Es dauerte genau 20 Minuten und 32 Sekunden. Dann knallte es, und zwar gewaltig. Der Böögg flog in die Luft, wörtlich, und endlich war einem 25 Jahre alten Versprechen Genüge getan. Denn das letzte Mal, als Basel-Stadt Gastkanton am Sechseläuten war, kippte der Schneemann einfach vom Scheiterhaufen. Das wars.

Dennoch, auch diesen Montag, im noch etwas kühlen Jahre unseres Herrn 2018, war der Jubel etwas mau. Nicht wegen des Spektakels, das zog mit, aber wegen der Verheissung: Der Böögg brannte etwas zu lange. Der Sommer wird, dem zürcherischen Glauben nach, daher eher durchzogen. Kein sehr gutes Zeichen. Aber immerhin explodierte das Ding in Anwesenheit der Basler. Tröstlich: Laut einer Datenanalyse der NZZ ist der Böögg allerdings ein miserabler Wetterprophet.

20 Minuten und 31 Sekunden: Böögg 2018 prophezeit Durchschnitts-Sommer

20 Minuten und 31 Sekunden: Böögg 2018 prophezeit Durchschnitts-Sommer

Fast 20 Minuten liessen die ersten Böller auf sich warten. Doch dann wurden die Besucher mit einem umso bombastischeren Feuerwerk belohnt.

Drei Stunden Basler Schaulauf

Dem Spektakel auf dem Sechseläuten-Platz ging der grosse Umzug voran – drei Stunden der Limmat entlang, angeführt von Basel. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann schritt vorneweg, die Amtskollegen eng an der Seite. Ganz ohne Klamauk: Die rauchende und lärmende Maschine von Jean Tinguely, eines der versprochenen Highlights, musste zu Hause bleiben. Die Wetterprognose verhiess nichts Gutes, obwohl es bis auf einzelne, ganz wenige Tropfen trocken blieb.

Letzten Endes waren es weit über 500 Baslerinnen und Basler, die dem Sechseläuten die Ehre erwiesen. Allein die offizielle Delegation der Stadt – mit Trachten, vereinigten Cliquen, vereinigten Zunftspielen – sprengte ohnehin schon den Rahmen der herkömmlichen rund 250 Abgesandten eines Gastkantons. Diejenigen, die von den einzelnen Zürcher Zünften separat eingeladen wurden, waren etwa gerade noch einmal so viele.

Die OK-Chefin lag falsch

Die Basler OK-Chefin und Standortvermarkterin Sabine Horvath zeigte sich abends zufrieden. Obwohl, sie hatte als gebürtige Zürcherin auf eine Böögg-Brenndauer von zehn Minuten getippt, wie sie sagt. Das war dann eben, neben dem Fehlen des Klamauk, die zweite kleine Enttäuschung für die Basler Delegation. Ansonsten war der Auftritt ein Erfolg. «Wir haben viele zufriedene Gesichter gesehen», sagte Horvath, als der Scheiterhaufen schon langsam in Schutt und Asche lag.

Den Feiertag der Zürcher Zünfte, der in Zürich gleichzeitig auch ein offizieller Feiertag ist, verewigte Künstler Christoph Knöll innert drei Tagen auf vier Laternenwänden. Ein Basilisgg und ein Ziiri-Lai erweisen sich darauf gegenseitig die Reverenz. Die Basler Lampe führte den Umzug an - eben wie einen ordentlich unordentlichen Cortège, den sich die Baslerinnen und Basler gewöhnt sind.

20 Minuten 31 Sekunden, der Böögg prophezeit einen tristen Sommer

20 Minuten 31 Sekunden, der Böögg prophezeit einen tristen Sommer

Aadie – bis in 25 Joor

Und Reden? Von denen gab es im öffentlichen Teil keine. Regierunspräsidentin Elisabeth Ackermann schwärmte fürs Fernsehen SRF vom Anlass und dem Basler Auftritt, ehe sie auf dem Richtplatz des Böögg eine Fackel überreicht bekam, um den Scheiterhaufen in Brand zu setzen.

So endete das Sächsilüüte, pardon: Säggsilytte, versöhnlicher als das letzte, erste Mal, als Basel in Zürich zu Gast war. Und das war es dann auch, für eine lange Zeit. Denn der nächste und dritte Versuch für eine schnellere Böögg-Explosion mit Basler Beteiligung wird erst wieder in 25 Jahren stattfinden.