta ihr Interesse am Amt an – allerdings noch ohne Nomination durch eine Partei. Basta-Nationalrätin Sibel Arslan erklärt auf Anfrage nach wie vor, dass es legitim sei, sich als Partei Gedanken dazu zu machen, in die Karten blicken lässt sie sich nicht.

Siegessträhne im Majorz-System

Als aussichtsreichste Konkurrentin Herzogs wird allerdings nach wie vor LDP-Präsidentin von Falkenstein gehandelt. «Natürlich versucht auch die SP, Wirtschaftsleute ins Komitee zu holen», sagt von Falkenstein angesichts der Anwesenheit von Gadola beim SP-Kampagnenstart. «Von einer Regierungsrätin, die letztlich gar nicht so links politisierte, war das allerdings auch zu erwarten.» Die Bürgerlichen jedenfalls seien für ihren eigenen Ständeratswahlkampf äusserst zuversichtlich, «wir werden zu gegebenem Zeitpunkt über unser Vorgehen informieren».

Herzog gilt allerdings als Kandidatin mit den besten Aussichten, da sie bereits mehrere Male zur Wahl beziehungsweise Wiederwahl im Majorz-System angetreten war. 2004, als sie das erste Mal in die Regierung gewählt wurde, musste sie noch in den zweiten Wahlgang, wo sie dann aber auf dem ersten Platz vor Guy Morin (Grüne) abschnitt. Bei den Erneuerungswahlen 2008, 2012 und 2016 schaffte sie jeweils das beste Ergebnis vor allen ihren Kollegen und Konkurrentinnen.